Bettina Tietjen - DAS! - Moderatorin

Mein Hamburg: Bettina Tietjen

Was lieben die Hamburger an ihrer Stadt – und was nicht? Was bewegt ihr Leben oder was wollen sie bewegen? Menschen erzählen über ihre Leidenschaften, Lieblingsorte und ihr Leben in unserer Metropole. Wir fragen Moderatorin Bettina Tietjen

Andere Menschen in aufschlussreiche Gespräche über sich selbst zu verwickeln, ist Bettina Tietjens Leidenschaft. Seit mehr als zwanzig Jahren lebt sie in Hamburg, als Moderatorin sitzt sie mit ihren Gästen auf dem roten Sofa der NDR-Sendung „Das!“, mit Alexander Bommes führt sie durch die Talksendung „Tietjen und Bommes“.

Sie leben schon lange in Hamburg, welche Beziehung haben Sie zur Stadt?

Hamburg hat etwas Edles, ist eine sehr ansprechende Stadt: Die Alster, die Elbe und die wunderbaren Häuser, das ist auf den ersten Blick schön. Ich liebe es, am Wasser zu sein. Man ist so schnell an der Ostsee, kann mit den Dampfern auf der Elbe fahren oder auf der Alster rumschippern. Wir wohnen in Harburg, da ist man auch schnell im Wald, kann herrlich joggen und spazieren gehen oder mit den Kindern im Winter Schlitten fahren. Man hat großartige Einkaufsmöglichkeiten, es gibt Theater, Kino, Kunst – alles ist da. Also, Hamburg ist die schönste Stadt der Welt.

Sie kommen ja aus Wuppertal. Erscheinen den Rheinländern die Hamburger nicht als sehr kühl?

Am Anfang habe ich gedacht, die Norddeutschen mögen mich nicht. Doch dann habe ich gemerkt, dass sie abwarten und auf Distanz bleiben, um erst einmal zu gucken, wie ein Mensch eigentlich tickt. Wenn man dann das Vertrauen und den Respekt der Norddeutschen hat, dann hat man ihn für immer. Das habe ich sehr zu schätzen gelernt. Und ich habe auch gelernt, vor allem durch meinen Mann, der sehr zurückhaltend ist, meine bollerige und sehr direkte Art, Dinge anzusprechen und auf Menschen zuzugehen, ein bisschen geschmeidiger zu gestalten, etwas diplomatischer zu werden. Inzwischen sagen meine Freunde von früher, ich sei sehr norddeutsch geworden.

Sie wollten Schauspielerin oder Sängerin werden. Wie kamen Sie zum Journalismus, zur Moderation?

Mangelndes Schauspieltalent würde ich sagen. Ich kann mich gut selbst einschätzen. Ich war in der Theater-AG, hab ein bisschen gesungen, aber dann schnell gemerkt, dass es meine Stärke ist, mit Menschen zu reden, Fragen zu stellen. Das ist mehr mein Ding. Trotzdem habe ich ja sehr viel mit Schauspielern, Regisseuren und der ganzen Showbusinesswelt zu tun – als diejenige, die sich etwas erzählen lässt.

Aber gelegentlich spielen Sie in Filmen mit, wie in Harpe Kerkelings Film

„Horst Schlämmer – Isch kandidiere!“ oder im „Großstadtrevier“. Ich mache manchmal kleine Ausflüge und spiele mal eine Minirolle, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Aber ich merke dann auch sofort, dass ich nicht geduldig genug dafür bin. Es dauert Stunde um Stunde, bis eine Szene im Kasten ist. Das würde mich wahnsinnig machen. Da bin zu viel zu ungeduldig. Außerdem habe ich durch meine kleinen Gastrollen gemerkt, dass es sehr gut ist, dass ich diesem Weg nicht eingeschlagen habe (lacht). Da wäre ich ziemlich schnell gescheitert.

Wie schaffen Sie es, den Menschen vor der Kamera Geheimnisse zu entlocken?

