Ein schipperndes Denkmal

Auf dem Museumsschiff Schaarhörn fahren Passagiere noch heute so elegant wie zu Kaisers Zeiten auf der Elbe und erleben Hamburgs maritimes Erbe in voller Pracht. Das 1908 erbaute Dampfschiff Schaarhörn ist von Mai bis Oktober zu Gästetouren auf der Elbe unterwegs oder durchquert den Nord-Ostsee-Kanal.

Wechselvolle Geschichte

Der 1908 erbaute Dampfer sollte ursprünglich als stilvoll gestaltetes Schiff die hohen Gäste des Senats wie Kaiser Wilhelm II. durch den Hamburger Hafen fahren. Außerdem war geplant, die Schaarhörn für die anstehenden Elbvertiefungen als Peildampfer die Wassertiefen zu vermessen. Doch es kam anders. Die Hamburger Bürgerschaft verbannte das Schiff nach Cuxhaven zur Arbeit als Peil- und Vermessungsschiff. Nach einer wechselvollen Geschichte während der beiden Weltkriege und einiger Jahre im britischen Exil kam die Schaarhörn 1990 auf Initiative der Handelskammer wieder nach Hamburg und wurde mit Hilfe der Initiative „Jugend in Arbeit“ anhand der Originalpläne in den heutigen Zustand verwandelt. Als fahrendes Museum ist die Schaarhörn seit 1995 wieder im Betrieb.

 

Im Blick des Allmächtigen

Der Jugendstilsalon, der wieder nach Originalplänen hergerichtet wurde, war seinerzeit der Salon für den Senat mit einem Tisch und zwölf Stühlen für die Senatoren sowie einem Stuhl am Kopfende für den Bürgermeister. In einer Nische hinter einem Tisch war Platz für die Sekretäre und Beobachter. „Die Ceiling (Decke) besteht aus wunderschöner Bleiverglasung, die die damals bekannten vier Kontinente abbilden. Damit ist die Decke durchsichtig, also in der direkten Beobachtung des Allmächtigen, wie das auch im Rathaus der Fall ist, nach dem Motto: Über dem Senat der Hansestadt ist nur ER“, beschreibt Arnold Beuggert den liebevoll restaurierten Salon auf dem Hauptdeck. Der frühere Unternehmer aus Zürich, befeuert heute als ehrenamtlicher Heizer regelmäßig das Herz der Schaarhörn.

 

Das Herz der Schaarhörn

Die Heizung ist Herz und Energiezentrale des Dampfers. Der kohlebefeuerte Kessel erhitzt bis zu 16.000 Liter Wasser. Der sich dabei bildende Dampfdruck treibt die Propeller an, so dass bis zu 14 Knoten erreicht werden können. Für Beuggert und seine Heizer-Kameraden bedeutet das intensives Kohleschaufeln, etwa 500 Kilogramm pro Stunde. Passagiere können jederzeit die Heizung und die Maschine besichtigen und, wenn sie wollen, auch ein oder zwei Schaufeln Kohle einwerfen.

 

 

Traditionsfahrten

Der kohlebefeuerte Dampfer löst mehrmals im Jahr die Leinen am Sommerliegeplatz Bremer Kai und fährt mit den Gästen die Elbe hinab in Richtung Wedel und zurück. Diese „Klassische Traditionsfahrt“ dauert etwa drei Stunden. Besondere Strecken, beipielsweise durch den Nord-Ostsee-Kanal, auf der Ostsee, den Förden und nach Cuxhaven, bieten die „Traditionsfahrten spezial“.

Feiern aller Art

Wer mit Familie, Freuden oder Geschäftspartnern etwas exklusiv zu Feiern hat, kann die Schaarhörn für Ausfahrten chartern – bis zu 85 Gäste dürfen dabei sein.  Für das leibliche Wohl der Passagiere wird gesorgt. Das Angebot reicht von Kaffee und Kuchen über die edel gedeckte Tafel mit Feinschmeckermenü bis hin zum rustikalen Buffet mit Fischbrötchen und Bier. Im Winter, wenn die Schaarhörn zentral im Sandtorhafen festgemacht hat, stehen zwei Salons auf dem liegenden Schiff für Veranstaltungen zur Verfügung. Ein weiteres Highlight: Verliebte, die sich trauen, können sich im Jugendstilsalon das Ja-Wort geben.

Die Ehrenamtlichen

Die Schaarhörn gehört der Stiftung Hamburg Maritim und eine große Crew ehrenamtlicher Helfer pflegt und fährt die Schaarhörn. Besonders während der Fahrsaison braucht es Kapitäne, Matrosen, Decksleute, Heizer, Maschinisten, Köche und Bordhelfer. Mitmachen kann „nahezu Jedermann und Jedfrau“, auch ohne Vorkenntnisse, versichert Arnold Beuggert. Das notwendige Know-how erlernen die „Freunde des Dampfschiffs Schaarhörn“ an Bord. „Willkommen, sind alle, die zupacken wollen.“

 

Chartertouren, Vereinsinfos und vieles mehr

Wer Lust hat, sich auf dem bewegliche, Denkmal bei voller Fahrt den Wind um die Nase wehen zu lassen oder im stilvollen Ambiente feiern möchte, findet auf der Homepage der Schaarhörn alle Info- und Anmeldekoordinaten.

Hamburg maritimes Erbe unterwegs auf der Elbe

 

 

 

Autorin: Natascha Gotta
Fotos: Schaarhörn auf Fahrt und Schaarhörn-Details © Stiftung Hamburg Maritim
Foto: Ehrenamtlicher Heizer Arnold Beuggert © Stiftung Hamburg Maritim
Foto: Schaarhörn im Dock: © HAMBURGschnackt.de – Bernd Nasner

20. Februar 2019 von Redaktion

Kategorien: Hamburg entdeckt, Stadtliebe

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3 Kommentare
  1. Holger Bieler 5 Monaten her

    Moin! Moin!

    Ich würde ja gerne meinen 50. auf der Schaarhörn nachfeiern, doch ist es von Mannheim bis Hamburg halt nicht gerade “um die Ecke”- leider viiiiiiiiiiel zu weit. Schade! 🙁

    Herzliche Grüße und immer ‘ne handbreit Wasser unterm Kiel,

    Holger

  2. Ralf Fröhlich 5 Monaten her

    Ganz HERZLICHEN DANK für den sehr gelungenen und aussagekräftigen SCHAARHÖRN-Report.
    Nur: Kapitäne und Maschinisten können an Bord keine Laienausbildung erhalten. Sie müssen
    über entsprechende Patente verfügen.
    Viele Grüße Ralf Fröhlich – DS SCHAARHÖRN

  3. Thorsten Möhl 5 Monaten her

    Ich kann das nur bestätigen,
    ich bin seit dem Jahr 2000 als Maschinist mit dabei.
    Und ich habe noch immer viel Freude an dem Job.

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