Mein Hamburg: Christoph Holstein

Was lieben die Hamburger an ihrer Stadt – und was nicht? Was bewegt ihr Leben oder was wollen sie bewegen? Menschen erzählen über ihre Leidenschaften, Lieblingsorte und ihr Leben in unserer Metropole. Wir fragen Christoph Holstein, Staatsrat für Sport

Sport hat in seinem Leben immer eine Rolle gespielt, doch beruflich ging es für Christoph Holstein zunächst in eine andere Richtung. Er studierte Germanistik, Politik und Geschichte, arbeitete als Journalist und wurde 1998 Pressesprecher der Behörde für Inneres in Hamburg. 2011 übernahm er die Leitung der Pressestelle des Senats. Seit zwei Jahren ist er als Staatsrat zuständig für den Bereich Sport

Sie kommen ja gebürtig aus Essen und leben seit den Neunzigerjahren in Hamburg. Was macht für Sie die Stadt aus?

Für mich ist die Nähe zum Wasser wichtig, große Städte am Wasser haben ein ganz besonderes Flair. Barcelona oder Buenos Aires zum Beispiel. Das Lebensgefühl, das man hier spürt, zeugt von Freiheit. Hier können unterschiedlichste Leute aufeinandertreffen, und sie kommen miteinander aus.

Als Staatsrat sind Sie zuständig für Sport, wie sind Sie zum Sport gekommen?

Ich habe immer Sport gemacht. Zum Leidwesen meiner Eltern habe ich als Kind alle sechs Monate eine neue Disziplin ausprobieren wollen: Turnen, Leichtathletik, Handball, Tischtennis, auch Fußball war dabei, aber nach dem Abitur habe ich nur noch Freizeitsport betrieben. Vor ein paar Jahren bin ich in meinen Stadtteilsportverein eingetreten, den TSV Eppendorf Groß-Borstel. Auch wenn ich selbst das Sportangebot nicht nutze, finde ich es gut, den Verein zu unterstützen, in dem meine Kinder aktiv sind. So kenne ich die ganze Bandbreite der Sportstadt, vom kleinen Verein im Stadtteil bis zu spektakulären Großveranstaltungen, um die ich mich ja auch ein bisschen kümmere.

Wie ist denn Hamburg als Sportstadt aufgestellt?

Die Stadt ist gut aufgestellt – besonders, weil es überall so viele Gelegenheiten gibt, Sport zu treiben. Ohne Aufwand. Ich laufe zum Beispiel oft vom Büro nach Hause, einfach, weil die Gelegenheit da ist. Und weil die Strecke an der Binnen- und Außenalster, am Leinpfad entlang und dann durchs Eppendorfer Moor so schön ist. Neben den individuellen Sportmöglichkeiten und dem Vereinssport braucht eine Stadt auch Großveranstaltungen. Da hatten wir gerade mit der Box-WM, den World Tour Finals im Beachvolleyball und dem ersten Ironman-Wettkampf den wohl spektakulärsten Sportsommer seit Jahrzehnten.

Dann hat Hamburg die Olympia-Abstimmungsniederlage überwunden?

Das Abstimmungsergebnis hat Gegner wie Befürworter gleichermaßen überrascht. Das Referendum war eine demokratische Mehrheitsentscheidung. Die muss man akzeptieren, die Niederlage mit Würde ertragen, sich dann aber auch auf das Nächste konzentrieren, zum Beispiel auf unseren Masterplan Active City .

Worum geht es da?

