Queen Mary 2 - Weiße Bettlaken für eine Königin

Weiße Bettlaken für eine Königin: Queen Mary 2 läuft aus

In Hamburg sagt man tschüss. Oder winkt zum Abschied mit weißen Bettlaken. Zum Beispiel, wenn die Queen Mary 2 ausläuft.

Wenn Jost Deitmar an einem heißen Tag Anfang Juli Weihnachten erwähnt und über die Vorfreude auf dieses Fest spricht, dann muss ein besonderes Ereignis anliegen. Besser gesagt: Es muss ein königliches Ereignis anliegen. Das Auslaufen der Queen Mary 2 zum Beispiel.

Für die Gäste des Hotels Louis C. Jacob, für das Jost Deitmar als Geschäftsführender Direktor die Verantwortung trägt, ist es das – und zwar seit zehn Jahren immer wieder. Wenn die Queen Mary 2 den Anleger in Teufelsbrück passiert hat und Richtung Wedel dampft, findet eine Bescherung der besonderen Art in dem 5-Sterne-Haus auch schon einmal im Hochsommer statt.

Natürlich, “Sehleute” stehen auch anderswo. An den Landungsbrücken, in Övelgönne, am Elbstrand. Rund 250.000 Menschen sollen es gewesen sein, die am 19. Juli 2004 zugesehen haben, als die Queen Mary 2 zum ersten Mal in den Hamburger Hafen einlief.

Hoteldirektor Jost Deitmar
Hoteldirektor Jost Deitmar steht an der Kanone, aus der drei Schüsse abgefeuert werden.

Auch auf der Terrasse des Hotel Louis C. Jacob drängten sich schon an jenem Tag die Leute. „Wir hatten damals unsere Stammgäste zu einem Frühstück eingeladen“, erinnert sich Jost Deitmar. Nicht jeder sei pünktlich gekommen. „Die Elbchaussee war der längste Parkplatz der Stadt, da ging nichts mehr. Die Fahrer haben ihre Autos in der zweiten und dritten Reihe abgestellt und sind ans Elbufer gelaufen.“

Das Warten auf den großen Augenblick

Vergessen hat Jost Deitmar auch nicht jene Minuten, als die Queen Mary 2 schließlich aus dem Nebel aufgetaucht ist. „Es wirkte gespenstisch, irgendwie mystisch. Wir waren alle ergriffen von dem Anblick, es war ein bewegender Moment und sehr ruhig auf der Terrasse.“ Auch das Auslaufen am Abend sei von den meisten Besuchern dann eher still verfolgt worden.

Hätte der Besuch der Queen Mary 2 damals nicht zu einem derartigen Massenauflauf geführt, es wäre vermutlich bei diesem einen Besuch des Kreuzfahrtschiffes geblieben. Als aber feststand, dass die Queen Mary 2 2005 erneut in den Hamburger Hafen einlaufen würde, war für Jost Deitmar klar: „Da ist noch Potenzial.“

Und so schauten die Passagiere wie auch Besatzungsmitglieder beim zweiten Auslaufen nicht schlecht, als das Personal und die Gäste des Hotels dem Ozeandampfer zum Abschied mit weißen Bettlaken und Taschentüchern zuwinkten und Musik gespielt wurde. Nur die Kanone, die durfte damals noch nicht abgefeuert werden.

Kanonenschüsse und Musikklassiker

Wenn die Queen Mary 2 am 12. Juni dieses Jahres ausläuft, sind drei Schüsse angesagt. Aus den Boxen auf der Terrasse werden zudem vier Stücke aus dem Konzert „Last Night of the Proms“ in der Royal Albert Hall in London zu hören sein: „Rule, Britannia“, „Jerusalem“, „Land of Hope and Glory“ und „Good save the Queen“.

Neu ist das Programm nicht, aber immer wieder richtig gut. So gut, dass Jost Deitmar seit Jahren Mails begeisterter Reisender erhält. „Mittlerweile wissen die Passagiere an Bord auch, dass sie sich beim Auslaufen auf der Steuerbordseite des Schiffes aufhalten sollten“.

Ein „Gänsehaut-Erlebnis“ für die Gäste und die Besatzung

„Diese Verabschiedung ist ein berührendes Ritual, das unsere Gäste in Erstaunen und Begeisterung versetzt“ schwärmt Ingo Thiel von Cunard. „Passagiere aus aller Welt sind jedes Mal angesteckt von der Freude über diese Verabschiedung. Noch lange wird an Bord darüber gesprochen“.

Die Reederei startete schon vor Tagen auf ihrer Webseite einen Hamburg-Jubiläums-Countdown, der im Sekundentakt dem Ereignis entgegen fiebert. „Wir werden beim Jubiläums-Auslaufen dem L.C. Jacob mit Fahnen zurückwinken“, freut sich auch die Besatzung, die bei jedem Auslaufen aus Hamburg den Weg an die Reling sucht, um die Verabschiedung der Hamburger entlang der Elbe zu bestaunen. „Eigentlich könnten die Menschen in Blankenese wieder aussteigen“, scherzt Jost Deitmar daher: „Der Höhepunkt der Reise ist dann ja vorbei.“

Autor: Markus Tischler

 

Die besten Plätze für Sehleute, die das Spektakel verfolgen möchten:

  • Gelände vor und neben dem Cruise Terminal HafenCity
  • Promenade Kaiserkai
  • Plaza der Elbphilharmonie
  • Promenade Baumwall bis Landungsbrücken
  • Landungsbrücken
  • Hotel Hafen Hamburg
  • Vor der Einfahrt des Alten Elbtunnels
  • Östlich von Blohm & Voss, südliches Elbufer
  • Fischmarkt
  • Altonaer Balkon
  • Elbstrand westwärts
  • Süllberg
  • Elbuferpromenade Nienstedten

8. Juni 2015 von Redaktion

Kategorien: Hamburg zelebriert, Stadtliebe

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