Marionettenspieler Thomas Zürn

Alle Hände voll zu tun

Thomas Zürn geht einer Beschäftigung nach, die viel Fingerspitzengefühl erfordert. Als Marionettenspieler begeistert er Kinder wie Erwachsene.

Überspitzt könnte man sagen: Das Leben von Thomas Zürn hängt an neun Angelschnüren. So viele braucht es in der Regel, um eine Marionette zu bewegen. Sprich: den Kopf, die Arme, die Hände, die Beine. Und weil Zürn als Marionettenspieler sein Geld verdient, wäre es fatal, würden sich seine Figuren in eben jenen neun Schnüren verheddern, von denen wiederum ihr Dasein auf der Bühne abhängt.

„Marionettenspieler“, sagt Thomas Zürn, wie er im Schanzenpark vor seinem Theaterzelt „Papillon“ steht, „ist ein Beruf.“ Klingt am Anfang vielleicht etwas abwegig für einen Erwachsenen, der sich zum ersten Mal eine Aufführung angesehen hat. Aber wer dem 48-Jährigen ein paar Minuten lang über dessen künstlerische Arbeit hat sprechen hören, der weiß: Freizeitvergnügen klingt anders. Der Mann hat – im wahrsten Sinne des Wortes – alle Hände voll zu tun.

Vom Holzbildbauer zum Marionettenspieler

Denn Thomas Zürn bewegt seine Marionetten nicht nur – er baut die Figuren auch alle allein. Die Kulissen werden von ihm, der Holzbildbauer gelernt hat, ebenfalls selbst gefertigt. Nur das Bemalen überlässt er seiner Kollegin Diana Skoda, während die Hamburgerin Christine Brückner die Musik komponiert. „Zwei Jahre“, erzählt Thomas Zürn, „dauert die Produktion eines Theaterstückes.“

Szene aus der Kaiser und die Nachtigall

Szene aus der Kaiser und die Nachtigall

Thomas Zürn, in Süddeutschland aufgewachsen, braucht seinerseits 27 Jahre, bis er sich für den Beruf des Marionettenspielers entscheidet. „Es war Zufall, dass bei Gerhards Marionettentheater in Schwäbisch Hall gerade eine Arbeitsstelle frei gewesen ist, als ich mich beworben habe.“

Aufführungen im Zelt

Im Jahr 2000 beschließt Thomas Zürn, sich selbstständig zu machen und auf Tournee zu gehen. Sieben Jahre danach zieht er nach Hamburg. Dass die Stücke hier im Sommer in einem Zelt aufgeführt werden, geschieht aus Kostengründen. Dagegen tritt das Ensemble über den Winter im Jenisch Haus auf. „Und die Aufführungen dort“, sagt Thomas Zürn, „sind in der Regel sehr gut besucht.“

Szene aus der Kaiser und die Nachtigall 2

Szene aus der Kaiser und die Nachtigall

Das mag auch daran liegen, dass Thomas Zürn in den vergangenen Jahren Stoffe gewählt hat, die auch für Erwachsene interessant sind wie „Der Kaiser und die Nachtigall“. Ein Stück, welches er allerdings „zum ersten Mal als Erstklässler an seiner damaligen Grundschule“ gesehen habe.

„Eine wirkliche Übungssache“

Wenn Thomas Zürn heute vor kleinen Kindern auftritt, dann, versichert er, schauen diese so gebannt zu, dass sie das Spiel mit den Figuren für real halten. „Das ist selbst dann der Fall, wenn wir auf einer offenen Bühne stehen und sie uns zusehen können.“

Er selbst bevorzuge den so genannten „Guckkasten“, wo allein die Figuren präsent sind und nicht auch er und seine Kollegin, wie sie über das Spielkreuz die Bewegung ihrer jeweiligen Figur steuern. Als Erwachsener würde man möglicherweise auch mehr auf die Fingerfertigkeit der Marionettenspieler achten als auf das Stück selbst.

„Es ist eine wirkliche Übungssache. So, als ob man das Spielen eines Instrumentes erlernen will.“ Als Kind habe er viel Gitarre gespielt, erzählt Thomas Zürn. Aber sein Leben von den richtigen Tönen abhängig zu machen, das wollte er dann doch nicht.

Autor: Markus Tischler

Marionettentheater Papillon

Spielplan: Bis 6. Juli – Schanzenpark, Vorstellungen Do – So.; 25. Juli bis 10. August, Hammer Park.. 22. Juli 2014 von Redaktion

Kategorien: Hamburg künstlert, Kulturgenuss

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