Wie Filme Geschichte schreiben

Einmal im Jahr lädt Cinefest, das internationale Festival des deutschen Film-Erbes, ins Metropolis Kino ein. Dann erstrahlen die Kino-Schätze aus den Archiven wieder auf der Leinwand. Vom 18. bis 26. November beleuchten Filme das Thema Revolution und Restauration im Wandel der Zeit. Zur Eröffnung erhält der Hamburger Filmwissenschaftler und Initiator des Filmfestes, Hans-Michael Bock, die Senator-Biermann-Ratjen-Medaille, eine Hamburger Auszeichnung für Verdienste im kulturellen und künstlerischen Bereich.

Vom Filmlexikon zum Filmfest

13 000 Seiten, schätzt Hans-Michael Bock, habe er wohl schon veröffentlicht und noch immer schreibt er mit seinem Team von CineGraph, dem Hamburgischen Centrum für Filmforschung, dieses einzigartige Filmlexikon zum deutschsprachigen Film fort. In der mehrbändigen Loseblattsammlung trifft der Leser auf die Bio- und Filmografien all jener Deutschen, die hier oder woanders an der Realisation von Filmen mitarbeiteten. Und auch auf jene, die nach Deutschland kamen, um Filme zu machen. Mit immer neu entfachter Leidenschaft begibt sich Hans-Michael Bock auf detektivische Spurensuche nach all jenen Details, die die Filmschaffenden und ihre Werke schließlich in den historischen Zusammenhang politischer, gesellschaftlicher und technischer Entwicklungen einordnet.

Cinefest – ein Festival des deutschen Film-Erbes

Hans-Michael Bocks Filmwissen verschwindet jedoch nicht nur zwischen Buchdeckeln, sondern erstrahlt auch auf der Leinwand. Einmal im Jahr lädt CineGraph im Metroplis Kino zum Cinefest, einem neuntägigen Festival des deutschen Film-Erbes und nimmt die Zuschauer mit auf eine spannende Reise durch vergangene Filmwelten. In diesem Jahr heißt das Thema vom 18. bis 26. November “Zwischen Revolution und Restauration“. Gezeigt werden Filme die sich mit der Epoche von der Französischer Revolution bis zur Wiederherstellung der alten Ordnung nach dem Scheitern der demokratischen Revolution in Deutschland 1848 auseinandersetzen.

 

Unermüdlich auf Spurensuche

Hans-Michael Bocks Filmleidenschaft hat früh begonnen. Schon als Fünfzehnjähriger hielt er Einführungsvorträge im Filmklub der Volkshochschule, später drehte er Dokumentarfilme für den NDR. 1978 begeisterte er den Verlag Edition Text und Kritik für die Idee eines Lexikons zum deutschen Film und begann lange vor den PCs und noch länger vor dem Internet eine computerbasierte Datenbank anzulegen. Die größte Filmdatenbank Deutschlands hat inzwischen mehrere Systemwechsel hinter sich.

Hamburg wird Mittelpunkt der Filmforschung

Zu seinem internationalen Netzwerk mit Filmhistorikern gehörte auch der Kontakt zum Staatlichen Filmarchiv der DDR, in das mit dem ehemaligen Reichsfilmarchiv ein großer Teil des deutschen Filmerbes übergegangen war. Mit dessen Unterstützung startete Hans-Michael Bock 1988 eine ausführliche Werkschau von DEFA-Filmen und eine Werkschau des Hamburger Schauspielers und Regisseurs Reinhold Schünzel zu dessen hundertstem Geburtstag. Zu diesem Anlass kamen Filmwissenschaftler zum ersten Internationalen filmhistorischen Kongress zusammen. Seither erörtern über hundert Kongressgäste jedes Jahr ein filmhistorisches Thema in Hamburg.

Eintauchen in fremde Filmwelten

Längst hat sich das Cinefest als Publikumsfilmfest etabliert. Diesmal entführt das Festival in die Epoche zwischen Französischer Revolution 1789 und der Zeit nach dem Scheitern der demokratischen Revolution in Deutschland 1848. Diese bewegten Zeiten inspirierten viele Künstler und Literaten und lieferten auch Stoff für Filme, von Stanley Kubricks „Barry Lyndon“ mit Hardy Krüger bis hin zu diversen Verfilmungen von Goethes „Werther“: Und ganz nach Hans-Michael Bocks Lebensmotto wird auch dieses Festival Unentdecktes sichtbar machen.

 

Autorin: Herdis Pabst
Titelfoto:  Hans-Michael Bock © Swenja Schiemann
Foto: “Barry Lyndon“ Quelle Deutsche Kinemathek Museum für Film und Fernsehen, Berlin © Warner Bros.

15. November 2017 von Redaktion

Kategorien: Hamburg inszeniert, Kulturgenuss

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