Mein Hamburg: Bernd Aufderheide

Was lieben die Hamburger an ihrer Stadt – und was nicht? Was bewegt ihr Leben oder was wollen sie bewegen? Menschen erzählen über ihre Leidenschaften, Lieblingsorte und ihr Leben in unserer Metropole. Wir fragen Bernd Aufderheide, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Messe und Congress GmbH.

Messen sind für Bernd Aufderheide Stätten der internationalen Begegnungen und des Kulturaustauschs, Orte eben, an denen unterschiedliche Menschen zusammenkommen. Er arbeitete für die Messen Köln und Düsseldorf und als Joint-Venture-Verhandler auch im Ausland. 2004 kam er zur Hamburg Messe und Congress GmbH, seit 2007 führt er den Vorsitz der Geschäftsführung.

Was hat Sie gereizt, nach Hamburg zu kommen?

Damals sollte in Hamburg das Congress Center erweitert werden, der Bau des neuen Messegeländes stand an. Für Messe-Menschen sind das Herausforderungen ganz besonderer Art. Da kann man interessante, hochkomplexe Gebäude planen und bauen. Es war mein viertes Messe- und Kongressgelände, das ich bei einer Neustrukturierung in den vergangenen dreißig Jahren habe begleiten dürfen. Das macht sehr viel Spaß.

Wie sehen Sie die Stadt?

Hamburg ist eine sehr spannende, innovative Stadt mit viel Potenzial. Die Hamburger sind nicht halb so steif, wie sie sich selber darstellen oder ihnen nachgesagt wird. Ich habe schnell bemerkt, dass viele Menschen hier einen feinsinnigen und tiefgründigen Humor haben. Sie haben sogar Talent sich zu verkleiden und mal ganz anders zu sein. Für die Zukunft ist die Stadt gut aufgestellt, in der Lebensqualität, in Wirtschaft und Wissenschaft. Diese berühmte ewig schlafende Schöne ist wach geworden. Das fasziniert mich persönlich sehr und hält mich hier.

Es gibt ja aber auch viele Menschen, die die Idee der wachsenden Stadt kritisch sehen.

Wo Aufbruch ist, der Mut erfordert, sind immer gleichzeitig auch Ängstliche mit dabei. Ich kann das verstehen, aber glaube trotzdem, dass man in einer Welt, in der sich vieles rasend schnell entwickelt, aufpassen muss, dass man nicht durch den Blick auf die gute alte Vergangenheit zurückfällt und abgehängt wird. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Stattdessen geht es darum, etwa Natur und Entwicklung in Einklang zu bringen. Auf unsere Befindlichkeiten, das kann ich durch meine Auslandserfahrung sagen, nimmt niemand Rücksicht.

Sie betreuen seit Langem den Hafengeburtstag und haben eine Auszeichnung, den Admiralitätsportugalesen, bekommen.

Das hat uns sehr geehrt und das gesamte Team der Hamburg Messe und Congress GmbH, speziell das Hafengeburtstagsteam, freut sich sehr. Der Hafengeburtstag ist seit vielen Jahren ein schönes buntes Fest und auch immer friedlich geblieben. Es auszurichten, macht einfach Spaß. Die Auszeichnung ist für uns natürlich nun ein zusätzlicher Ansporn.

Wie ist die Hamburg Messe aufgestellt?

Bei der SMM, der Weltmesse für die maritime Wirtschaft, WindEnergy Hamburg und der INTERNORGA stoßen wir räumlich zwar nahezu an unsere Kapazitätsgrenzen. Aber insgesamt sind wir mit den Veranstaltungen, die wir hier passend zu den Wirtschaftsbereichen der Stadt umsetzen, und dem CCH – Congress Center Hamburg, das nach der kompletten Revitalisierung 2020 wieder an den Start geht, hervorragend aufgestellt. Wir freuen uns zum Beispiel, dass wir mit der WindEnergy seit 2014 die für diesen Markt international relevante Messe hier aufbauen konnten. Die relative junge Branche hat sich inzwischen als wichtige Industrie etabliert und ist international gewachsen, von China bis Südamerika. Bei der INTERNORGA begeistert zum Beispiel unsere neu eingeführte Newcomer Area die Besucher. Wir versuchen damit, Unternehmern den Start in den Gastrobereich zu ebnen.

Welche Faktoren sind entscheidend dafür, welche Messen in Hamburg stattfinden?

Es ist eine Frage der Zielgruppen und der Tradition. Deutschland ist der älteste Messestandort weltweit. Die Messe-Themen hängen stark mit der Historie einer Industrie und der jeweiligen Städte zusammen. Seit 500 Jahren finden in Frankfurt Buchmessen statt. Die INTERNORGA ist seit 1921 am Markt und damit sicher eine der ältesten Fachmessen für die Außerhaus-Gastronomie. Für die internationale Schifffahrtsbranche ist Hamburg beinahe 60 Jahren der entscheidende Messestandort. Da kommen 50 000 Besucher aus über 100 Staaten zu uns, also alle, die in der Branche einen Namen haben.

Die Hamburg Messe und Congress betätigt sich aber auch im Ausland?

