Mein Hamburg: Dirk Rosenkranz

Dirk Rosenkranz ist in Bergedorf geboren und lebt dort auch heute. Nach einer Ausbildung und einem BWL-Studium war er unter anderem Personalchef beim Pay-TV Sender Premiere. Bereits in der Schule erhielt er die Diagnose Muskelschwund. Heute engagiert er sich als Vorsitzender der Deutschen Muskelschwund-Hilfe e.V. für andere Betroffene.

Was lieben Sie an Hamburg?

Ich bin mit Herz und Seele Hamburger, vor allem aber liebe ich Bergedorf. Hier ist für mich Heimat, hier leben meine Familie und meine Freunde, von denen ich viele noch aus der Schule kenne. Bergedorf ist sehr grün und ruhig, man hat hier einen hohen Freizeitwert. Und ich bin in 25 Minuten mitten in Hamburg am Jungfernstieg. Hamburg ist eine weltoffene, elegante Stadt mit viel Kultur und ein gemütliches grünes Dorf zugleich, das mag ich sehr.

Haben Sie einen Tipp, was man in Bergedorf unbedingt sehen muss?

Auf jeden Fall die Sternwarte! Sie ist an den Wochenenden für Besucher geöffnet, es gibt Führungen, und bei Sonnenschein ist der Park mit seinem netten Café einfach traumhaft schön. Und natürlich das Bergedorfer Schloss – das kann ich allerdings selbst nicht besuchen, weil es leider nicht vollends barrierefrei ist.

Was schätzen Sie an Hamburg?

Vor allem die Hamburger selbst. Sie sind geradlinig, großzügig und loyal. Ich finde es toll, dass ich immer wieder neue interessante Menschen kennenlerne und freue mich, wenn sich aus diesen Begegnungen etwas ergibt und weitergeht. Ich möchte an keinem anderen Ort leben.

Sie haben Muskelschwund und sind auf den Rollstuhl angewiesen, was für eine Krankheit ist das?

Bei Muskelschwund bilden sich die Muskeln unaufhaltsam zurück. Es gibt ca. 800 unterschiedliche, unheilbare Muskelkrankheiten, die noch viel zu wenig erforscht sind. Die Medizin hat keine genauen Zahlen, aber man schätzt, dass in Deutschland ungefähr 300.000 Menschen an Muskelschwund erkrankt sind.

Wie helfen Sie Betroffenen bei der Deutschen Muskelschwund-Hilfe e.V.?

Wir beraten Muskelkranke und ihre Familien und setzen uns ganz konkret für ihre Belange ein. Wenn zum Beispiel die Krankenkasse Hilfsmittel wie einen geeigneten Rollstuhl oder eine Reha-Maßnahme verweigert, dann kümmern wir uns darum. Wir klären über Rechte und Möglichkeiten auf. Wir bieten in Hamburg einen kostenfreien Fahrdienst an und organisieren Schulassistenzen für muskelkranke Schüler und Studenten. Mit Hilfe der Assistenten, die über ein „Freiwilliges Soziales Jahr“ organisiert werden, können die Kinder und Jugendlichen am Unterricht und an den Vorlesungen teilnehmen – die FSJ-ler helfen dann zum Beispiel, die Hefte aus dem Ranzen zu nehmen, die Jacke an- und auszuziehen und natürlich auch, auf die Toilette zu gehen.

Wie kamen Sie zur Deutschen Muskelschwund- Hilfe e.V.?

Der Gründer des Vereins, Joachim W. A. Friedrich, hat mich dazu geholt. Als die Symptome meiner Krankheit immer deutlicher wurden, ging es mir sehr schlecht. Ich fiel in eine Depression, wollte meine Freunde nicht mehr treffen und habe mich aus dem Leben zurückgezogen. Unter anderem hat mir Joachim Friedrich damals geholfen. Heute helfe ich Betroffenen – denn ich weiß genau, wovon ich rede, weil ich es selbst erlebt habe. Ich versuche, anderen Menschen Mut zu machen und Muskelkranken eine Perspektive zu geben. Meine ehrenamtliche Arbeit ist mir sehr wichtig, weil ich sehe, dass wir wirklich etwas verändern können.

Wie können Hamburger und Hamburgerinnen helfen?

Wir finanzieren uns ausschließlich über Benefizaktionen und Spenden und freuen uns daher natürlich über jeden, der uns unterstützt. Man kann aber auch helfen und selbst Spaß haben: am 30. September 2017 veranstalten wir im Rahmen unseres 35-jährigen Jubiläums ein Opern Charity-Dinner im Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten zusammen mit der Hamburgischen Staatsoper. Hierfür gibt es noch Karten. Und wer mag, feiert mit uns beim Ball Papillon am 4. November 2017 im Hotel Grand Elysée.

Haben Sie ein Lieblingszitat, einen Lieblingsschnack, ein Motto?

„carpe diem“ – nutze jeden Tag und versuche, ein glückliches Leben zu führen. Konzentriere Dich auf das Positive und verwandle das Negative in eine Stärke. Das Leben ist schön!

 

 

Autorin: Bettina Bermbach

Foto: © Dirk Rosenkranz privat

9. August 2017 von Redaktion

Kategorien: Hamburg hilft, Mein Hamburg, Tatkraft

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