Mein Hamburg: Carsten Brosda

Was lieben die Hamburger an ihrer Stadt – und was nicht? Was bewegt ihr Leben oder was wollen sie bewegen? Menschen erzählen über ihre Leidenschaften, Lieblingsorte und ihr Leben in unserer Metropole. Wir fragen Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien.

Der Politikwissenschaftler hat über “Diskursiven Journalismus” promoviert und für Olaf Scholz Reden geschrieben, als der Arbeitsminister im Bund war. Als Bürgermeister hat Scholz ihn 2011 dann für das neu geschaffene Amt Medien in der Senatskanzlei in die Stadt geholt. 2016 wurde er Staatsrat  in der Kulturbehörde und war in der Senatskanzlei für Medien und Digitalisierung zuständig. Seit 2017 ist er Senator für Kultur und Medien.

Sie kamen von der Berliner Politik nach Hamburg. Wie war der Wechsel von der Hauptstadt hierher? Was macht Hamburg für Sie heute aus?

Olaf Scholz hat mich damals gefragt, ob ich die Leitung des neuen Amtes Medien in der Senatskanzlei übernehmen möchte. Das war natürlich – zumal für mich als gelernten Journalisten – großartig, doch noch auf Umwegen in die Stadt zu kommen, die wie kaum eine zweite in Deutschland für die Medien und besonders den Journalismus steht. Es ist eine schöne Aufgabe, hier, wo so viele Verlage und Redaktionen mit großer Tradition ansässig sind, an der Zukunft der Medien mitzuarbeiten.  Sehr schnell habe ich auch die kulturelle Vielfalt und vor allem den freiheitsliebenden Geist der Stadt kennen und schätzen gelernt. Das ist etwas, das Hamburg entscheidend prägt, das aber auch jeden Tag aufs Neue errungen und gesichert werden muss.

Was hat Sie in die Politik und schließlich in die Kultur- und Medienpolitik gezogen?

Wie so oft im Leben, war das zunächst eher eine zufällige Entscheidung. Während meiner Promotion über „Diskursiven Journalismus“ wollte ich nicht die eine Hälfte des Tages aktiv als Journalist tätig sein und mich die andere Hälfte dann wissenschaftlich mit meinem eigenen praktischen Handeln beschäftigen. So bin ich 2000 als Pressereferent zum SPD-Parteivorstand nach Berlin gekommen und habe dann über ein Jahrzehnt in unterschiedlichen Funktionen in der politischen Kommunikation gearbeitet.  Während die Arbeit in der Medienpolitik also aufgrund meiner früheren Arbeit durchaus plausibel war, bin ich zur Kultur zunächst als Liebhaber gekommen. Ich habe zwar in meiner Zeit als Journalist viel Kulturberichterstattung gemacht, aber so richtig begann das alles erst, als ich Anfang 2016 zum Staatsrat in der Kulturbehörde berufen wurde. Da war es sehr hilfreich, dass Barbara Kisseler seit 2011 im Senat eine regelrechte Leidenschaft für die Kultur entfacht hat, der auch ich mich nicht entziehen konnte.

Nach dem tragischen Tod von Barbara Kisseler waren Sie schnell der Wunschkandidat der Hamburger Kulturszene. Womit haben Sie überzeugt?

Ich habe davon ja so gut wie gar nichts mitbekommen, weil ich so beschäftigt damit gewesen bin, die Behörde durch diese schwierige Zeit zu bringen. Aber ganz offensichtlich habe ich in dieser Zeit nicht alles falsch gemacht. Wie Barbara Kisseler, habe ich die Aufgabe der Kulturbehörde immer auch als die eines Mittlers zwischen der Kultur und der Politik, die ja doch recht unterschiedlich gepolt sind, verstanden.

Zwischen Pop und Staatstheater ist der Bereich Kultur und Medien ja ein weites Feld. Welche Bereiche haben Sie schon immer interessiert, welche mussten Sie für sich erst neu entdecken?

In der Behörde ermöglichen wir Künstlerinnen und Kreativen die Bedingungen, die nötig sind, um Neues zu schaffen. Deshalb geht es zunächst auch nicht darum, was mich interessiert. Es geht darum, gute kreative Ideen zu ermöglichen, die dazu beitragen, die Relevanz der Kultur für die Gesellschaft zu steigern. Natürlich kann man da nicht in allen Feldern gleich kundig unterwegs sein – aber interessiert sein sollte man schon, denn es gibt unglaublich viele neue Eindrücke zu verarbeiten – vom Clubkonzert bis zu einer Ausstellung der Alten Meister. Ich finde es beeindruckend, wie sehr sich die Künstlerinnen und Künstler und die kulturellen Einrichtungen der Stadt ihrer Verantwortung in einem immer diverseren und auch schwierigeren Umfeld bewusst sind.

