Mein Hamburg: Hannelore Hoger

Was lieben die Hamburger an ihrer Stadt – und was nicht? Was bewegt ihr Leben oder was wollen sie bewegen? Menschen erzählen über ihre Leidenschaften, Lieblingsorte und ihr Leben in unserer Metropole. Wir fragen die Schauspielerin Hannelore Hoger.

Seit den 1960er Jahren stand die Hamburger Schauspielerin Hannelore Hoger auf der Theaterbühne und vor der Kamera. Sie hat mit vielen bedeutenden Regisseuren gearbeitet, ihren Figuren immer etwas Besonderes gegeben. Seit 25 Jahren spielte sie die “Bella Block“ in der gleichnamige ZDF-Reihe und war eine der ersten Kommissarinnen. Nun verabschiedet sie sich mit zwei letzten Folgen von der Film-Reihe.

Sie leben in Hamburg. Welche Beziehung haben Sie zur Stadt?

Ich liebe diese Stadt, es ist meine Heimatstadt, die schönste Stadt von Deutschland, mindestens. Die Elbe und die Alster sind wie eine Umarmung: Das Flüsslein, die Alster, ist die Dame. Der Fluss, die Elbe, ist der Mann. Das sind meine Lieblingsorte, vor allem die Elbe. Mit den Schiffen gibt es immer Bewegung, ankommen und abfahren. Das hat etwas von Wehmut, bedeutet aber auch lebendig sein und reisen. Wir sind ja das Tor zur Welt, angeblich.

Seit 25 Jahren spielen Sie “Bella Block“. Gedreht wurde dafür in Hamburg. Haben Sie die Stadt dadurch noch einmal anders erfahren?

Ein paar Ecken der Stadt habe ich dadurch schon kennengelernt, vor allem die Vororte. Die Außenbezirke sind mir relativ fremd. Privat bin ich gerne mal in der Innenstadt, in Eppendorf, an der Elbe und Alster, gehe ins Theater oder ins Kino, etwa ins Zeisekino oder ins Abaton. Da schwirre ich so rum.

Was hat Sie damals an der Figur “Bella Block“ gereizt? Ermittlerinnen waren ja noch nicht so üblich wie heute.

Die Bella Block war einfach eine gute Figur. Sie konnte auch frei ermitteln, hatte ein Privatleben. Wenn man eine Rolle spielt, prägt man sie natürlich mit seiner Persönlichkeit. Ich hatte aber nicht das Gefühl, etwas Besonderes zu machen.

Wie sehr hat “Bella Block“ die Frauenrollen bei Krimis geprägt?

Das Bewusstsein hatte ich nicht. Ich war allerdings immer für die Selbstständigkeit von Frauen. Ich weiß nicht, ob sich die Autorin Doris Gercke, die die Bella Block ja erfunden hat, als Feministin bezeichnen würde, aber sie hat eine selbstständige Frauenfigur kreiert. Für die Fernsehreihe entstanden eigene Geschichten und die Figur wurde immer weiter beschnitten. Irgendwann durfte Bella nicht mehr trinken und besoffen sein. Dann hat man ihr den jüngeren Freund weggenommen und schließlich auch den darauffolgenden. Natürlich auch, weil die Kollegen aus der Reihe aussteigen wollten. Aber “Bella Block“ wurde doch etwas magerbrüstig gehalten. Dagegen habe ich mich oft verwahrt.

Ab wann war Ihnen klar, dass die Fernsehreihe einen langen Lauf haben würde? Wie lebt es sich damit?

Hätte ich das gewusst, hätte ich es nicht gemacht. Aber ich lebe damit gut. Solch ein Echo im Publikum zu finden, ist etwas sehr Positives. Dafür möchte ich meinem Publikum danken, denn ohne Publikum wäre “Bella Block“ nicht weitergelaufen.

Prost, Bella Block (Hannelore Hoger)!

