Stadtteil-Interview: Volksdorf – waldige Lebensfreude

Bis in die 1970er Jahre hinein benötigten Bauinteressierte in Volksdorf ein mindestens 1.000 Quadratmeter großes Grundstück. Zu einem recht „anrüchigen“ Zweck: Der Ort verfügte über keine flächendeckende Kanalisation und jedes Haus hatte seine eigene Sickergrube. Diese Zeiten sind längst vorbei. Doch sie prägen das Stadtbild von Volksdorf mit seinen großzügigen Siedlungen bis heute.

Volksdorf, was macht dich als Stadtteil so beliebt?

Vor allem das, was schon in meinem Namen steckt: Eine dörfliche Struktur. Wenn meine Bewohnerinnen und Bewohner einkaufen gehen, sagen sie liebevoll: „Wir gehen ins Dorf.“ Sie kennen sich untereinander, grüßen sich und plaudern oft im Ortskern, der Fußgängerzone Weiße Rose. Im Sommer sitzen dort viele Menschen zusammen und schlecken ein Eis. Sonntags treffen sich Bekannte bei einem der zahlreichen Bäcker zum Brötchenkauf. Es wird ein angenehmes soziales Miteinander gepflegt. Auch auf meinem Wochenmarkt, der jeden Mittwoch und Samstag auf dem Marktplatz an der Straße Kattjahren in der Zeit von 8 bis 13 Uhr stattfindet. Kein Einkauf, ohne einen kurzen Plausch. Übrigens kommt der Name Volksdorf nicht von „Volk“. Die Bezeichnung stammt vielmehr von Volcwardesdorpe ab und hat seinen Ursprung in dem Namen des Dorfgründers Volkward.

Lohnt sich auch ein Ausflug zu dir?

Allemal. Zum Beispiel gibt es das weit über die Grenzen meines Stadtteils bekannte Museumsdorf. Dort wird die Vergangenheit lebendig. Vom Brotbacken wie anno dazumal über die zahlreichen Thementagen und Märkten bis zu Kutschfahrten sowie der Besichtigung der Anlage mit den alten Häusern und vielen Nutztieren. Eine Attraktion für Jung und Alt. Wie übrigens auch unser Stadtteilfest, das jedes Jahr am ersten Septemberwochenende stattfindet. Da kommen Besucherinnen und Besucher aus ganz Hamburg zu uns in den Nordosten Hamburgs. Außerdem bin ich ein ausgesprochen grüner Stadtteil. Zwar werden auch hier seit einigen Jahren die großen Grundstücke geteilt, so dass die Bebauung dichter wird, doch bisher konnte ich mein grünes Antlitz weitgehend bewahren. Ein Bummel durch meine Straßen und umliegenden Grünflächen lässt mein Charakter und meine Geschichte lebendig werden. Hier steht unter anderem in der Straße Langenwiesen 15  das einstige Domizil der avantgardistischen Künstlerfamilie Maetzel. Emil Maetzel war Maler, Architekt, hamburgischer Oberbaurat sowie Gründungsmitglied und späterer Vorsitzender der Hamburgischen Sezession. Er initiierte und organisierte die legendären Hamburger Künstlerfeste. Seine Frau Dorothea Maetzel-Johannsen war eine bedeutende Malerin. Beide prägten das avantgardistische Hamburger Kulturleben in den 1920er Jahre. Noch heute erzählen alteingesessene Volksdorfer von ausgelassenen Parties auf dem parkähnlichen Grundstück des Hauses.

 

Wie sieht es mit kulturellen Angeboten aus, liebes Volksdorf?

Das kulturelle Angebot ist bei mir sehr ausgeprägt. Ganzjährig geöffnet hat unser Kino Koralle, das schon verschiedene Auszeichnungen für seine Programmgestaltung erhalten hat. Mehrere Chöre geben regelmäßig Konzerte in der Kirche am Rockenhof. Der Kulturkreis bietet Veranstaltungen in der Ohlendorff’schen Villa an, die an sich schon eine interessante Geschichte hat. Ursprünglich ließ Hamburgs Guano-König Heinrich von Ohlendorff hier 1880 ein Jagd- und Sommerhaus errichten, das bis 1885 zum Gutshaus erweitert wurde. Nach dessen Tod riss sein Sohn und Erbe Hans das Gebäude ab und erbaute 1929 die heutige Villa im Stil des Neoklassizismus, die er schließlich 1953 an die Stadt Hamburg verkaufte. Bis 2006 wurde das Haus als Ortsamt genutzt. Heute steht die Villa unter Denkmalschutz und beherbergt neben einem Kindergarten auch das sehr beliebte Wiener Kaffeehaus. Dort finden verschiedenste kulinarische Veranstaltungen statt. Dann haben wir im Stadtteil noch die Kunstkate in der Eulenkrugstraße. Das ehemalige Landarbeiterhaus dient heute kulturellen und kreativen Aktivitäten. Eine Kindermalschule öffnet hier regelmäßig ihre Pforten und es finden unter anderem Jazzkonzerte statt. Volksdorfer Künstler stellen ihre Werke regelmäßig in der Kirche am Rockenhof vor. Interessante Vernissagen und Begegnungen mit den Künstlern, die auch einmal jährlich ihre Ateliers öffnen, bereichern das kulturelle Angebot in Volksdorf genauso wie Orgelkonzerte und andere musikalische Aufführungen.

