Tilman Hagner mit seinem Fahrradtaxi auf dem Rathausmarkt

Eine Stadtrundfahrt mit Freunden

Er tritt in die Pedale, damit andere etwas über Hamburg erfahren. Und Tilman Hagner ist ausgesprochen glücklich damit, sich dafür abzustrampeln zu dürfen.

Weniger kann mitunter richtig viel mehr sein. Drei Räder, ein Lenker, drei Sitzplätze, ein Dach. So eine Fahrradrikscha ist groß genug, um nicht übersehen zu werden. Und sie ist klein genug, um fast überall hinzukommen. „Wir können den Menschen Ecken und Straßen in der Hamburger City zeigen, wo Reise- und Stadtrundfahrtbusse nicht hinkommen. Und viele denken auch, wir fahren nur Taxi, aber eigentlich sind wir hauptsächlich Stadtführer und Hamburg-Kenner“, sagt Rikschafahrer Tilman Hagner, während er vom Rathaus Richtung Speicherstadt kurvt. Und keine Frage: In der Deichstraße dürfte ein Doppeldecker zu einem massigen Problem werden.

Die Hamburger sind am meisten begeistert

Hagner aber stellt sein Gefährt einfach am Straßenrand ab. Kaffeepause – und ich beginne mich gerade zu fragen, warum ich hier so gut wie nie bin. Vielleicht, weil ich immer denke: Die Überbleibsel der Altstadt sind etwas für Touristen. Und prompt erzählt Hagner auch: „Es sind wenige Hamburger, die einmal mitfahren wollen. Aber wenn, dann sind sie meistens mehr begeistert als meine anderen Gäste, weil sie sich nicht vorstellen konnten, was sie von Hamburg alles nicht kennen.“

Und der 41-Jährige kennt sich mit Sicherheit aus in der City. „Wir Fahrer bewegen uns so in einem Radius von fünf Kilometern im Innenstadtbereich“, sagt er über seinen Arbeitsplatz. Zudem hat er die Prüfung als Stadtführer abgelegt und kann viel erzählen über Gebäude, Straßen und berühmte oder auch weniger berühmte Hanseaten. Wer aber ist Tilman Hagner und warum ist einer wie er Rikschafahrer, pardon: Fahrradtaxifahrer geworden?

Ab durch die Gasse mit dem Fahrradtaxi

Ab durch die Gasse mit dem Fahrradtaxi

Rückblick: Nachdem Hagner zwölf Jahre lang als Ingenieur für Medizintechnik gearbeitet hat, wagt er inmitten der Weltwirtschaftskrise 2009 den Ausstieg. Viele seiner Freunde können nicht fassen, dass er diesen gutbezahlten Job einfach aufgibt, zumal Hagner einräumt: „Ich hatte damals keine Idee, was ich machen will.“ Also hat er erst einmal gekellnert. Im September 2011 ist es dann eine Anzeige der Fahrradtaxi Pedalotours GmbH, die ihn dazu bewegt, sich als Fahrer zu bewerben.

Bis zu zehn Stunden unterwegs

Bereut hat er seine Entscheidung nicht. „Es ist zurzeit mein Traumjob. Es ist die richtige Sache für mich, weil nicht alles so vorgegeben und geregelt ist.“ Hagner nippt an seiner Cola. Der Traum von der Freiheit auf der Straße, man kann ihn offenbar auch in der Hamburger City erleben. Natürlich muss auch Hagner Verpflichtungen eingehen – weil sich das Unternehmen über Werbung finanziert, die auf den Fahrradtaxen prangt. „Wir sind in der Regel zwischen 6 und 10 Stunden pro Fahrtag draußen.“

Dieser Tag ist einer, an dem Hagner vermutlich auch zwölf Stunden auf Tour sein könnte. Sonne satt, Sommerfeeling, die Stadt ist voller Menschen. „95 Prozent der Touren sind Spontangeschäft“, erklärt Hagner. „Als Fahrer muss man die Leute schon ansprechen, damit sie einsteigen. Vielen schauen und fotografieren uns zwar, aber den meisten ist es offenbar unangenehm, jemanden für sich schuften zu lassen. Dabei sind wir alle super fit und motiviert zu fahren.“

Der Kaffee ist getrunken, die Cola-Flasche leer. Hagner muss zurück auf die Straße und Menschen davon begeistern, dass er sie herumfahren darf. „Für mich“, sagt er zum Abschied, „ist das immer so, als wenn ich Freunden die Stadt zeige.“ Er wird an diesem Tag bestimmt nicht lange brauchen, um welche zu finden.

Autor: Markus Tischler
Headerfoto: Markus Tischler/Tilman Hagner mit seinem Fahrradtaxi auf dem Rathausmarkt

12. Juni 2014 von Redaktion

Kategorien: Hamburg reist, Lebensfreude

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