Seit den 1960er Jahren stehen Sie auf der Bühne und vor der Kamera. Was motiviert Sie?

Für jeden Menschen ist es eine Notwendigkeit sich auszudrücken, für den einen mehr, für den anderen weniger. Aber wenn jemand kein Gegenüber hat, wird er eingehen wie eine Primel, wird er sterben. Ich habe diesen Beruf gebraucht für mich und mein Sein. Wir haben als Kinder auf der Straße gespielt und immer Geschichten erfunden. In der Schule mussten wir Balladen vortragen und Gedichte aufsagen. Ich habe das gerne gemacht. Da musste etwas aus mir raus.

Was hat Sie bewogen, bei “Bella Block“ nun den Schlussstrich zu ziehen?

Ich habe das schon länger geplant, weil man durch die Drehs doch sehr angebunden ist. Und diese Fernsehprominenz behindert auch manchmal andere Projekte.

Der Abschied erstreckt sich ja über zwei Folgen, die sehr gegensätzlich sind. In “Stille Wasser“ am 28.Oktober geht es ziemlich gemütlich zu, in der letzten Folge “Am Abgrund“ im nächsten Jahr wird es dann noch mal richtig bedrohlich.

Diese Reihenfolge wurde von der Produktionsseite vorgegeben. Mir persönlich gefällt daran, dass der Mord in “Stille Wasser“ so völlig nebenbei passiert. In “Am Abgrund“ geht es um Korruption, aber das ist ja nichts Neues. Viel erreichen konnte Bella Block ja sowieso nie. Der Mord war ja meistens schon passiert. Den konnte sie nur einmal verhindern. Ich hatte die Idee, dass es ihr einmal gelingt, jemanden vom Morden abzuhalten, jemandem klar zu machen, dass es noch einen anderen Ausweg gibt.

Sie sind gerade auf Lesereise. Im April ist Ihr Buch “Ohne Liebe trauern die Sterne“ erschienen.

Ich beschreibe in dem Buch mein Leben. Aber es geht auch darum, dass wir versuchen müssen, uns zu vertragen. Das gehört zum Leben dazu. Ich weiß nicht, wie viele Kriege es auf der Welt gibt. Seit die Erde existiert, gibt es Kampf, Krieg, Mord und Totschlag. Deshalb weint der Himmel und er hat genug zum Weinen. Auch wenn der Mitmensch ganz anders ist, als man selbst – wir müssen uns vertragen.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Ich habe überhaupt keine Pläne. Ich lebe in den Tag hinein. Ich liebe meine Wohnung und mein Bett. Da ruhe ich mich aus und gehe ab und zu an die Elbe. Die geringe Zukunft, die man im Alter noch hat, will ich mir jetzt nicht verbauen, in dem ich mir etwas vornehme und nach Plan arbeite. Wenn ein tolles Projekt kommt, überlege ich mir, ob ich das noch kann und will oder aber nicht.

Haben Sie ein Lebensmotto, ein Lieblingszitat oder Lieblingsschnack?

Vorwärts und nicht vergessen. Vor allem den Mitmenschen nicht vergessen, und, dass es ohne Liebe gar nicht geht.

 

Autorin: Herdis Pabst
Titelfoto: Hannelore Hoger in “Bella Block – Stille Wasser“ © ZDF / Hans-Joachim Pfeiffer
Foto: Hannelore Hoger in “Bella Block – Stille Wasser“ © ZDF / Hans-Joachim Pfeiffer

25. Oktober 2017 von Redaktion

Kategorien: Hamburg filmt, Kulturgenuss, Mein Hamburg

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1 Kommentar
  1. Schwarz Yasmine 6 Monaten her

    Hallo selten habe ich eine Person erlebt die mir so symphatisch ist die Frau Hoger ich wuerde mich sehr freuen koennte ich Sie mal kennen lernen und ich liebe Hamburg Gruesse aus Luxemburg

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