Was ist sonst noch so los bei dir?

Meine Volksdorferinnen und Volksdorfer sind sportbegeistert. Der Walddörfer SV ist mit mehr als 8.000 Mitgliedern einer der großen Hamburger Sportvereine und damit auch eine treibende Kraft im Stadtteil. Neben seinen wöchentlich rund 60 Sportangeboten, leistet der Verein auch aktive Integrationsarbeit. Menschen aus 25 Nationen trainieren dort und engagieren sich zum Teil als Trainer oder im Ehrenamt. Darüber hinaus kommen in Volksdorf Naturfreunde auf ihre Kosten. Der Stadtteil ist mit meinem U-Bahn Anschluss idealer Ausgangspunkt für lange Wanderungen durch eine vielseitige Natur. So können bei Ausflügen in das Naturschutzgebiet Duvenstedter Brook zur richtigen Jahreszeit röhrende Hirsche und junge Uhus beobachtet werden. Für abendliche Spaziergänge eignen sich die Teichwiesen mit ihren ausgedehnten Wanderwegen und mein Volksdorfer Wald. Rund um die Teichwiesen finden übrigens auch in jedem Jahr die bunten Oster- und Silvesterläufe mit fantasievoll kostümierten Teilnehmenden statt. Ein Spektakel, an dem stets tausende aktive Läufer*innen und Zuschauer*innen beteiligt sind. Wer hoch hinaus will, kann sich im Kletterwald direkt an der U-Bahn Haltestelle Meiendorfer Weg in die Baumwipfel schwingen. Zum Relaxen haben wir zwei Schwimmbäder: Das Parkbad im Zentrum von Volksdorf mit Hallen- und Außenbecken sowie einer schönen Saunalandschaft und das Sommerbad für warme Sonnentage.

Volksdorf, wie steht es um Einkaufsmöglichkeiten?

Bestens. Niemand muss den Stadtteil zum Einkaufen verlassen. Es gibt zwei Buchhandlungen, Bekleidungsgeschäfte für jeden Geschmack und jede Größe, zwei Elektrofachhändler, natürlich Lebensmittelläden und Discounter, Drogeriemärkte, Reiseagenturen und vieles mehr. Sogar einen kleinen Zeitschriftenkiosk haben wir noch, bei dem es auch feinste Zigarren im begehbaren Humidor und hauseigenen Pfeifentabak gibt. Darüber hinaus findet mittwochs und samstags der große Wochenmarkt statt. Wer dennoch eine breitere Auswahl möchte oder spezielle Wünsche hat, fährt in das nahegelegene Alstertal-Einkaufszentrum (AEZ). Selbst in die Innenstadt sind es nur dreißig Minuten mit der Linie U1.

Fühlst du dich nicht ein wenig einsam, soweit draußen, liebes Volksdorf?

Überhaupt nicht. Als Bestandteil der Walddörfer bin ich in einem starken Verbund. Dazu gehören neben mir Bergstedt, Duvenstedt, Lemsahl-Mellingstedt und Wohldorf-Ohlstedt. Einstmals hatten wir aufgrund unseres Waldbestandes große strategische Bedeutung für Hamburg. Heute sind wir bevorzugte Wohngebiete für Familien und überhaupt alle, die gerne in einer naturnahen Umgebung leben. Schließlich hat es Vorteile abseits des Zentrums der Metropole zu wohnen: Es ist ruhiger, Kinder können durch die umliegenden Wälder toben und die Nachbarn kennen sich meist noch persönlich. Gut, man muss halt zur Arbeit oder zum Opernbesuch in die Stadt fahren. Aber viele Menschen sagen sich inzwischen: Lieber ins Grüne heimkommen, als mitten in Hamburg wohnen. Eine Meinung, die ich durchaus teile.

 

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Fotos & Text: ©  Torsten Schubert

4. November 2020 von Redaktion

Kategorien: Hamburg entdeckt, Stadtliebe

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