Hamburg im Umbruch

Bis Februar 2019 beschäftigt sich das MUSEUM FÜR HAMBURGISCHE GESCHICHTE  in seiner groß angelegten Sonderausstellung „Revolution! Revolution?“ mit der Zeit des Umbruchs 1918/19. Und ein Theaterstück setzt im Museum in Szene, was damals geschah. Es war die Geburtsstunde der Demokratie in Deutschland.

Turbulent ging es vor hundert Jahren zu. Streiks erschütterten Deutschland, die Menschen hungerten und waren kriegsmüde. Am 4. November löste ein Matrosenaufstand in Kiel einen Flächenbrand aus. Am Abend des folgenden Tages forderte eine Versammlung im Hamburger Gewerkschaftshaus Demokratie und die Abdankung der Hohenzollern – Auftakt zur Revolution. Zeitgleich gingen Matrosen, Soldaten und Arbeiter auch in anderen Städten im Norden, in Berlin und in ganz Deutschland auf die Straße. Am 9. November trat der Kaiser zurück.

Packende szenische Aufbereitung

Was in den folgenden Monaten in Hamburg geschah, können Besucher im MUSEUM FÜR HAMBURGISCHE GESCHICHTE erleben. An ausgewählten Terminen, alleine an sechs im November, bringt die Theatergruppe Achsensprung die dramatischen Ereignisse direkt im Museum auf die Bühne, vom Matrosenaufstand in Kiel im November 2018 bis zur Reichstagswahl 1919. Fünf Schauspieler erzählen in dem Stück ˮRevolution!? vom Kampf für Freiheit und Gleichheit, aber auch von der Gegenwehr der Mächtigen. Auslöser für den Aufstand war das Elend, dass durch den Krieg entstanden ist. Auch diese europäische Katastrophe machen die Schauspieler erfahrbar in dem Stück ˮWeltenbrand“, das am 8. November in einer Doppelaufführung einmalig zu sehen ist. Auch an einem Film, produziert vom NDR und von ARTE und in Norddeutschland gedreht, war die Theatergruppe beteiligt.  ˮ1918 Aufstand der Matrosen“ läuft am 30. Oktober auf ARTE, und am 4. November in NDR Fernsehen.

Der Alltag in der Stadt

Was in den folgenden Monaten in Hamburg geschah, zeigt eine große Sonderausstellung im MUSEUM FÜR HAMBURGISCHE GESCHICHTE. Im Mittelpunkt stehen die Bewohner der Stadt und wie sie die Tage der Revolution und die Einführung der Demokratie erlebten. Über 300 Exponate erzählen ihre Geschichte, etwa die rote Fahne aus Hamm gleich am Anfang zur Ausstellung, die etliche Jahrzehnte versteckt überdauerte, in die DDR geschmuggelt wurde und nun als Leihgabe des Militärhistorischen Museums in Dresden nach Hamburg zurückkehrte.

Frauenrechte, Pressefreiheit und der 8-Stunden-Tag

Fotos, Plakate, Uniformen, Hochzeitskleider, Essensmarken, Rezepte, die aus dem Nahrungsmangel versuchten, das Beste zu machen, Tagebucheintragungen als lebendige Tondokumente geben Einblick in den Alltag. Es war das Ende der Kaiserzeit, aber mehr noch ein Aufbruch mit vielen Errungenschaften, die heute längst selbstverständlich sind. Das Frauenwahlrecht wurde eingeführt und damit auch gleich das Wahlrecht insgesamt reformiert, sodass viel mehr Hamburger wählen durften. Für Meinungsfreiheit wurde gekämpft, Arbeitnehmerrechte erstritten, Chancengleichheit in der Bildung eingefordert, die Universität gegründet.

 

Lebendiges Museum

Mit einer Vielzahl von Veranstaltungen während des ganzen Jahres, mit Führungen auch vom Museum hinaus in die Stadt oder einem direkt im Museum gespielten Theaterstück gedenkt Hamburg dieser Zeit des Umbruchs und zeigt die Veränderungen auf, von denen wir noch heute profitieren.

 

 

 

Autorin: Herdis Pabst
Titelfoto: © Alexandra Calvert
Foto: Fotoatelier Schaul, Begrüßung des Reserveinfanterie-Regiment 76 am Hachmannplatz 1918 © Staatsarchiv Hamburg

24. Oktober 2018 von Redaktion

Kategorien: Hamburg erinnert, Stadtliebe

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