Wilhelmsburg, was tut sich bei Dir?

Wilhelmsburg ist ein Stadtteil zwischen Norder- und Süderelbe auf der größten Flussinsel Deutschlands. Schon 1682 schaffte Georg Wilhelm, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg, durch die Eindeichung dreier Inseln Wilhelmsburg. Die Georg-Wilhelm-Straße als längste Verkehrsader erinnert noch an ihn. Bis 1925 gehörte Wilhelmsburg zu Hannover und wurde dann zur eigenständigen Stadt mit über 100.000 Einwohnern. Erst seit dem Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 gehört Wilhelmsburg zu Hamburg. 2008 wagte Hamburg „den Sprung über die Elbe“, seitdem gehört Wilhelmsburg zum Bezirk Mitte und nicht mehr zum Bezirk Harburg. Mit Musik-Formaten wie „48h Wilhelmsburg“ oder „Dockville“ und seiner multikulturellen Bevölkerung hat „Willy Town“ in den vergangenen Jahren eine große Anziehungskraft entwickelt.

Wie kann man dich am besten erreichen, Wilhelmsburg?

Es führen viele Wege zu mir. Am einfachsten ist es, mit der S-Bahn oder dem Auto über die Elbe zu fahren. Mit dem Fahrrad geht es erst einmal unter die Elbe. Durch den Alten Elbtunnel führt die Veloroute 11 entlang durch den Hafen ins Reiherstieg-Viertel. Auf dem Wasser erreicht man mich schippernd mit der HADAG-Fähre 73 von den Landungsbrücken bis zur Ernst-August-Schleuse. Leider ist die Überfahrt derzeit nur unter der Woche möglich, meine Wilhelmsburger kämpfen aber für die Ausweitung des Fahrplans. Falls man einen informativen Ausflug plant, sind die Elbinsel-Touren zu empfehlen. Die beste Buslinie, um mich von einem Ende zum anderen zu erkunden, ist die 13. Sie hat den Spitznamen „Die Wilde 13“ – so heißt auch ein Dokumentarfilm. Es gibt hier viele Menschen, die mich wie ihre Westentasche kennen und dich mit auf große Fahrradtour nehmen. Die elbinselguides zeigen dir alles vom bunten Reiherstieg-Viertel über den grünen Inselpark bis zu den modernen IBA-Quartieren. Der beste Weg zu mir führt über meine Bewohner.

 

Es gibt sehr unterschiedliche Ecken bei Dir, was zeichnet die aus?

In Kirchdorf fühlt man sich wie auf dem Land mit den vielen Einfamilienhäusern und Bauernhöfen. Hier können Kinder auf dem Kinderbauernhof richtiges Landleben erfahren, obwohl gleich um die Ecke eine Hochhaussiedlung in den Himmel ragt. In Heuckenlock gibt es sogar ein Naturschutzgebiet am Elbufer mit einem echten Leuchtturm (Bunthäuser Spitze). Ich kann aber auch ganz modern. In Wilhelmsburg Mitte sitzt die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt in einem ganz futuristischen Gebäude, und gleich daneben sind im Rahmen der IBA Architektenträume realisiert worden. Ich habe auch eine charmante Gründerzeitbebauung im Reiherstieg-Viertel aufzuweisen. Dort liegt mein industrie-romantisches Herz mit vielen alten und umgenutzten Fabrikgebäuden, wie zum Beispiel mein Kulturzentrum Honigfabrik oder das alte Zinnwerk mit einem tollen Veranstaltungsprogramm wie zum Beispiel monatlichen Flohmärkten oder Kochsessions.

Es gibt den Slogan „Wilhelmsburg klingt“. Was genau verbirgt sich dahinter?

