Mein Hamburg: Detlev Rickmers

Was lieben die Hamburger an ihrer Stadt – und was nicht? Was bewegt ihr Leben oder was wollen sie bewegen? Menschen erzählen über ihre Leidenschaften, Lieblingsorte und ihr Leben in unserer Metropole. Wir fragen den Touristik-Unternehmer Detlev Rickmers, der zwischen Helgoland und Hamburg pendelt.

Detlev Rickmers übernahm 1987 das elterliche Hotel auf Helgoland und entwickelte neue Tourismuskonzepte. Er schrieb ein Buch über die 500-jährige Geschichte seiner Familie. Rickmers kennt Helgoland aus der Perspektive des Einheimischen, des Unternehmers und des Politikers, aber auch mit dem Blick von außen. Denn er lebt im Hamburger Portugiesenviertel.

Sie arbeiten in Hamburg und auf Helgoland. Wo sind Sie zu Hause?

Ich fühle mich in Hamburg verankert, mit meiner Heimat Helgoland bin ich verwurzelt. Wer auf Helgoland geboren wird, wächst dort mit der Perspektive auf, dass man mit 16 oder 17 Jahren die Insel verlässt. Wer einen Gymnasialabschluss machen will, geht auf Festland ins Internat oder zu Bekannten. Ich habe in Hamburg studiert, hatte hier viele Freunde, bin viel ausgegangen und hatte überhaupt nicht die Idee, je wieder nach Helgoland zurückzugehen. Erst als mein Vater mich Mitte der 80er Jahre fragte, ob ich mir die Übernahme vorstellen könne, habe ich gemerkt, dass ich doch ziemlich an der Insel und dem Hotelbetrieb hänge.

Inzwischen sind Sie zurückgekommen mit einem Büro in der Speicherstadt

Zwanzig Jahre habe ich fast ausschließlich auf Helgoland verbracht. Meine damalige Freundin und später Frau und ich  – sie kam aus der Hotelbranche – haben damals den Entschluss gemeinsam gefasst. Als 2010 die Offshore-Firmen drei Windparks 20 bis 25 Kilometer nördlich von Helgoland bauen wollten, organisierten sie ihre Personallogistik über die Insel. Die Verhandlungen mit den Unternehmen fanden überwiegend auf dem Festland statt. Seitdem habe ich ein Büro in der Speicherstadt und pendle nach  Helgoland.

 

Was verbirgt sich hinter Ihrer “Helgoländer Botschaft“ in der Hafencity?

Die Helgoländer Botschaft“ ist unser Reisebüro. Ich arbeite intensiv daran, Helgoland mit Hamburg wieder stärker zu verknüpfen, wie es im vorigen Jahrhundert war. Als wir die Helgoländer Botschaft 2011 eröffneten, galt die Insel noch als reines Tagesausflugziel. Aber wir wollten ein anderes Helgolandbild der Geschichte und der Kultur der Insel präsentieren. Mit einem kleinen integrierten Museum warben wir für Gäste, die sonst nie auf die Idee gekommen wären, dort hinzufahren. Das hat auch gut funktioniert. Inzwischen, wo vieles übers Internet läuft, haben wir die Hälfte des Reisebüros an Aida abgegeben.

Welche Beziehungen gab und gibt es denn zwischen Hamburg und Helgoland?

Helgoland ist Hamburgs Tor zur Welt. Störtebeker wurde vor Helgoland gefangen.   Heinrich Heine dichtete dort, sein Onkel, der Hamburger Bankier Salomon Heine, nutze die Insel während Napoleons Kontinentalsperre zu Schmuggelgeschäften. Es waren Hamburger, die im 17. Jahrhundert eine Feuerblüse auf Helgoland finanzierten, ein Vorläufer des Leuchtturms. Schon 1834 startete die Hamburger Dampfschiffs-Compagnie mit dem Raddampfern Elbe und Patriot einen regelmäßigen Seebäderdienst zwischen Hamburg und Helgoland. Seit 1997 fährt ein schneller Katamaran.

Die Besucherzahlen sind in den 80er Jahren zurückgegangen, was macht die Insel heute attraktiv?

Manchmal ärgert mich, dass Sylt die Hausinsel der Hamburger ist, obwohl doch Helgoland diese Rolle 200 Jahre lang innehatte. Aber die Insel ist in den letzten Jahren attraktiver geworden. Die Einnahmen, die wir durch die Offshore-Unternehmen generieren konnten, haben wir in Hafenanlagen, Infrastruktur, Küstenschutz und Freizeitprojekte investiert. Ich möchte, dass Helgoland das ganze Jahr besucht wird. Auch im Winter ist Helgoland attraktiv. Viele lieben wie ich den Sturm. Und im November und Dezember bekommen die Kegelrobben ihre Babys.

