AusSichtErfolg: Dr. Moritz Petersen

Entscheidungsträger*innen aus allen Bereichen und Branchen unserer Metropole tragen dazu bei, dass Hamburg attraktiv, lebens- und liebenswert ist, auch wirtschaftlich erfolgreich – und dabei den Menschen zugewandt. In diesem Sympathie-Format verraten sie uns, was sie bewegt, was sie in Hamburg und für Hamburg bewegen, welche Ideen sie für unsere Stadt haben. Heute: Dr. Moritz Petersen, Director, Center for Sustainable Logistics and Supply Chains, Kühne Logistics University (KLU).

Was macht für Sie den Logistikstandort Hamburg aus, Dr. Petersen?

Hamburg ist ein bedeutender logistischer Knotenpunkt. Mit fünf Millionen Einwohnern ist die Metropolregion Hamburg aber auch für sich ein großer Wirtschaftsraum mit ensprechend großen logistischen Bedarfen. Es ist darum nicht überraschend, dass in Hamburg viele etablierte Logistikunternehmen ansässig sind und sich hier immer mehr logistische Start-Ups gründen. Darum ist Hamburg auch der perfekte Ort für ein Logistikstudium, weil wir z. B. Terminalprozesse nicht nur theoretisch besprechen, sondern die Containerbrücken vom Vorlesungsraum aus sehen können. Das Buzzwort „Digitalisierung“ wird konkret, wenn man es mit Start-ups diskutieren kann. Als Hochschule befinden wir uns hier im Herzen der Hafencity inmitten eines fantastischen logistischen Ökosystems, was sich in dieser Form sonst kaum finden lässt.

Was ist zurzeit die spannendste Entwicklung in der Metropolregion Hamburg?

Die Logistik steht vor der immensen Herausforderung sich klimafreundlich aufzustellen. Es gibt erhebliche Bemühungen um Effizienzsteigerungen, gleichzeitig wachsen die Güterströme und werden kleinteiliger. Im Ergebnis entwickeln sich die durch Logistik verursachten klimaschädlichen Emissionen daher weiter in die falsche Richtung. Da die Logistik für Hamburg sehr bedeutend ist, haben wir eine besondere Verantwortung effektiv gegenzusteuern.

Für mein Gefühl verlassen wir uns dabei aktuell zu sehr auf Technologie und alternative Kraftstoffe. Diese sind unglaublich wichtig, aber kurzfristig nicht ausreichend verfügbar. Hingegen unterschätzen wir aus meine Sicht die Wirksamkeit von verändertem Verhalten und die Bedeutung von Zusammenarbeit. Und wir brauchen Transparenz über die tatsächlich entstehenden Emissionen.

Auf meiner Frühstücksmilch steht die in der Produktion freigesetzte Menge an CO2 groß auf dem Karton drauf. Ähnliche Mechanismen brauchen wir auch in der Logistik.

Wo sehen Sie Entwicklungsmöglichkeiten/ – bedarf für Hamburg als Standort?

Da gibt es zahlreiche. Wenn wir uns z. B. mal den innerstädtischen Lieferverkehr ansehen, dort gab es in den letzten Jahren viele gute Ideen, Konzepte, Pilotprojekte, usw., sicher auch getrieben durch den ITS Kongress. Es ist der Zeitpunkt gekommen, in eine großflächige Umsetzung zu gehen. Denn dass die Verkehrssituation untragbar geworden ist, darüber sind sich doch alle einig.

Was ist das Besondere an Ihren derzeitigen Aufgaben?

Ich habe die große Freude ein Center an der KLU aufzubauen, dass sich dezidiert mit nachhaltiger Logistik befasst, auch unter Einbeziehung der gesamten Lieferkette. Dabei kann ich auf der Startfinanzierung durch Kühne+Nagel und das bereits vorhandene Renommee der KLU in diesem Bereich aufbauen. Heute müssen wir zum Glück kaum noch jemanden überzeugen, dass Nachhaltigkeit für die Zukunft der Logistik, übrigens auch für ihre gesellschaftliche Akzeptanz, von überragender Bedeutung ist. Wir können uns auf Lösungen konzentrieren.

