Mobile Mosterei

Mobile Mosterei: Obstrettung auf Rädern

Ulrich Kubina hat eine Mission. Er will möglichst viel Obst retten, das sonst verderben würde. Darum fährt er mit seiner mobilen Mosterei umher.

Die Menge ist beachtlich. Gut 100 Kilogramm Äpfel bringt eine Familie auf einen Schlag an diesem Nachmittag zum Gut Karlshöhe. Sie sind dafür extra die 50 Kilometer von Winsen an der Luhe nach Bramfeld gefahren.

Hier steht heute Ulrich Kubina mit seinem Saftmobil, der ersten transportablen Mosterei Hamburgs. Für 6 Euro pro fünf Liter kann man bei ihm eigenes Obst professionell zu Saft machen lassen.

Dafür hat er auf einem Anhänger eine fast drei Tonnen schwere, silber-stählerne Saftpresse angefahren. Ab 60 Kilogramm mitgebrachten Obstes wirft Ulrich Kubina sie an. „Sonst lohnt es sich nicht“, sagt er. Es bleibt nämlich einiges in der Mechanik hängen.

Sorgfältige Verarbeitung bringt besten Saft

Die Winsener Familie kippt einen Sack Äpfel nach dem anderen auf das Laufband. Es ist eine Pracht aus herbstlichem Rot und Orange. Die Früchte werden hochtransportiert und gewaschen, dann zerkleinert.

Die Maschine arbeitet, es wird gerührt – mit ordentlicher Lautstärke. Verständigung ist nur noch per lauter Zurufe möglich. Das zerteilte Obst geht dann über die eigentliche Bandpresse.

Mit einem Druck von fünf Bar wird der Saft hier aus dem Obst gedrückt, die trockenen Reste werden später an Tiere verfüttert. Nun kann man bereits den frisch gepressten Saft probieren.

Mobile Mosterei
Karrenweise bringen die Leute Äpfel, um diese zu Saft machen zu lassen.

Der selbst gepresste Saft weckt Kindheitserinnerungen

Es schmeckt wie der zauberhafte Saft, dem man aus Kindheitstagen kennt. Noch ist der Saft aber nicht fertig. Die Flüssigkeit muss pasteurisiert werden, und das bei 79 Grad Celsius. So wird das leckere und vitaminhaltige Getränk für mindestens ein Jahr haltbar.

Nach der heißen Prozedur wird der Saft in Fünf-Liter-Bags aufgefangen und direkt versiegelt. Fertig zum Abtransport, zurück nach Winsen! Aus den 100 Kilogramm Äpfeln sind ganze 60 Liter Saft geworden.

Die Kunden sind begeistert

„Wirklich toll, dass Sie das machen“, freut sich eine Besucherin. Die Winsener sind nicht die einzigen, die für die Saftpresse einen weiten Weg auf sich nehmen. „Im Schnitt haben wir 15 Besucher, die richtig viel eigenes Obst mitbringen“, sagt Ulrich Kubina, „darüber hinaus ist natürlich der Anteil an Probierern und Zuguckern erheblich höher.“

Seit gut zwei Jahren gibt es die mobile Mosterei, sie wurde mit 30.000 Euro Fördergeld aus Töpfen der Europäischen Union finanziert. Der sympathische Saftladen wirft so viel ab, dass der Betrieb am Laufen bleibt und die Mitarbeiter bezahlt werden können.

Im Herbst ist ordentlich etwas los

Ulrich Kubinas Kapital ist die Leidenschaft, mit der er sein kleines Unternehmen führt. Unermüdlich erklärt er den Besuchern das System, jedes Mal auf’s Neue. Der Mosterei-Betrieb hält ihn zwischen September und Dezember auf Trab, ansonsten kümmert sich der Geograf unter anderem um den Erhalt alter Apfelsorten. Der Apfel des Jahres 2015 ist der „Rosa Claussen“, ein ursprünglich aus Dithmarschen stammender, mild süß-säuerlich schmeckender Apfel mit ausgeprägtem Aroma.

Familienmitglieder helfen Ulrich Kubina

Seine Familie unterstützt ihn bei seinen Unternehmungen. Ab dem 10. September 2016 wird die Mostsaison eröffnet und es stehen viele Termine für diesen Herbst auf dem Plan. Ab einer Obstmenge von zwei Tonnen kommt Ulrich Kubina auch direkt zum Kunden.

„So ein Tag mit der Mosterei macht riesigen Spaß und hält fit“, bestätigen er „man ist viel an der frischen Luft.“ Und das sieht man ihm auch an. Seine Wangen leuchten so rosig wie Äpfelchen.

 

Autorin: Anja-Katharina Riesterer (aktualisiert von Redaktion 2016)
Bildbeschreibung Titelfoto: Ulrich Kubinas Leidenschaft sind Äpfel.

13. September 2016 von Redaktion

Kategorien: Hamburg produziert, Unternehmenslust

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