Man bekommt ein Gespür für Menschen. Die meisten reden gerne. Manche haben aber auch ein bisschen Angst davor. Wenn man solche Sendungen wie „Das!“ oder andere Talkformate so lange macht wie ich, dann weiß man, wie man auf jemanden eingehen muss, damit er sich wohlfühlt. Man muss sich auf den Menschen einlassen und ihm das Gefühl vermitteln, dass man wirkliches Interesse an ihm hat. Dann vergisst er auch schnell, dass da eine Kamera läuft.

Es ist für Frauen und meistens ja nur für Frauen ein Thema, Familie, Kinder und den Beruf unter einen Hut zu bringen. Wie haben Sie es geschafft?

Ich habe einen tollen Mann. Wir gehören zu den Vorreitern, was Rollentausch angeht. Wir haben vor 22 Jahren gemeinsam entschieden, dass er sich um die Kinder kümmert. Ich finde es sehr schade, dass das nicht mehr Familien so machen.  Damals war mein Mann ein Exot. Auf dem Spielplatz war er der Einzige unter lauter Frauen. Irgendwann hat er gelernt, das zu genießen. Er wurde immer versorgt, von der einen Mutter bekam er Kekse, von der anderen Möhrenschnitze. Ein Vater erzieht nicht so gluckig. Er konnte zum Beispiel Zeitung lesen, während die Kinder um ihn herumwuselten. Das hätte ich ja nie hingekriegt. Aber die Kinder haben davon profitiert und wurden schnell selbstständig.

Sie engagieren sich auch beherzt im sozialen Bereich

Ich habe zwei Schirmherrschaften übernommen, eine für das Ronald McDonald Kinderhausin Kiel und eine für das DRK-Hospiz für Hamburgs Süden. Als diese zweite Anfrage kam, war ich erst etwas zögerlich, aber dann begannen die Nachbarschaftsproteste. Das fand ich unmöglich und habe ich zugesagt. Ich finde es richtig, dass man über Hospize spricht und dass man in die Öffentlichkeit trägt, dass das kein Ort ist, vor dem man Angst haben muss. Alle sind dort gut aufgehoben. Das Hospiz ist wirklich ein Ort des Friedens und auch der Lebensfreude. Die Menschen genießen ihr Leben ganz anders, als jemand, der denkt, er hätte noch unendlich viel Zeit.

Sie haben auch ein Buch geschrieben „Mein Vater, die Demenz und ich“

Als mein Vater an Demenz erkrankte, haben wir trotzdem eine schöne Zeit miteinander verbracht, sind uns emotional nähergekommen. Mit dem Buch „Unter Tränen gelacht” wollte ich anderen zeigen, dass so etwas möglich ist, wenn man sich darauf einlässt. Es gibt viele, die einen Dementen in ihrem Umfeld haben, aber nicht darüber sprechen. Damit sind so viele Ängste verbunden. Ich habe gedacht, dass man mit einem Buch ein Gespräch anstoßen und etwas verändern kann, damit sich mehr trauen, Demente am ganz normalen Leben teilhaben zu lassen. Die Reaktionen, die vielen Zuschriften und die Gespräche, die ich im Zusammenhang mit dem Buch führe, zeigen mir, dass es etwas bewirkt.

Was wünschen Sie sich für Hamburg?

Weniger Baustellen, ich wohne ja im Süden und komme kaum noch in die Stadt rein. Davon abgesehen, möchte ich, dass Hamburg so schön bleibt, wie es ist, und dass die Hamburger es auch zu schätzen wissen.

Haben Sie ein Lebensmotto, ein Lieblingszitat, einen Lieblingsschnack?

Ich sag immer: Ich bin okay, du bist okay. Man sollte jeden Menschen so nehmen, wie er ist.

 

Autorin: Herdis Pabst

Foto: Bettina Tietjen © NDR/Morris Mac Matzen

5. Juli 2017 von Redaktion

Kategorien: Hamburg publiziert, Mein Hamburg, Wissensdurst

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