Wir haben uns die 900 Einzelprojekte der Olympiaplanung angesehen und überlegt, was wir davon auch ohne Olympia für den Sport und für die Stadt umsetzen können. Wir haben uns für 30 Projekte entschieden, die wir bis 2024, also dem Jahr, in dem die Spiele hier stattgefunden hätten, umsetzen wollen. Dazu gehört zum Beispiel, dass wir in Schulsporthallen nachträglich Tribünen einbauen, damit sie für Turniere im Amateursport genutzt werden können. Wir wollen in jedem der sieben Bezirke barrierefreie Hallen bauen, um den Behindertensport zu unterstützen. Und es steht die Modernisierung wichtiger Anlagen auf dem Programm wie die Regattastrecke Allermöhe, der Derbypark Flottbek oder die Sportanlage am Rothenbaum. Zusammen ist das eine Summe von ungefähr fünfzig Millionen Euro für den Sport. Unser olympisches Erbe ohne Olympische Spiele. Die Diskussion über Olympia hat Partner aus unterschiedlichen Bereichen zusammengebracht. Und deutlich gemacht, wie wichtig Sport als gesellschaftliche Kraft ist. Als Wirtschaftsfaktor, bei der Integration, zur Erhöhung der Lebensqualität.

 

Bekommt man denn Großveranstaltungen, Amateur-  und Breitensport und auch Inklusion unter einen Hut?

Das sollte man jedenfalls nicht gegeneinander ausspielen. Wir finden es ganz wichtig, dass das Gesicht der Sportstadt Hamburg von großen Veranstaltungen ebenso geprägt wird, wie von dem, was in den Stadtteilen passiert, zum Beispiel vom Airport Race des Lufthansa-Sportvereins. Es gibt keinen Profisport ohne den Breitensport. Und mit der Weltmeisterschaft im Rollstuhl-Basketball im nächsten August werden sicherlich viele Menschen in der Stadt mit Behindertensport zum ersten Mal in Kontakt kommen.

Trotzdem gibt es ja etliche Probleme wie Anwohnerklagen wegen Lärm oder wenig Sportplätze in den Neubaugebieten?

Das sind große Themen. Wir konnten im laufenden Jahr die Sportanlagen-Lärmschutzverordnung novellieren, sodass nun mehr Sportlärm zumutbar ist. Das ist wichtig, denn wir wollen, dass die Sportanlagen in den Wohngebieten liegen und die Wege für die Sportler dorthin kurz sind. Um Konflikte mit den Nachbarn zu lösen oder gar nicht entstehen zu lassen, muss man aufeinander zugehen. Als die Hafencity und die Neue Mitte Altona vor Jahren geplant wurden, hatte der Sports noch nicht die gesellschaftliche Bedeutung, die er heute hat. Heute, bei der Entwicklung von Oberbillwerder zum Beispiel, sind unsere Vorschläge eingeflossen und Bereiche für Sport sind fester Planungsbestandteil. Da hat sich viel verändert.

Was wünschen Sie sich für die Sportstadt Hamburg?

Ich wünsche mir, dass die positive Stimmung der diesjährigen Veranstaltungen erhalten bleibt. Dass Veränderungen in der Gesellschaft und im Freizeitverhalten nicht als Bedrohung für den Sport empfunden werden, sondern dass dadurch Entwicklungen im Sport angeschoben werden. Und ich wünsche mir, dass die vielen Ehrenamtlichen mit dem Herzen dabei bleiben. Denn die Politik oder die Verbände können noch so großartige Ziele haben: Ohne die Ehrenamtlichen würde nichts funktionieren.

Haben sie ein Lebensmotto, ein Lieblingszitat, einen Lieblingsschnack?

Es gibt eine Songzeile von Frank Turner: “It doesn‘t matter where you come from, it matters where you go.” Es geht also nicht darum, wo du herkommst, sondern wo du hinwillst. Genau das ist die Stärke des Sports: Gemeinsam nach vorn sehen, egal welche Religion, welche Bildung, welche Herkunft jemand hat. Der Sport bringt die Menschen zusammen.

 

 

Autorin: Herdis Pabst

Titelfoto: Christoph Holstein beim Surfen zwischen Föhr und Amrum Mai 2015 © Christoph Holstein

Foto: Christoph Holstein beim Airport-Race © Michael Burmester

13. September 2017 von Redaktion

Kategorien: Hamburg trainiert, Mein Hamburg, Sportbegeisterung

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