Michael Söth Filmemacher

Michael Söth Filmemachen auf Norddeutsch

Michael Söth kann viel: Er führt Regie, schneidet und schreibt Drehbücher. Der 48-Jährige hat schon mit Dirk Bach und Ina Müller gefilmt.

Michael Söth trägt Jeans und ein schwarzes Hemd, hat immer eine Zigarette in der Hand. Unterwegs setzt er eine Sonnenbrille auf, blickt sich ständig verstohlen um. Ein norddeutsches Urgestein? Das merkt man erst, wenn man mit ihm spricht – oder einen seiner Filme sieht.

Wenn man Michael Söth fragt, wo er den ur-norddeutschen Humor kennengelernt hat, der seine Filme auszeichnet, lacht er nur. „Eigentlich ist das kein Humor. Die Leute sind halt so.“ Der Eckernförder Jung zog mit seinen Eltern früh nach Elmshorn und dort mit seinen Kumpels durch die Natur und die Ställe. So merkte er früh: „Wir Norddeutschen hauen eben gern mal flach einen raus.“

Beruflich hat sich Michael Söth erst in Großhandel und Steuerberatung versucht, brauchte aber „nach dem Bürokram“ Abwechslung und machte Medienpraktika. Als ihn ein Freund beauftragte, einen Film über dessen Hotel zu drehen, wurde er „learning by doing“ zum Filmemacher. Er sagt das so, als wäre es nichts Besonderes, dass man als Autodidakt drehen, schneiden, schließlich Drehbücher schreiben lernt und dann Größen wie Bela B („Die Ärzte“), Ina Müller und Dirk Bach vor der Kamera hat.

Neues Projekt, alter Stil – nordish by nature

Sein erster Durchbruch kam 2006 mit „Deichking“, einer Hommage an den Rock’n’Roll, die es bis ins Fernsehen schaffte und „in der Szene ein echter Renner war“. Viele Musikgrößen sind unentgeltlich darin aufgetreten. Es folgte als zweiter Erfolgsfilm „Bauernfrühstück“.

Sein aktuelles Projekt heißt „Deichbullen“ – bisher gibt’s nur den Trailer, die eigentliche Produktion muss noch geklärt werden. Der Film erzählt von zwei betagten Hamburger Polizisten, die ins Niederelbe-Kaff Kollmar in den tiefen Norden versetzt werden, wo außer Schafen, Leuchtturm und Deichen zunächst nicht viel auf sie wartet. Nicht nur die Kulisse ist sehr norddeutsch, auch die Typen sind es in alter Söth-Manier. Allen voran René Chambalu, ein echtes Kiez-Urgestein. Der ist ruppig, nordisch, direkt. Außerdem sind dabei: Christian Dabeler, Tetje Mierendorf und Lenka Arnold.

Die Schauspieler schätzen an Söth, dass sie spielen dürfen, wie sie möchten. Söth sieht das wie in einem großen Kindergarten, mit sich selbst als Herbergsvater. „Ich sperre die auf einer Fläche ein und muss dafür sorgen, dass niemand ausbüxt.“

Achtung, sonst ist die ganze Hand schnell weg!

Mal wird diskutiert, mal nicht. „Die Schauspieler sind dann wirklich wie Kinder. Wenn du ihnen den kleinen Finger reichst und zu viele Zugeständnisse machst, wollen sie die ganze Hand und schreiben dir die Szene um.“

Schwer fällt es Söth, beim Drehbuchschreiben kritische Hinweise anzunehmen. „Aber da wachse ich mit der Reife des Alters hinein. Meistens haben die anderen ja Recht, auch wenn es wehtut, die Lieblingsszene umzuschmeißen.“

Vier Wochen „Arsch aufreißen“ für den Popcornverbrauch

Auf die Frage, was er mit seinen Filmen erreichen will, hat er sekundenschnell eine Antwort: „Spaß! Um Geld geht es mir schon lange nicht mehr, das ist mit meiner quasi nicht vorhandenen Werbemaschinerie auch hoffnungslos.“ Das ist sein Wermutstropfen, dass der Erfolg eines Films nicht durch die Qualität zustande kommt. Und dass die Kinobetreiber dementsprechende Kriterien anlegen.

So wurde er schon gefragt, welche Klientel sein Film bringen würde und was das für den Popcorn- und Colaverbrauch bedeute. „Da war ich ziemlich von den Socken. Man reißt sich den Arsch auf, stapft vier Wochen durch den Matsch – und das soll alles sein, was zählt?“

Trotzdem hört er nicht auf, zieht weiter sein Ding durch. Wenn die Produktion zu „Deichbullen“ endgültig geklärt ist, macht er Kollmar mit seiner Truppe auf’s Neue unsicher.

Autorin: Anja-Katharina Riesterer

15. Oktober 2014 von Redaktion

Kategorien: Hamburg filmt, Kulturgenuss

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