Mein Hamburg: Harriet Dohmeyer

Was lieben die Hamburger an ihrer Stadt – und was nicht? Was bewegt ihr Leben oder was wollen sie bewegen? Menschen erzählen über ihre Leidenschaften, Lieblingsorte und ihr Leben in unserer Metropole. Wir fragen Harriet Dohmeyer, Gründerin des Independent-Verlages Ankerwechsel.

Als Fräulein Anker bloggt und fotografiert sie seit ihrer Schulzeit. Nun ist Harriet Dohmeyer Anfang zwanzig, Master-Studentin im Studiengang „Digitale Kommunikation“ der HAW Hamburg und Gründerin ihres eigenen Independent-Verlages Ankerwechsel, über den die beiden Reiseguides „Hallo Hamburg“ und „Hallo Kopenhagen“ erschienen sind.

Im Interview mit HAMBURG schnackt! erzählt die sympathische Hamburgerin, wie sich ihr Leben in der Hansestadt und darüber hinaus anfühlt, was diese auszeichnet. Viel Spaß mit Harriet Dohmeyer alias Fräulein Anker.

Wie war es für Sie, mit 23 Jahren Ihren eigenen Verlag in Hamburg zu gründen?

Während der Gründung war ich noch 22, aber generell hat mein Alter für mich in dem Kontext gar keine Rolle gespielt. Ich gehörte auch in der Schule, dem Studium oder im Freundeskreis immer eher zu den Jüngeren und bin einfach dankbar, dass ich früh wusste, in welche Richtung ich gern gehen möchte. Die ganze Gründung war ein sehr lehrreicher Prozess, der phasenweise natürlich auch anstrengend war. Insgesamt hat er mir aber viel Freude bereitet und tut es auch immer noch jeden Tag – der Ankerwechsel Verlag und die ersten Bücher sind schließlich ein Projekt, von dem ich schon einige Jahre vorher geträumt hatte. Es ist großartig, die eigene Idee nun erfolgreich umgesetzt zu sehen und die Bücher so häufig auszuliefern.

Sie haben einen Reiseguide für Hamburg und einen für Kopenhagen herausgebracht – warum diese beiden Städte?

Ich reise leidenschaftlich gern, aber meine Heimatstadt Hamburg ist für mich eindeutig die große Liebe. Umgeben von den kreischenden Möwen am Hafen, den leise gleitenden Segelbooten auf der Alster oder den vielen besonderen Orten, die ich in meinem Hamburg-Buch vorstelle – das löst etliche Glücksgefühle in mir aus. Einen Liebesbrief an meine eigene Stadt zu verfassen, das war die Motivation hinter „Hallo Hamburg“.

Aber auch wenn Hamburg definitiv den größten Platz in meinem Herzen hat – man könnte fast sagen, mein Anker ist –, bin ich gleichzeitig auch ein sehr neugieriger Mensch, der total gern andere Metropolen bereist. Die ersten Bücher sollten deshalb direkt Teil einer Reihe sein, die künftig auch weiter wächst. Um den Reihencharakter zu prüfen, habe ich also mit zwei Städten gestartet. Ich wollte sichergehen, dass der Aufbau einheitlich sein kann und trotzdem der Charakter der jeweiligen Stadt mit Liebe zum Detail auf eine frische Art seinen Platz bekommt.

 

Und warum nun ausgerechnet Kopenhagen?

Nach einer Recherchereise in die dänische Hauptstadt im letzten Sommer hatte ich ein besonders gutes Gefühl für den Start des Projektes Ankerwechsel Verlag – ich war zum richtigen Moment in der richtigen Stadt. Das war wahrscheinlich, wie so häufig im Leben, einfach Timing.

 

Seit 2013 bloggen Sie als Fräulein Anker – was treibt Sie an?

Als ich anfing, habe ich niemals erwartet, dass der Blog und auch der dazugehörige Instagram-Kanal je so viele Menschen erreichen, wie es heute der Fall ist. Damals ging ich noch zur Schule und wollte mit dem Blog einfach meine Fotografie dokumentieren und für mich selbst etwas schreiben. Und im Grunde genommen hat sich daran bis heute nichts geändert. Deshalb würde ich sagen, der Antrieb ist die Selbstverwirklichung: Ich habe über den Blog die Liebe zum geschriebenen Wort, zur Fotografie und zum Reisejournalismus gefunden und kann sie immer wieder leben.

Welche Hamburgerin oder welchen Hamburger möchten Sie selbst gern zum Interview treffen?

Den Bauingenieur Otto Stockhausen. Er war als Gesamtleitung für den Bau vom Elbtunnel verantwortlich – übrigens der erste Tunnel seiner Art unter einem fließenden Gewässer in Europa. Stockhausen war gerade mal 29, als er die Verantwortung für den Bau einer meiner Lieblingsorte übernahm und es dauerte damals nur vier Jahre, bis das Bauwerk fertig war! Diesem Hamburger bin ich immer wieder für etliche Spaziergänge unter der Elbe dankbar. Leider ist Stockhausen bereits letztes Jahrhundert verstorben, aber er wäre sicher ein sehr spannender Interviewpartner gewesen.

Wie kann man sich das Leben einer Hamburger Studentin für „Digitale Kommunikation“ vorstellen?

Etwas anders als den Alltag vieler anderer Studenten – und am Anfang vor allem sehr zeitintensiv: Im ersten Studienjahr des Masters „Digitale Kommunikation“ lernt man an der HAW Hamburg praxisorientiert Online-Journalismus und Social-Media-Kommunikation. Dabei wird unter anderem ein eigenes Online-Magazin betrieben: fink.hamburg. Man schreibt eigene Artikel, probiert verschiedene Medienformate aus und recherchiert spannende Geschichten in der eigenen Stadt. Außerdem hört man Vorträge von verschiedenen Gastdozenten aus diversen Bereichen der Praxis – beispielsweise von Datenjournalisten, SEO-Spezialisten oder Entwicklern eines Nachrichtenbots.

Im zweiten Studienjahr hingegen ist man seltener an der Hochschule. Stattdessen widmet man sich verschiedenen praktischen Projekten. Bei mir zählt zu diesen Projekten beispielsweise der Aufbau der Social-Media-Kommunikation des Videowettbewerbes „Klickwinkel“, den die Vodafone Stiftung gerade initiiert hat und dessen Schirmherr Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist.

Gibt es etwas, das Sie als typisch für Hamburg bezeichnen würden?

Köstliche Franzbrötchen, hanseatische Bescheidenheit und das Wort „Moin“ – am besten alles zusammen an einem regnerischen Sonntagmorgen beim Bäcker.

Haben Sie einen persönlichen Ankerplatz in der Hansestadt?

Weit mehr als einen!

Haben Sie ein Lebensmotto oder gibt es ein Zitat, das Sie begleitet?

Ein paar, aber eigentlich wollen die alle auf das Gleiche hinaus: Hör auf dein Bauchgefühl! Das wiederum umzusetzen, ist zugegebenermaßen manchmal echt schwer, weil man schneller nach links und rechts guckt, anstatt nach innen zu horchen. Dranbleiben gehört also zu den anderen Mottos …

 

Hier gibt es das besonders schöne Heimweh und Fernweh:

„Hallo Hamburg“ und „Hallo Kopenhagen“

 

 

Autor: Tim Kinkel
Fotos: © Harriet Dohmeyer/Ankerwechsel Verlag

5. September 2018 von Redaktion

Kategorien: Hamburg reist, Lebensfreude, Mein Hamburg

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