Alexander Röder

“Dieses Amt ist eine Herausforderung”

Seit 2005 ist Alexander Röder Michel-Hauptpastor. Mit HAMBURG schnackt! spricht der 53-Jährige über sein Amt und den Wandel der Stadt.

Alexander Röder vertritt als Hauptpastor von St. Michaelis (“Michel”) eine Hamburger Institution und leitet regelmäßig Gottesdienste. Der vielbeschworene Mitgliederschwund ist an seiner Kirche kein Problem. Dafür bereitet dem gebürtigen Hamburger die soziale Entwicklung und der Verkehr in seinem Gemeindebereich Sorgen.

Alexander Röder, was bedeutet es für Sie, Hauptpastor dieser großen Kirche zu sein, die zugleich das Wahrzeichen der Stadt ist?

Es ist eine andere Dimension. Alles ist nicht nur viel größer, sondern auch viel mehr. Dieses Amt ist eine Herausforderung.

Worin besteht Ihrer Meinung nach die Herausforderung?

Ein wichtiger Teil ist das Repräsentieren des Michels innerhalb der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland und der Öffentlichkeit. Das Arbeitspensum ist gewaltig, es macht aber sehr viel Spaß.

Wann liegt besonders viel an?

Ganz eindeutig in der Vorweihnachtszeit. Mein Vorgänger Helge Adolphsen sagte mir bei der Ämterübergabe augenzwinkernd: “Nehmen Sie sich im Dezember nichts Privates vor, Sie haben keinen Abend Zeit.” Er hatte recht.

Gibt es hier am Michel noch eine richtige Gemeinde?

Oh ja, wir sind die Dorfkirche für die wachsende Neustadt. Dazu kommen mehrere hundert Leute aus dem weiteren Hamburg. Und dann gibt es noch sehr viele, die bei den Großereignissen dabei sind, zum Beispiel Weihnachten, Ostern, bei Konzerten oder zum Hafengeburtstag.

Was hat sich in den neun Jahren, die Sie jetzt hier sind, verändert?

Viel. Die Neustadt wird zunehmend bebaut – auch mit hochpreisigem Wohnraum. Das ist ein Problem, denn dadurch werden sozial schwache Familien aus dem Stadtteil verdrängt. Andererseits ziehen jüngere, wohlhabende Familien hierher. So gibt es mehr Trauungen, Taufen – und Verstärkung für unseren Kinderchor. Die Einwohnerschaft ist spürbar jünger geworden.

Und die kommt in die Kirche?

Ja, in den Gottesdiensten sehe ich viele, die unter 30 sind. Es ist übrigens eine Mär, dass die Kirchen immer leerer würden. Wir haben insgesamt 1,4 Millionen Besucher im Jahr. Dabei frage ich die Leute nicht nach ihrer Kirchenmitgliedschaft, ich frage nach ihrem Glauben. Wir am Michel sind eine ganz offene Kirche. Aber beim Gottesdienst sind wir kompromisslos.

Was bedeutet das?

Das betrifft den Aufbau, wir bieten das Wesentliche: eine herausgehobene Stunde an einem besonderen Ort, eine gehobene Sprache, bestimmte Musik, gemeinsames Singen. Gottesdienst ist eine Form von heiligem Spiel. Wir sind darin der Event-Kultur um Jahrhunderte voraus. Gleichzeitig sind wir Kirche in der Welt und damit natürlich auch politisch.

Was bewegt die Menschen in der Gemeinde?

Alltagssorgen wie die baulichen Veränderungen hier in der Neustadt. Auch die geplante Seilbahn oder die drohende Bebauung des Stintfangs. Vor allem aber der Verkehr. Willy-Brandt- und Ludwig-Erhard-Straße sind ein ständiger Lärmfaktor.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft ihrer Gemeinde?

Wir wollen ein Besucherzentrum bauen, denn es werden künftig noch mehr Menschen in die Stadt kommen. Dann möchte ich eine bessere Anbindung des Michels an die Hafen City. Vor allem dürfen wir die sozialen Probleme nicht vergessen. Wir müssen hier vor Ort helfen, dass sozial Schwache nicht an den Rand gedrängt werden oder untergehen.

Autor: Hilmar Schulz

30. Mai 2014 von Redaktion

Kategorien: Hamburg verbindet, Tatkraft

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