Mein Hamburg: Marion Stoeter

Was lieben die Hamburger an ihrer Stadt – und was nicht? Was bewegt ihr Leben oder was wollen sie bewegen? Menschen erzählen über ihre Leidenschaften, Lieblingsorte und ihr Leben in unserer Metropole. Wir fragen Eventmanagerin und Kunstexpertin Marion Stoeter.
Als Teenager ist Marion Stoeter 1970 nach Hamburg gekommen. Die Stadt ist ihr Lebens- und Arbeitsumfeld. Bestens vernetzt, richtet sie Veranstaltungen und Events aus, organisiert Ausstellungen und unterstützt Künstler.

Was macht für Sie die Stadt aus?

Ich erlebe sie als riesengroßes Geschenk. Hamburg ist wirklich weltoffen und hat die schönsten freizugänglichen Plätze. Anders als in Paris oder London gibt es hier keine Einschränkungen durch exklusive Klubs oder Privatbesitz. Man kann an die Elbe, in den Stadtpark, an die Alster, zu Planten un Blomen. Ich liebe aber auch Hamburgs Industrieflächen. Hamburg ist wie eine starke Frau, mal ganz elegant und schick, aber auch mal in Gummistiefeln bei schwerster Arbeit. Die Hamburger sagen, was sie denken, und sie machen, was sie sagen. Das hat sich so von einer zur nächsten Generation weitergetragen.

Wie ist es, in einem markanten Haus zu wohnen, das so sehr in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird?

Es ist einzigartig und gefährlich. Einzigartig, weil es traumhaft ist, in einem Haus mit dieser unvergleichlichen Architektur zu wohnen, nah an der Elbe mit Blick auf den Fischers Park. Gefährlich, weil wir dieses Haus, das mein Mann entworfen hat, so schön finden, dass wir nicht wüssten, wo wir sonst wohnen wollten, obwohl es uns inzwischen zu groß ist. Dass das Haus in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, bedeutet für uns, zum Dialog bereit zu sein. Wir unterhalten uns gerne mit Menschen.

Events und Kunst sind die Bereiche, in denen Sie tätig sind. Wie sind Sie zu dem geworden, was Sie sind?

Mich interessiert die Herausforderung, eine Aufgabe, sei sie auch noch so komplex, schwierig und eigentlich unlösbar, hinzubekommen. Zum Beispiel ein Event perfekt zu planen und durchführen zu können. Anfangs habe ich Nächte nicht geschlafen, morgens im Bad gestanden und gedacht, das schaffe ich nicht. Doch mit jedem Event, das erfolgreich war, ging es immer besser und nie war ein Kunde unzufrieden. Inzwischen habe ich die Eventplanung meiner Mitarbeiterin Nadine Hahn übergeben. Sie tickt wie ich und ist perfekt. Da habe ich mein „Doppeltes Lottchen“ gefunden.

Haben sich die Ansprüche der Kunden eigentlich im Laufe der Zeit verändert?

Bei Businessevents nicht. Aber durch Weddingshows und andere TV-Sendungen planen viele ein privates Event inzwischen sehr aufwändig, um sich einmal als Star zu fühlen. In der Zeit, die wir brauchen, um eine Hochzeit vorzubereiten, also etwa zehn Monate mit ständigem Email- und Besuchskontakt, schaffe ich es, sechs Firmenevents zu planen. Was bei unseren Kunden konstant geblieben ist, ist der Wunsch, dass das Event an der Elbe stattfindet.

Und wie entdeckten Sie Ihre Leidenschaft für die Kunst?

Kunst wiederum war in unserer Familie immer präsent. Mein Großvater war Architekt und war mit Paul Klee befreundet. Meine Mutter hat gemalt und es gab viel Kontakt zu Künstlerfreunden. Als wir vor zwanzig Jahren unser Haus gebaut haben, haben wir die Sammlung des Künstlers Klaus Drobig übernommen, der vierzig Jahre lang auf Mallorca eine Galerie, das Centre D’Art S’Estació, betrieb. Das war der Einstieg. Inzwischen habe ich meinen Schwerpunkt auf die Kunst gelegt, als eine Art Sahnehäubchen.