In der Honigfabrik gibt es jeden ersten Donnerstag im Monat offenen Jamsessions und ansonsten ein reichhaltiges Konzert- und Festivalprogramm von Blues über Hip-Hop bis Soul und Jazz. Oder komme doch einfach zum nächsten Poetry Slam Wilhelmsburg. Jedes Jahr im Juni wird das mehrtägige Festival „48h Wilhelmsburg“ veranstaltet, auf dem Wilhelmsburger Musiker an unterschiedlichen Orten auf der ganzen Insel gegen Spende auftreten. So lasse ich mich von den Besuchern erkunden und komme überall zum Klingen – das kribbelt ordentlich. Anschließend geht es im Sommer weiter mit dem Dockville-Festival am Schlengendeich und den angegliederten Lüttville-Sommercamp für Kids, dem Daughterville-Festival für Jugendliche und dem Artville-Camp für Kunstfans. Auch bei kühler Witterung gibt es auf die Ohren, denn mit dem Turtur ist am Veringkanal eine weitere Konzert-Location entstanden, wo zusätzlich leckere Pizza zu genießen ist.

Kann man sich auch mal von dem ganzen Trubel erholen?

Auf jeden Fall, zum Beispiel bei einer Wanderung durch meine Naturschutzgebiete mit der reichhaltigen Tierwelt. 2013 fand bei mir die Internationale Gartenschau statt. Seitdem habe ich den Inselpark als grüne Lunge mit vielen Sport-und Freizeitangeboten, wie dem interkulturellen Garten, die jedermann nutzen kann. Es gibt mit der Nordwandhalle ein Eldorado für Kletterer oder eine schöne Schwimmhalle für Wasserratten. Wer gerne selbst gärtnert, kann sein eigenes Paradies im Schrebergarten schaffen oder bei Minitopia Selbstversorgung betreiben. Wassersportler sind besonders gut beim Zum Anleger am Ernst-August-Kanal aufgehoben, wo es einen Bootsverleih und einen Biergarten gibt. Natürlich biete ich auch ein Wellnessprogramm dank der türkischstämmigen Wilhelmsburger, die in der Veringstraße das tolle Dampfbad Hamam Palace gebaut haben.

Du vereinst offensichtlich einen wilden Mix für Wilhelmsburger und Besucher. Vertragen sich alle? Oder gibt es Probleme?

Och, nö. Es gibt IBA-Projekte wie das Bildungszentrum „Tor zur Welt“, die darauf angelegt sind, die sozialen Bedingungen und Bildungschancen für die Menschen im Quartier zu verbessern. Auch ein Media Dock als Ort, an dem verschiedene Medien- und Kulturprojekte umgesetzt werden können, ist sinnvoll für die Kinder und Jugendlichen im Stadtteil. Wer in einem Film- und Tonstudio den praktischen Umgang mit Medien lernt, wird vom Konsumenten zum Produzenten. Sportlich setzen sich meine Hamburg Towers erfolgreich mit Basketball für die Kinder und Jugendlichen ein – und auch mein SV von 1888 schafft in vielen attraktiven Abteilungen sportlichen Zusammenhalt. Mit meiner Vergangenheit beschäftigt sich übrigens die engagierte Geschichtswerkstatt und hilft so, das ursprüngliche Wilhelmsburg in Erinnerung zu behalten.

Was wünschst Du Dir für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass ich ein Ort der Kontraste bleiben darf. Eine Insel, auf der zwischen wilder Natur und urbaner Zukunft, ein Platz für die Brüche und Lücken bleibt, in denen noch Träume wachsen können. Meine Bewohner sprechen hier 120 unterschiedliche Sprachen und leben in guter Nachbarschaft zusammen, ohne Wuchermieten zahlen zu müssen. Das sollte auf jeden Fall erhalten bleiben, und sie sollten weiterhin viele spannende Projekte in Angriff nehmen.

 

 

Autorinnen: Julia Barthel und Ilona Kiss
Titelbild: Panorama © jensrother – Fotolia.com
Foto: Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt © Ilona Kiss
Foto: Honigfabrik © elbinsel-kalender – Fotlia.com
Foto: Sonnenuntergang © elbinsel-kalender – Fotlia.com

22. November 2017 von Redaktion

Kategorien: Hamburg entdeckt, Stadtliebe

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