Stadtteil-Interview: Hafencity, bist du groß geworden!

Früher gehörte das Gelände der heutigen Hafencity zum Freihafen, inzwischen ist es zum größten innerstädtischen Baugebiet auf 2,2 Quadratkilometern geworden. Seit der Grundsteinlegung 2001 ist viel bewegt worden und es wird fleißig weiter gebaut. Zwischen Elbbrücken und Kehrwiederspitze sollen bis ca. 2030 14.000 Menschen wohnen, 45.0000 Menschen arbeiten und 10.000 Studenten und Schüler an der Elbe lernen. Im Infopavillon an der Osakaallee erhalten Besucher einen Einblick in das stetige Wachstum und die Neuplanungen. Grund genug, sich etwas ausgiebiger mit dem aufstrebenden Viertel zu beschäftigen.

Als junges Hamburger Viertel bietest du Start-Ups und neuen Ideen Freiräume. Wo sind diese bei dir zu finden, Hafencity?

Gut zu erkennen zum Beispiel in der Hafenuni mit Ihrer weißgekachelten Fassade direkt am Baakenhafen mit eigener U-Bahn Station. Seit 2014 sind nun Studiengänge aus Ingenieur- und Naturwissenschaften vereint mit solchen aus Geistes-und Sozialwissenschaften – auf der größten innerstädtischen Baustelle in Deutschland. Studienschwerpunkt ist hier die Stadtplanung. Die Uni soll eine Ideenschmiede für die Umgebung sein. Der U-Bahnhof belegt übrigens den vierten Platz der weltweit zehn schönsten U-Bahnhöfe und die Lightshow am Wochenende (von 10-18 Uhr jede volle Stunde) ist äußerst sehenswert.

Nur einmal über die Baakenbrücke hinüber, befindet sich das Projekt MLove Future City. Schon 2016 wurde Europas größtes Co-Working Lab & Startup Space aus Seecontainern errichtet. Inzwischen wird es auch als Eventlocation genutzt.

Und wo lässt es sich bei dir am augefallensten übernachten?

Eine gelungene Kombination zwischen Tradition und Moderne ist das Ameron Hotel. Teile der Räumlichkeiten befinden sich nämlich in der alten Kaffeebörse, die zur Speicherstadt gehört. Eine Passage über den Fleet verbindet diese mit einem weiteren, hochmodern gestalteten Gebäudeteil. Direkt auf dem Wasser kann man in einem Mikrohotel auf dem Hafenkran vom Hafenbasar direkt im Sandtorhafen übernachten. Mehr Hafen geht nicht. Schiffe und das Meer sind natürlich auch für jüngere Besucher sehr interessant. Für die Wohlfühlatmosphäre gibt noch das ganz neue JuFA Hotel – sehr schön für Familien. Die Kids können sich auf dem wunderbaren Kletterschiff im Außenbereich wie ein richtiger Pirat fühlen oder im Indoor Adventurebereich spannende Spiele erfinden. Die Eltern lockt die großzügige Terrasse mit schönem Blick auf den Baakenhafen.

Wo kann man bei dir viel erleben und Interessantes kennenlernen?

Ein ganz besonderer Ort, um die Seefahrt besser kennezulernen, ist natürlich das Maritime Museum. Es ist in einem der drei großen Hafenspeicher untergebracht und zeigt immer wieder interessante Sonderausstellungen. Anders und doch ganz im Sinne der Seefahrt ist der Hamburger Hafenbasar. Die Mischung aus Museum und Laden ist in einem Schwimmkran am Sandtorhafen untergebracht (siehe auch Mikrohotel). Von afrikanischen Masken über Buddelschiffe bis hin zu Schrumpfköpfen gibt es hier viel zu entdecken.

 

 

Mit sehr speziellen Exponaten lockt auch das PROTOTYP Automuseum. Hier kommen Autofans voll auf ihre Kosten: Markenübergreifend werden hier Prototypen und Einzelanfertigungen Baujahr 50-er Jahre bis heute ausgestellt und darüber hinaus kann man hier auch „Filmstars auf 4 Rädern“ begutachten. Gleich nebenan wird ab dem 14. September die Märchenwelt ihre Tore öffnen. In dieser neuartigen Erlebniswelt können sich Besucher für eine Kerneigenschaft eines Märchenheldens entscheiden und dürfen dann – mit Hilfe dieser Eigenschaft oder in Kooperation mit anderen – einen „märchenhaften“ Escape-Room erobern. Ergänzt wird alles von einer Ausstellung zu den Gebrüdern Grimm.

Im Hafen gibt es viel Metall und Stein – kann man bei dir auch den Vögeln lauschen oder auf der Wiese liegen?