Sie haben erst vor Kurzem bei der Affordable Art Fair hier in Hamburg ausgestellt. Was macht Kunstmessen spannend?

Mit fünf Kunstmessen war dies ein spannendes und erfolgreiches Jahr. Die Messen sind wie Bühnen, da ist der Künstler präsent und lebt mit seinem Bild. Auf eine Messe kommen zwischen 18.000 und 25.000 Besucher, deutlich mehr als eine Galerie generieren könnte. Und das Publikum ist so unterschiedlich. Meine Künstler sind bereit, bei einer Messe anwesend zu sein, sozusagen als Teil der Show. In meiner neuen Port View Gallery in Neumühlen dagegen will ich jungen Künstlern ein Forum geben.

Worauf kommt es bei Ihrem Job an? Wie unterschiedlich sind die Bereiche?

In beiden Bereichen, aber auch wenn man Schrauben oder Fisch verkauft, ist Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Authentizität wichtig. Wenn man Leistung gegen Geld tauscht, sollte dieser Tausch immer für beide Seiten zu hundert Prozent zufriedenstellend sein. Das gilt auch für die Kunst. Bei einem Teil des Kunstmarktes geht es um Kunst, die einem gefällt: für die Wohnung, die Kanzlei, die Praxis. Dann kann man aber auch ins Risiko gehen und darauf spekulieren, dass ein Künstler berühmt wird. Das ist dann eher ein Finanzgeschäft. Für mich kommt es darauf an, dass man Kunst mit dem Herzen kauft.

Können die Künstler von ihrer Kunst leben?

Für Künstler ist es wichtig, dass ihre Kunst gekauft wird, das ist ihr Applaus. Aber häufig haben Künstler noch einen anderen Beruf. Wenn ein Künstler von seiner Kunst leben kann, kann sich unser einer diese Kunst meist nicht leisten. Auch ich verdiene mit dem Eventgeschäft das Geld, das ich mit der Kunst ausgebe.

Wenn Sie tatsächlich mal Zeit für Privates haben, wo zieht es Sie hin in Hamburg?

Wenn wir Freizeit haben, gehen mein Mann und ich gerne spazieren, lesen viel, gehen ins Konzert oder ins Theater. Meine Lieblingsorte sind Elbe und Alster, wie bei Zwillingskindern könnte ich nicht sagen, welches ich lieber hätte.

Was wünschen Sie sich für Hamburgs Zukunft?

Ich möchte, dass es so schön und beschaulich bleibt. Ich habe fast geweint, als beim G20-Gipfel die Autos in der Elbchaussee und in der Schanze alles brannte. Die Gesellschaft sollte es hinbekommen, die Balance zu halten zwischen denen, die gar nichts haben und denen, die viel haben. Vor allem sollte man die Kinder unterstützen und für gute Schulen und eine gute Ausbildung sorgen. Da sollte jeder Verantwortung übernehmen. Ich unterstütze zum Beispiel die brotZeit e.V., die dafür sorgt, dass Kinder in den Schulen ein Frühstück bekommen. In Hamburg nehmen neunzehn Schulen daran teil.

Haben Sie ein Lebensmotto, Lieblingszitat oder einen Lieblingsschnack?

Mein Vater hat immer gesagt, wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Mir geht es um diesen Optimismus, dass man schon eine Lösung für ein Problem finden wird.

 

 

Autorin: Herdis Pabst
Titelfoto: © Marion Stoeter
Foto: Marion Stoeter mit Künstler Jean-Pierre Kunkel und Kameramann Malte Nenninger © Marion Stoeter
Foto: Marion Stoeter mit Künstler Paul Schrader © Marion Stoeter

13. Dezember 2017 von Redaktion

Kategorien: Hamburg arbeitet, Mein Hamburg, Unternehmenslust

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