Minitopia – Spielplatz für Selbstversorger

Auf circa 2000 Quadratmetern einer ehemaligen Lkw-Werkstatt entsteht die Möglichkeit zur Selbstversorgung in Wilhelmsburg. In Zeiten von Massentierhaltung, Lebensmittelskandalen und Müllbergen beschäftigt sich der Verein „Alternation“ mit Konzepten zur Eigenversorgung in sozialen Strukturen. Mit Minitopia haben sie einen Treffpunkt zum Austausch und auch zur Selbstversorgung geschaffen. Die Mitinitiatorin Stefanie Engelbrecht hat uns etwas zu dem spannenden Objekt erzählt.

Wie entstand die Idee zu Minitopia, Stefanie Engelsrecht?

Mit dem Verein Alternation betreiben wir seit 2012 eine Internetplattform zu internationalen kommunalen Projekten mit Themen wie Selbstversorgung und Recycling. Überall auf der Welt beschäftigen sich Menschen mit diesen Themen, um Alternativen zu bestehenden Missständen zu schaffen. Wir versuchen diese Kräfte zum Wissen- und Erfahrungsaustausch zu vernetzen. Das war allerdings reine Projektarbeit, und mit Minitopia wollten wir einen konkreten Treffpunkt schaffen, wo auch Selbstversorgung praktiziert werden kann. Ein Ort, an dem man sieht, wie Pflanzen und auch Projekte gedeihen.

Was hat zur Auswahl dieses Standorts beigetragen?

Ich selbst habe über zwölf Jahre in Wilhelmsburg gelebt und hatte somit schon gute soziale Netzwerke. Darüber hinaus bedeutet eine Insel immer einen abgeschlossenen Raum, wo sich Besonderheiten herausbilden können. Ein ganz wichtiger Faktor war, dass hier noch erschwingliche Freiflächen zu finden sind. Uns liegt mit dem Projekt auch sehr viel daran, eine Verbindung zwischen alteingesessenen Wilhelmsburgern und den vielen Menschen, die neu hier herkommen, zu schaffen.

Wie weit ist das Projekt inzwischen gediehen?

Bis jetzt haben wir den Gemeinschaftsraum mit angegliederter Küche fertiggestellt, das Recycling-Atelier wird schon von diversen Schülergruppen genutzt. Auf dem Außengelände gibt es eine Insektenwiese, ein kleines Klettergelände für Kinder ist entstanden, einige Hochbeete wurden schon bepflanzt. Gerade hat die Stadtteilschule Stübenhofer Weg das Projekt Bauwagen abgeschlossen. Eine Schülergruppe hat auf dem Gelände einen alten Bauwagen restauriert, und dieser ist nun ein Streitschlichterraum auf dem Schulgelände. Eine Werkbank ist in der Halle errichtet worden. Inzwischen wird Minitopia von vielen Schülergruppen oder Behindertenprojekten genutzt, um Praxistage zu veranstalten, es gibt Kleidertauschmärkte und Holzbaukurse.

Minitopia legt ja großen Wert auf Vernetzung mit anderen Initiativen und Projekten. Wer konnte bis jetzt schon als Partner gewonnen werden?

Ganz lange arbeiten wir schon mit dem Permakultur Campus zusammen, um so auch bei den Anpflanzungen den Nutzen der Vielseitigkeit zu optimieren. In der Region sind feste Partner die Stadtteilschule Stübenhofer Weg, die Honigfabrik, machbar e.V. oder die mobilen Machenschaften e.V.. Wir sind auch ein Teil der Urbanen Gärten und kooperieren mit der Alsterdorfer Assistenz.

Was ist für die Zukunft geplant?

Ein großes, jedoch auch langfristiges Thema ist die Renaturierung des Geländes, denn die belasteten Böden müssen gereinigt werden. Die Restaurierung einer Bauraupe ist ebenfalls geplant. Nächstes Jahr stehen Staudenanpflanzungen auf dem Programm, denn die Früchte können trotz der belasteten Böden bedenkenlos verzehrt werden. Außerdem werden wir Partner der Solidarischen Landwirtschaft Süderelbe, die als Koop Ernteanteile von Bauern aufkauft und diese zum Selbstkostenpreis an die Mitglieder abgibt. Unser Terrain kann zur Lagerung und Verteilung genutzt werden. Wir wollen das Gelände auch für Kinder absichern, um somit Naturprojekte für Kitas anbieten zu können. Und wir wollen Minitopia weiter als außerschulischen Bildungsort ausbauen.

Wie können Hamburger sich an Minitopia beteiligen?

Samstags sind immer die sogenannten Open Days, an denen jeder vorbeikommen und sich am Ausbau des Standortes beteiligen kann. In regelmäßigen Abständen veranstalten wir Workshops, bei denen Profis Laien zu bestimmten handwerklichen beziehungsweise gärtnerischen Tätigkeiten anleiten, zum Beispiel Kompostieren, Schweißen, oder Holzhacken. Alle Termine sind auf der Webseite zu finden. Natürlich ist es auch möglich, sich ein eigenes Hochbeet anzulegen und es zu bepflanzen. Auch können alle bei unseren Infoabenden und Veranstaltungen vorbeikommen und sich erst einmal umschauen.

 

Autorin: Ilona Kiss
Foto: © Viktor Pravdica/Fotolia.com

11. Oktober 2017 von Redaktion

Kategorien: Hamburg teilt, Unternehmenslust

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