Gerade in Sachen Parkanlagen und Begrünung hat sich in den letzten Jahren viel bei mir in der Hafencity getan. Mit der Erschließung neuer Wohnquartiere sind auch viele Spielmöglichkeiten für Kinder und grüne Oasen für die Erwachsenen entstanden. Im Lohsepark gibt es Obstbäume, an denen man sich bedienen kann, einen Skaterpark, ein Boulebahn, Basketball- und Bolzplätze, Urban Gardening und ein wichtiges Denkmal. Es wird hier an den Hannoverschen Bahnhof erinnert – ein wichtiges Gedenken an die NS-Opfer, die von hier aus in die Lager transportiert wurden. Gleich daneben ist auch ein schöner Spielplatz mit Trampolinen, interessanten Kletteroptionen und einer Grotte, in der man die unterschiedlichen Gesteinsschichten der Hafencity sehen kann.  An großen Schaukeln können Klein und Groß einen guten Blick auf den Oberhafen bzw. die Altstadt werfen. Das Neueste ist der Baakenpark. Er ist von Wasser umflossen und über eine Brücke zu erreichen. Zwischen Afrikaterminal und Elbbrücken ist die begrünte Insel mit Spiel-und Sportmöglichkeiten und dem 14 Meter hohen Himmelsberg zu finden. Die Landschaftsplaner haben einige Besonderheiten berücksichtigt. Beispielsweise wurde der Sandboden mit Muttererde bedeckt und mit Geogittern zur Befestigung überspannt, bevor mit der Bepflanzung begonnen wurde. Die Bäume haben eingegrabene Pflanzkästen mit Muttererde für die Wurzeln bekommen und sie werden von  Drahtseilen gehalten, um den starken Winden widerstehen zu können. Das Ergebnis ist eine wunderschöne Oase im Hafen. All diese Anlagen sowie die großzügigen Terrassen am Wasser werden den ganzen Sommer lang für frei zugängliche Open Air-Veranstaltungen genutzt. Von Musik über Tanz bis hin zu Lesungen ist für jeden etwas dabei.

 

 

Mit der Elbphilharmonie ist die Hochkultur bei dir eingezogen, war es das schon in Bezug auf Kunst und Kultur?

Nein auf keinen Fall, die neue Astor Filmlounge hat neben gut ausgestatteten Kinosälen auch eine Hafenbühne für Schauspiel und Events im Angebot. Direkt hinter der Baakenbrücke liegt der ehemalige DDR-Fischtrawler MS-Stubnitz als Kulturschiff. Auf schwankendem Boden können Besucher tanzen, Konzerte  besuchen, Lesungen lauschen oder Ausstellungen genießen. Eine sehr gute Adresse für experimentierfreudige Besucher im Hafenbecken. Auch für Literaturfans gibt es eine neue Adresse: Die maritime Buchhandlung Hafenfuchs in der Schanghaiallee. Ein wunderbarer Ort zum Stöbern. Neben Neuerscheinungen zu maritimen Themen (von Technik, Seefahrt, Geschichten bis hin zu Kochbüchern) gibt es viele antiquarische Bücher und Schiffsmodelle. Selbst bei einem bloßen Bummel können Besucher Fotokunst genießen. Auf dem Überseeboulevard finden wechselnde Fotoausstellungen unter dem Motto Open Art in den großen Schaukästen statt.

 

Um all das zu entdecken brauchen deine Besucher auch eine Stärkung. Was hast du für das leibliche Wohl zu bieten?

Gastronomische Angebote gibt es bei mir reichlich. Ob edel oder einfach, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Besonders schön sind die kleinen Restaurants mit kreativem Angebot. Gute Angebote für den Mittagstisch bieten das Andronaco mit solider italienischer Hausmannskost und einem angeschlossenen Supermercado oder Feinkost Hafencity, wo deutsche Küche einen besonderen Pfiff bekommt. Schöne Orte zum Verweilen bei Kaffee, Süßigkeiten oder Snacks sind zum Beispiel das Klein und Kaiserlich mit seiner österreichischen Kaffeehauskultur oder das Baaken-Nest mit seinem herrlichen Blick aufs Wasser. Direkt an der Elbphilharmonie geht es schon etwas edler zu. Carls Brasserie ist eine gute Adresse für gehobene französische Küche und norddeutsche Klassiker in neuem Gewand. Selbst im Gourmetbereich finden sich interessante Angebote. Das Restaurant Bianc wurde von dem gebürtigen Apulier Matteo Ferrantino eröffnet und er möchte mit seinen raffinierten Kreationen das Mittelmeer nach Hamburg bringen.

 

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Autorin: Ilona Kiss
Fotos: © HAMBURGschnackt.de – Ilona Kiss

21. August 2019 von Redaktion

Kategorien: Hamburg entdeckt, Stadtliebe

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