Welche Philosophie prägt Ihre Arbeit als Senator für Kultur und Medien?

Ich finde es wichtig, dass sich Kulturpolitik auch als Politik ernst nimmt, dass sie die Aufgabe annimmt, Rahmenbedingungen verbindlich zu gestalten und im Interesse von Kunst und Kultur auch durchsetzungsfähig ist gegenüber anderen, oft robust vorgetragenen Interessen. Wer den Rahmen der Freiheit der Kunst verteidigen, ja bisweilen auch weiten will, der darf sich vor der Politik nicht drücken.

Die Elbphilharmonie ist zum gewünschten Leuchtturm geworden. Welches sind aktuell die größten Herausforderungen in der Hamburger Kultur?

Eine Herausforderung besteht sicherlich darin, den Leuchtturm Elbphilharmonie so gut in der vielfältigen Kulturlandschaft in Hamburg zu vernetzen, dass sein Licht auf die ganze Breite der Kultur abstrahlt. Hier leistet Christoph Lieben-Seutter mit seinem Team hervorragende Arbeit. Gleichzeitig freut es mich sehr, dass auch die Kultureinrichtungen die Elbphilharmonie nicht als Konkurrenz sehen, sondern als unbedingte Bereicherung des kulturellen Lebens der Stadt. Es ist schön zu sehen, wie viele gemeinsame Projekte, zum Beispiel im Rahmen des Internationalen Musikfestes, aber auch etwa mit den Deichtorhallen oder der lokalen Musikszene in der Stadt entstehen. Diesen Schwung wollen wir nutzen, um die Kultur in seiner ganzen Breite nach vorne zu bringen. Unsere Innovationsoffensive Hamburger Museen ist hierfür ein Beispiel.

Sie müssen einige Stellen neu besetzen, die Leitung der Kunsthalle, der Filmförderung … Welche Impulse wollen Sie geben?

Wir erleben gerade viele Umbrüche in unserer Gesellschaft und damit auch in den Medien und der Kunst. Wer für solche bedeutenden Einrichtungen die Verantwortung übernimmt, der muss die Sensibilität zur Auseinandersetzung mit diesen Veränderungen mitbringen und in der Lage sein, darauf auch strategische Antworten zu entwickeln – gemeinsam mit den Teams in den Häusern. Das wird in allen Einrichtungen eine der entscheidenden Fragen der Zukunft sein, wenn wir ihre Relevanz auch in den kommenden Jahrzehnten sichern wollen. Ich möchte meinen Anteil dazu beitragen, dass die Leitungen wissen, dass sie in Hamburg ein Umfeld vorfinden, das ihnen hilft, ihre künstlerischen und kreativen Ideen umzusetzen.

Welche Zukunftsvisionen haben Sie für Hamburg als Kultur- und Medienstadt, welche Wunschprojekte?

Zunächst einmal habe ich die große Hoffnung, dass sich sowohl die Kultureinrichtungen, als auch die Medienhäuser allen gegenwärtigen Tendenzen, die Freiheit von Kunst und Medien einzuschränken, erfolgreich entgegenstellen. Und ich hoffe, dass sich unsere Gesellschaft populistischen Tendenzen verweigert und für ein offenes und freies Miteinander einsteht. Kultureinrichtungen und -angebote sind immer auch Kristallisationspunkte des Selbstbewusstseins einer vielfältigen Gesellschaft. Hamburg soll der Ort sein, an dem die bürgerliche Verantwortung für die Kunst immer einen großen Raum einnimmt und ihre Freiheit einem großen gesellschaftlichen Liberalismus begegnet. Damit das gelingt, werden wir viele Anstrengungen unternehmen, Qualität und Relevanz der Angebote weiter zu steigern und ihre soziale Zugänglichkeit zu verbessern. Niemand muss sich für alles interessieren, aber es ist schlimm, wenn manche denken, dass sie bei bestimmten Angeboten gar nicht gewollt seien.

Können Sie kulturelle Veranstaltungen noch privat genießen? Wohin lockt es Sie als Privatperson?

Na klar. Ich habe das große Glück, dass es eine große Schnittmenge zwischen privatem Genuss und beruflicher Pflicht gibt. In einem Club traurigen Männern mit Gitarren zuzuhören, kommt dem privaten Genuss besonders nahe.

Haben Sie ein Lebensmotto, Lieblingszitat, Lieblingsschnack?

Nein, das engt das Leben nur unnötig ein…

 

 

Autorin: Herdis Pabst
Foto:  Senator Carsten Brosda, Behörde für Kultur und Medien © Bertold Fabricius

28. November 2018 von Redaktion

Kategorien: Hamburg regiert, Mein Hamburg, Stadtliebe

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