Worauf sind Sie besonders stolz, wenn Sie an Ihre Mitarbeiter*innen und Kollegen*innen denken?

Stolz ist nicht das richtige Wort. Ich empfinde es eher als ein großes Privileg täglich mit ganz hervorragenden Kolleg*innen bei uns im Haus an einem sehr zukunftsträchtigen Thema arbeiten zu können.

Was ist die größte Herausforderung in den kommenden Monaten? Und wie werden Sie diese meistern?

Neben ganz banalen organisatorischen Aspekten werden wir uns vor allem mit der Frage beschäftigen, welche inhaltlichen Schwerpunkte wir in den nächsten fünf Jahren setzen wollen, um unsere Resourcen möglichst wirksam einzusetzen. Wir haben zur Gründung des Centers viele positive Rückmeldungen insbesondere von Hamburgischen Logistikern und Verladern bekommen. Mit diesen Unternehmen tauschen wir uns aktuell intensiv aus.

Ihr wichtigstes Projekt zurzeit und warum?

Das wichtigste Projekt ist die Etablierung des Center for Sustainable Logistics and Supply Chains. In dem Center wollen wir vorhandene Kompetenzen und Aktivitäten der KLU bündeln und gemeinsam mit unseren Partnern in der Industrie einen messbaren Unterschied machen.

Was macht aus Ihrer Sicht ein gutes Netzwerk aus?

Ein gutes Netzwerk bringt komplementäre Kompetenzen effektiv zusammen und ermöglicht so gemeinsame Erfolge. Letztlich ist reibungslos funktionierende Logistik also das beste Beispiel für ein gutes Netzwerk.

Was treibt Sie an, sich in Netzwerken zu engagieren?

Ich bin in einem Knabenchor sozialisiert worden. Dort lernt man sehr schnell, dass es auf jeden einzelnen ankommt. Denn ein einzelner couragierter Einsatz, aber leider einen Schlag zu früh, kann das ganze Stück ruinieren. Das hat uns als Kinder enorm zusammengeschweißt und von diesem Netzwerk profitiere ich noch heute.

Ich bin Mitglied bei der Logistik-Initiative Hamburg (LIHH) weil …

… die Logistik mag für Außenstehende recht homogen aussehen. Wie wir wissen, ist das Gegenteil der Fall. Es braucht also jemanden, der zusammenbringt und jenseits unternehmerischer Einzelinteressen Dinge anschieben kann. Dazu ist die LIHH in der richtigen Position, auch um als Sprachrohr einer Industrie zu fungieren, die selten in ihrer tatsächlichen Breite wahrgenommen wird.

Ihr Lieblingsplatz in der Metropolregion Hamburg?

Mein Lieblingsplatz ist, nach unserem Garten, an Deck einer HADAG-Fähre in Richtung Finkenwerder. Außerhalb der touristischen Hochsaison, mit ordentlich Wind und viel Aktivität im Hafen. Machen wir leider viel zu selten.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?

Mein Großvater verabschiedet mich seit Jahrzehnten regelmäßig mit den Worten „Werde der Mensch, der ich immer sein wollte.“ Das ist kein Lebensmotto aber für mich ein regelmäßiger Ansporn meine Komfortzone zu verlassen. Denn Komfortzonen führen nicht dazu, dass meine Generation ihren Enkeln die Welt einmal in einem Zustand hinterlassen kann, für den wir uns nicht entschuldigen müssen.

 

 

 

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Foto: Dr. Moritz Petersen © Kühne Logistics University (KLU)

28. Oktober 2020 von Redaktion

Kategorien: Hamburg lehrt, Wissensdurst

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