Hanseatische Materialverwaltung

Hanseatische Materialverwaltung: Material statt Müll

Requisiten sind toll. Aber was passiert nach Ende von Dreharbeiten oder Aufführungen? Die Hanseatische Materialverwaltung hat eine Lösung.

Eines haben Filmproduktionen, Messen und Theateraufführungen gemein: Wenn sie vorüber sind, verwandelt sich das Gros der schönen Kulissen, Präsentationen und Requisiten in Müll. In der Kultur- und Messestadt Hamburg füllen sich so Tag für Tag die Abfallcontainer.

Jens Gottschau empfand dies immer als eine unfassbare Verschwendung von Rohstoffen und Energie. Denn zahllose Kulturschaffende wären glücklich, wenn sie an das Material gelangen könnten, weiß der Künstler und Handwerker aus eigener Erfahrung.

„Weil die Strukturen fehlten, musste man Dinge wegwerfen, obwohl sie noch zu gebrauchen waren“, sagt Jens Gottschau, „auf der anderen Seite gab es diesen großen Bedarf bei kulturellen und sozialen Projekten.“

Der Ort für den Fundus war schnell gefunden

Um dieses Problem zu lösen, gründete Jens Gottschau 2013 gemeinsam mit der Werbefilmausstatterin Petra Sommer den gemeinnützigen Fundus „Hanseatische Materialverwaltung“ (HMV).

Die Idee hinter der Initiative mit dem nüchternen Namen: Exquisite Kulturabfälle werden an einem Ort gesammelt und archiviert. Hier können sich Kreative bedienen, die nur über ein geringes Budget verfügen. Dazu gehören zum Beispiel Kindertheater, Schulen, Jugendzentren oder freie Gruppen.

Als idealen Ort für die Sammelstelle machten die beiden HMV-Gründer ein Lagerhaus an der Stockmeyerstraße aus. Sie waren zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Für das Gebiet südlich des Oberhafens war gerade ein Entwicklungskonzept verabschiedet worden. Die Bahngebäude sollten als Kultur- und Kreativquartier erhalten werden. Das Vorhaben des HMV passte perfekt.

Von Beginn an wurde die HMV toll angenommen

Der Fundus war von Anfang an ein Erfolg. Schon vor der Eröffnung im Mai 2013 hatte sich das Vorhaben herumgesprochen. Die Sachen kommen seither hauptsächlich von Theatern und Museen. Immer wieder melden sich aber auch Messefirmen und geben Material ab. Bei Werbefilmern sei es mittlerweile sogar Usus, dass sie bei der HMV vorbeikommen, bevor sie zum Sperrmüll fahren, so Jens Gottschau.

Zu den herausragenden Spenden gehören ein acht Meter langer Schiffsbug aus einer „Meerjungfrau“-Produktion oder ein gigantisches Elvis-Presley-Porträt. Aber die HMV verfügt auch über profane Dinge wie Kunstblumen oder stapelbaren Stühle, um einen leeren Raum in einen Zuschauersaal zu verwandeln.

Hanseatische Materialverwaltung
HMV-Fundus beim Oberhafen.

„In Ausnahmefällen holen wir Sachen ab“, sagt Jens Gottschau. „Aber wir sind arbeitsmäßig so ausgelastet und die Vielfalt der Angebote ist so groß, dass wir die meisten Dinge nur noch anliefern lassen können“, sagt der 33-Jährige. Und das, obwohl sie mittlerweile zu viert arbeiten.

Trotz des Erfolgs kann das Unternehmen Unterstützung gebrauchen

Bei den Preisen für Kauf oder Verleih gilt: Je gemeinnütziger der Zweck, desto günstiger gibt es die Requisiten. Auch Privatpersonen können sich bei dem Fundus eindecken. „Besonderer Andrang herrscht, wenn die Altonale oder das Sommerfest auf Kampnagel bevorsteht“, sagt Jens Gottschau.

Während sich die HMV im ersten Jahr zu je einem Drittel aus städtischen Geldern, Spenden und eigenen Einnahmen finanzierte, trägt sich der Fundus im zweiten Jahr zunehmend selbst. „Dennoch sind wir dringend auf neue Fördergelder angewiesen“, räumt Geschäftsführer Jens Gottschau ein.

Er ist sich sicher, dass das Geld für die Hanseatische Materialverwaltung gut angelegt ist. „Der Mehrwert, der in die Stadt getragen wird, ist wesentlich höher als die Infrastrukturkosten.“ Schließlich machen gemeinnützige Projekte den Großteil der HMV-Tätigkeit aus.

Autor: Hilmar Schulz
Bildbeschreibung Titelfoto: v.l.n.r. Alessa Lippert, Jens Gottschau, Petra Sommer.

26. Oktober 2015 von Redaktion

Kategorien: Hamburg arbeitet, Unternehmenslust

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