Wir organisieren pro Jahr rund zwanzig Messebeteiligungen von deutschen Unternehmen im Ausland, speziell in den Bereichen Schifffahrt, Schiffbau und Energie bei Fachmessen, die auch hier in Hamburg Themenschwerpunkte sind. So tragen wir die Hamburger Fahnen etwa nach Asien, in den Fernen und Mittleren Osten oder nach Südamerika. Seit 2008 haben wir darüber hinaus bei Ausschreibungen immer wieder den Zuschlag für die deutschen Pavillons bei Weltausstellungen bekommen und mit den Gremien vom Bund und den Länderkommissionen Konzepte dafür entwickelt. Bei der Themen-Expos 2008 in Spanien ging es um die zukünftige Versorgung mit sauberem Trinkwasser, 2012 in Korea um Nutzung und Schutz der Ozeane oder vergangenes Jahr in Kasachstan um Energien der Zukunft, also um Themen, die für Deutschland sehr relevant sind. In Hamburgs Partnerstadt Schanghai haben wir auf der Weltausstellung 2010 das Hamburg-Haus betreut. Diese Pavillons wurden alle häufig sogar mehrfach ausgezeichnet.

Welche Rolle spielen die Publikumsmessen für Hamburg?

Publikumsmessen sind wichtig, denn da zeigen wir Themen, die eine größere Öffentlichkeit interessieren. Wir hatten hier gerade die HansePferd mit 50 000 Besuchern. Mit einem Zielpublikum zwischen 16 und 25 Jahren ist es die jüngste Messe, die wir haben. Mit leuchtenden Augen besuchen die jungen Leute den Western- oder den Dressurring. Unsere Galashow war an allen drei Abenden ausgebucht. Auch die Messe oohh! spricht Besucher an, die sich für neue Trends und Produkte interessieren. Publikumsmessen fördern die Akzeptanz von Messe-Veranstaltungen in einer Stadt.

Was macht eigentlich Ihr Interesse am Beruf aus?

Durch meinen Beruf, aber auch durch private Reisen gibt es wohl kaum ein Land, das ich nicht kenne. Messen leben seit Hunderten von Jahren davon, dass Menschen mit anderen Kulturen und unterschiedlichen Weltanschauungen zusammentreffen und sich austauschen können, gerade auch auf Basis des Handels. Die Leipziger Messe zu Zeiten der DDR war durchaus auch eine politische Plattform bei der West-Ost-Begegnung. In dieser Hinsicht sind Messen für mich schon fast eine Passion. So war es für uns auch ganz selbstverständlich beim Flüchtlingsstrom 2015 zu helfen und die Hallen als Unterkünfte zur Verfügung zu stellen. Wir leben davon, dass Menschen zu uns kommen. Dieser Grundgedanke ist mir wichtig im Privaten und im Beruflichen.

Welche Zukunftsvisionen haben Sie für die Messe?

Wir müssen bestimmte Traditionen wahren. Die SMM und die INTERNORGA werden auch in Zukunft wichtig bleiben. Für Essen interessiert sich jeder. Und da achtzig Prozent aller Waren auf dem Seeweg bewegt werden, benötigen wir auch weiterhin Schiffe. Wir müssen im Zusammenspiel zwischen Industrie, Wissenschaft, der Stadt und der Messe gemeinsam unsere Produkte weiterentwickeln. Und natürlich müssen auch wir uns auf das Thema Digitalisierung einstellen. Wenn man sieht, wie gezielt beispielsweise in Singapur neue Technologien gefördert werden, müssen wir aufpassen, dass wir den Anschluss nicht verpassen, aber ich sehe diese Entwicklung positiv.

Und für Hamburg?

Da würde ich mir mehr Gelassenheit im Diskurs wünschen. Mich wundert schon, wie sehr in der Stadt polarisiert wird, bei der Fahrrinnenanpassung, bei der Frage, ob Olympia nach Hamburg kommen soll. Die nächsten sportlichen Großereignisse finden in Russland und Katar statt, in Staaten also, die wenig Rücksicht auf die öffentliche Meinung nehmen müssen. Ich frage mich, ob der Sport so richtig präsentiert wird. Oder der G-20-Gipfel. Für unsere Demokratie ist es wichtig, dass sich Politiker zu Konferenzen treffen können. Durch die erfolgreiche Umsetzung der G-20- und auch der OSZE-Konferenz auf unserem Messegelände haben wir viele Anfragen von internationalen Institutionen und NGOs bekommen, ein positiver Effekt also für die Hamburg Messe. Hamburgs internationales Image ist nicht verbrannt.

Wohin in der Stadt lockt es Sie als Privatperson?

Nach Hause in den Garten oder mit Familie und Hund an den Elbestrand. Ich bin eher ein Wassermensch. Aber ich probiere auch gern neue Restaurants aus. Ich bin insgesamt sehr entdeckungsfreudig.

Haben Sie ein Lebensmotto, Lieblingszitat, Lieblingsschnack?

Die Kraft zu haben, zu verändern, was ich verändern kann, und die Gelassenheit zu akzeptieren, was ich nicht ändern kann.

 

 

Autorin: Herdis Pabst
Foto: Bernd Aufderheide, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Messe und Congress GmbH © HMC / Michael Zapf

6. Juni 2018 von Redaktion

Kategorien: Hamburg verbindet, Mein Hamburg, Tatkraft

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