Eine Insel zum Durchatmen

In knapp vier Stunden bringt der Katamaran Besucher von Hamburg nach Helgoland. Als Tagesausflug ist die kleine Seereise möglich, wer aber die vielen Reize der Insel entdecken will, gönnt sich etwas mehr Zeit.

Der Fels im Meer

Schon von Weitem ragt das rote Gestein der Insel aus der Nordsee. Nur ein Quadratmeter groß ist das Eiland mit seinen bunten Häusern. Die klaren Formen des Bauhauses aus den 50er und 60er Jahren passen zum klaren Horizont. Die vorgelagerte Düne, die die Fläche von Helgoland fast verdoppelt, hat die Silvestersturmflut schon 1720 abtrennt. Mit Seehunden und Kegelrobben als Bewohner ist sie ein Eldorado für naturverbundene Individualisten. Von Hamburg aus ist die Insel nur von April bis Oktober direkt zu erreichen, von Cuxhaven allerdings das ganz Jahr über.

Mehr als ein Kurztrip

Ein Tagesausflug zum zollfreien Einkaufen, für den man mitunter eine stürmische Überfahrt in Kauf nehmen musste, kaum mehr als eine Butterfahrt – hoch im Kurs stand Helgolands Ansehen in den letzten drei Jahrzehnten nicht. Weil die Besucher ausblieben, wurde 1983 sogar die tägliche Hamburg-Helgoland-Verbindung in der Saison auf Sonderfahrten zum Wochenende reduziert, bis der Katamaran für eine erhebliche Fahrzeitverkürzung sorgte. Und seit einiger Zeit erfindet sich auch die Insel neu und wird ein Ort zum Durchatmen und Auftanken.

 

Nicht nur im Sommer attraktiv

„Natürlich wird es immer den attraktiven Betrieb der Sommersaison geben, aber die Insel ist für Touristen auch im Winter interessant. Da kommen Sturmliebhaber auf ihre Kosten, die Kegelrobben bekommen ihre Babys und kulturell gibt es einiges zu entdecken.“ Detlev Rickmers, der größte Hotelbetreiber auf der Insel und Reisebüroinhaber in Hamburg, hat sich auf die Fahnen geschrieben, auf Helgoland den ganzjährigen Tourismus zu etablieren. Längst gibt es ein umfangreiches Freizeitangebot mit Workshops und interessanten Führungen. Ins Aquarium, ins Museum und die Bunkeranlagen wurde kräftig investiert.

Moderne Gastfreundschaft

Eine von Rickmers Ideen sind sogenannte “Storytels”, Hotels, die thematisch für einen bestimmten Aspekt der Geschichte Helgolands stehen. Da geht es um Literatur, um Fotografie, um nordisches Design, um die Farben der Insel, um den Stil der 50er und 60er Jahre und im 1960 eröffneten Stammhaus Hotel Insulaner, um die eigene Familiengeschichte, die mit dem Fischer Ryckmer Peter Ryckmers ins Jahr 1514 zurückreicht und eng mit der Historie der Insel verbunden ist.

Ein Ort der Sehnsucht

Während 1834 Rickmer Clasen Rickmers auf dem Festland in Geestemünde mit der Rickmers-Werft, in der auch das an den Hamburger Museumsschiff Rickmer Rickmers gebaut wurde, den Grundstein für einen Weltkonzern legte, beschäftigte sich der andere Zweig der Familie mit Schiffsausrüstung, Frachtreederei, Handel und Gastronomie auf der Insel. Damals wurde Helgoland zum Sehnsuchtsort.

James Krüss

Auf kaum einer anderen Insel haben sich so viele Literaten, Künstler und Wissenschaftler aufgehalten. Das Denkmal von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben fällt gleich bei der Ankunft ins Auge. Er hat hier das Deutschlandlied gedichtet. Franz Kafka und Heinrich Heine, der Musiker Franz Liszt und der Physiker Werner Heisenberg – sie und noch viele andere waren da und genossen die Ruhe, die sie inspirierte. Auch der Autor James Krüss hat auf der Insel geschrieben. Er ist ein Onkel von Detlev Rickmers und auf Helgoland geboren.

Immer im Wandel

Helgoland hat eine bewegte Geschichte. Das Herzogtum Schleswig-Holstein Gottdorf hatte die Insel 1714 an Dänemark verloren, aber erst als sie 1807 Kronkolonie des British Empires wird, verwandelt sie sich durch Napoleons Kontinentalsperre vom kleinen Fischerdorf zu einem Knotenpunkt des Welthandels und Schmuggels, war Treffpunkt für Geheimdiplomatie und wurde “Klein London” genannt.

1890 geht sie ans Deutsche Reich und avancierte um 1900 zum Seebad für die Schönen und Reichen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wäre sie beinahe durch die Sprengungen der Operation Big Bang komplett zerstört worden. Doch nach dem Wiederaufbau konnte sie an den mondänen Glanz früherer Jahre anknüpfen, zumindest für eine Weile. Schließlich wurde die Insel zur Hochburg des Tagestourismus, bis das Besucherinteresse nachließ.

 

Urlaubsqualität mit Entschleunigung

Doch jetzt haben die Helgoländer  erneut einen Umschwung erzielt. Als 2010 Offshore-Unternehmen begannen, ihre Personallogistik für drei Windparks über Helgoland abzuwickeln, floss Geld auf die Insel, mit der etliche Infrastrukturprojekte möglich wurden. Inzwischen hat die Insel ihre eigene Geschichte entdeckt und weiß ihr Potenzial touristisch zu nutzen. „Sehen und Gesehenwerden, Party machen – dafür steht Sylt. Helgoland ist ein Rückzugsort“, findet Detlev Rickmers.  „Hier kann man für sich sein und die Ruhe genießen.“ Eine Insel zum Durchatmen!

 

 

Autorin: Herdis Pabst

Titelfoto: ruhiger Tag am Strand © animaflora/fotolia
Foto: Helgoland, “Lange Anna” © rpeter86/fotolia
Foto: Leuchtturm Helgoland-Düne © artepicturas/fotolia

14. Juni 2017 von Redaktion

Kategorien: Hamburg reist, Lebensfreude

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