Mein Hamburg: Christoph Martin Vogtherr

Was lieben die Hamburger an ihrer Stadt – und was nicht? Was bewegt ihr Leben oder was wollen sie bewegen? Menschen erzählen über ihre Leidenschaften, Lieblingsorte und ihr Leben in unserer Metropole. Wir fragen Prof. Dr. Christoph Martin Vogtherr, seit Oktober Direktor der Hamburger Kunsthalle.

Christoph Martin Vogtherr  ist zurück in seiner norddeutschen Heimat. 1965 in Uelzen geboren, studierte er Kunstgeschichte, Mittelalterliche Geschichte und Klassische Archäologie in Berlin, Heidelberg und Cambridge und promovierte über die Gründung der Berliner Museen. Er war als Kustos für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg tätig und wechselte 2007 als Kurator zur Wallace Collection nach London, deren Direktor er 2011 wurde. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf dem 18. und 19. Jahrhundert.

Sie haben längere Zeit in London gelebt. Nun sind Sie nach Hamburg zurückgekommen. Welchen Eindruck haben Sie von der Stadt?

Hamburg wirkt durch die weiten Blicke, die Wasserflächen und seine Urbanistik sehr großzügig. Ich kann den Stolz vieler Hamburger und Hamburgerinnen auf die Stadt gut nachvollziehen. Im Vergleich mit London genieße ich auch besonders die entspannte Atmosphäre.

Was hat Sie gereizt, die Leitung der Kunsthalle zu übernehmen?

Die herausragende und inspirierende Sammlung der Kunsthalle mit ihrer großen Tradition, die immer wieder neu zu erfinden ist – und natürlich die Stadt.

Welchen Stellenwert soll das Haus in Zukunft national und international haben,  welche Rolle soll es in der Stadt spielen?

Die Kunsthalle ist international berühmt vor allem für Ihre Sammlungen der Romantik, des Impressionismus und der Klassischen Moderne. Die großen Ausstellungen der Kunsthalle seit den 1980er Jahren sind vielen geläufig. Trotzdem ist das Haus in Europa nicht so bekannt, wie es das verdient. In der Stadt müssen wir ein Ort der Kunst und der weiten Horizonte sein – und ein Ort der gesellschaftlichen Verständigung.

Welche Akzente wollen Sie setzen, welche konkreten Pläne gibt es schon?

Zur Zeit bin ich noch dabei, die Sammlungen, die Kollegen und Kolleginnen kennenzulernen. Die konkreten Pläne entstehen jetzt erst allmählich. Zunächst geht es um das Ausstellungsprogramm ab 2018, dann aber auch um eine stärkere Verzahnung der einzelnen Sammlungsbereiche. Und schließlich wollen wir das 150jährige Jubiläum der Kunsthalle 2019 mit einem spannenden Programm feiern.

Wie viel Spielraum haben Sie, die Mittel sind ja bekanntlich immer zu knapp?

Die Mittel sind zur Zeit überall knapp – in unterschiedlichen Maßen natürlich. Die Kunsthalle ist besser aufgestellt als viele deutsche (und die meisten britischen) Museen. Sie hat viele Freunde und Unterstützer, die Stadt steht hinter dem Museum – und mit Kreativität lässt sich viel bewegen.

Wie wollen Sie in Hamburg Besucher ins Museum locken?

Meine idealen Museumsbesucher und -besucherrinnen kommen häufiger in ihr Museum. Dazu müssen wir in Bewegung bleiben – nicht nur mit Sonderausstellungen sondern auch mit einer dynamischen und inspirierenden Präsentation der ständigen Sammlung. Hamburger Museumsbesucher identifizieren sich oft sehr stark mit ihrem Museum – das ist sehr schön. Ich hoffe, dass wir die Kunsthalle stärker in ihrem täglichen Leben verankern können.

Welche Seiten der Stadt wollen Sie selbst entdecken, haben Sie schon einen Lieblingsort gefunden?

Nach der sehr traditionellen Theaterszene in London freue ich mich darauf, die Hamburger Bühnen zu entdecken. In der Stadt bin ich ja noch neu, da kommen wöchentlich neue Lieblingssorte hinzu. Aber ich bin immer froh, den Blick von der Lombardsbrücke zu genießen.

Was wünschen Sie sich für Hamburgs Zukunft?

Gesellschaftlichen Frieden, Offenheit – und dass die Stadt noch stärker die Bildende Kunst entdeckt.

Haben Sie ein Lebensmotto, ein Lieblingszitat oder Lieblingsschnack?

Eine Utopie ist eine Realität in der Entstehung.

 

Autorin: Herdis Pabst

Foto : © Hamburger Kunsthalle/Oliver Mark

 

30. November 2016 von Redaktion

Kategorien: Hamburg begeistert, Mein Hamburg, Stadtliebe

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