Sie haben ein Buch über ihre Familie geschrieben

Bei meinen Recherchen habe ich Steuerunterlagen aus dem Jahre 1514 gefunden, ein sogenanntes Reemen-Register, in dem Ryckmer Peter Ryckmers als selbstständiger Fischer einen Platz auf einem Boot hatte. Damals waren viele Fischerboote genossenschaftlich organisiert. Das habe ich 2014 zum Anlass genommen, die Geschichte von elf Namensträgern aufzuschreiben, an denen man größere historische Entwicklungen rund um die Insel darstellen kann. Es sollte nur eine Jubiläumsbroschüre werden, aber meine Lebenspartnerin, die aus dem Verlagswesen kommt, und ich haben dafür einen eigenen Verlag gegründet.

Daraus ist dann Ihr Archiv entstanden?

Das Familienarchiv habe ich nur fortgesetzt. Es ist hier in Hamburg als Arbeitsarchiv untergebracht. Es gibt keine Exponate, aber eine große Sammlung von Fotografien. Die ganze Recherche ist eingeflossen in die Gründung der Storytels auf Helgoland, unserer sechs Themenhotels zu Literatur, Fotografie, Nordischem Design, dem Stil der 50er und 60er Jahre, den Farben der Insel und der Geschichte der Rickmers und der Insel in unserem Stammhotel Insulaner. Auf Helgoland gibt es eine lange kulturelle Tradition, denn viele Künstler kamen auf die Insel, zum Beispiel Arthur Segal, dessen Helgolandbilder nun im MoMA hängen.

Können Sie sich auch vorstellen, nach Hamburg zu expandieren?

Es wäre sicherlich reizvoll, hier ein Storytel zu haben, verknüpft mit Helgolandreisen, aber wir sind mit dem Standort Helgoland ausgelastet. Meine Tochter, die noch studiert und mal die Firma übernehmen möchte, hat den Sprung aufs Festland jedoch schon im Kopf.

Wie erleben Sie die  Hafencity?

Ich finde ich die Hafencity sehr gelungen. Es gibt ganz viele Ecken mit interessanten Perspektiven und Durchblicken. Ich finde allerdings schade, dass die Olympiade nicht kommen wird. Wenn der Hafen Fracht verliert, weil die größeren Schiffe Hamburg nicht mehr anlaufen, werden im oberen Hafenbereich bald größere Brachflächen entstehen. Als Stadtentwurf passte da die Idee mit Olympia und dem Sprung über die Elbe. Nun könnte es sein, dass die Hafencity an den Elbbrücken endet und ein Randbereich bleiben wird.

Was wünschen Sie sich für Hamburger Zukunft?

Als Touristiker wünsche ich mir, dass Hamburg international stärker wahrgenommen und zur A-Destination wird. Viele Hamburger glauben ja, dass der durchschnittliche Franzose, Amerikaner oder Japaner Hamburg kennt, doch das ist nicht der Fall. Die Speicherstadt als Weltkulturerbe, die Elbphilharmonie, aber auch Großereignisse wie der der OSZE-Treffen und der G20-Gipfel helfen, die Stadt bekannter zu machen. Man braucht da mehrere Großereignisse hintereinander, damit das funktioniert. Privat mag ich die Stadt, so wie sie ist. Ich liebe die Industrieschönheit der großen Containerbrücken einerseits, andererseits aber auch das bürgerliche, demokratische Stadtbild der gewachsenen Kaufmannsstadt.

Haben Sie ein Lebensmotto, ein Lieblingszitat oder Lieblingsschnack?

Ein Zitat von Perikles: „Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit, das Geheimnis der Freiheit ist der Mut.“

 

Eine Insel zum Durchatmen

 

Autorin: Herdis Pabst

Foto: Detlev Rickmers © André Lex
Foto: Helgoländer Botschaft in der Hafencity © Manfred Eichhorn

 

17. Mai 2017 von Redaktion

Kategorien: Hamburg verbindet, Mein Hamburg, Tatkraft

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1 Kommentar
  1. Hartmut Winkler 1 Jahr her

    Hallo Herr Rickmers, mit großer Anteilnahme habe ich am 3.10.17 den NR-Film über Helgoland angesehen und mich dabei gefreut, Sie in guter Verfassung und mit dem bekannten Schwung zu sehen.
    Seit meiner Zeit (vergangenen) bei dem Bundesvermögensamt Itzehoe habe ich Helgoland immer stärker schätzen gelernt. Mehrmals im Jahr besuche ich die Insel weiterhin, sein es wegen sportlicher Kontakte oder wegen des Gipfelkreuzes auf dem Pinne-Berg.
    Vielleicht kreuzen sich unsere Wege wieder einmal.
    Weiterhin alles Gute wünscht Hartmut Winkler

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