SCHNACKFRISCH! – Neue Trends in der Gastronomie?

In der Gastronomie gibt es viele Trends. Zu den neuesten sollen „Teich-Öhrchen“ und „Knocken“ gehören. Wir haben nachgeforscht.

Das Restaurant, es ist ein Italiener, liegt ein wenig abseits. Von der Straße. Vom Stadtteil her. Irgendwo in diesem sehr gewerbegebietsmäßigen Niemandsland, das sich zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein nicht entscheiden kann.
Aber das ist nicht der Punkt. Es soll hier um das Restaurant gehen, das südländischer Provenienz.

Sardische Küche wird geboten, viel Fisch, Fleisch und natürlich Pasta in allen Variationen. Eine Speise ist bemerkenswert, bislang war sie selbst Kennern nicht vertraut. Es handelt sich um „Teich-Öhrchen“. Richtig, „Teich-Öhrchen“. Erst dachte ich, es fehle ein „R“ vor dem „Ö“. Schließlich haben viele Menschen beim Baden und Schwimmen Druck auf den Ohren, neigen zu Wasser im Gang des Hörorgans, weshalb sie zwecks besserer Entlüftung „Röhrchen“ benutzen, wie man sie auch von Kindern kennt, denen man chronische Ohrentzündungen ersparen möchte.

Teich-ÖhrchenAber weshalb sollte sich solch ein medizinisches Utensil auf der Speisekarte eines Restaurants finden, selbst wenn dieses ein abgelegenes ist? Ein weit gereister Freund brachte mich schließlich auf die richtige Spur. „Schon mal überlegt, ob vielleicht Teig-Öhrchen gemeint sein könnten?“, fragte er scheinheilig. Touché, da hatte er einen Volltreffer gelandet. Ein Blick auf weitere Gerichte zeigte, dass Wirt und Küchencrew in punkto Rechtschreibung ebenso kreativ waren wie beim Zubereiten der Speisen. Denn sehr spannend klingt auch dies: „Hähnchenkeule (ohne Knocken)“.

Hähnchenkeule

Ich fabuliere nun lieber nicht weiter, ob hier auf Knockout-Niederschläge beim Verzehr verzichtet wird. Stattdessen sage ich: Passt auf, dass Ihr Euch bei diesem Italiener nicht wie ich bis auf die Knochen blamiert. Denn sonst gibt es etwas hinter die Öhrchen.

Ich habe deshalb einen Freund kontaktiert, der schon viel rumgekommen ist. „Teich-Öhrchen“, murmelte er, „das war doch was? Moment, ich komme gleich darauf.“ Auf einer seiner Reisen habe er vielleicht mal so etwas gegessen, kann aber auch sein, dass es etwas anderes gewesen sei. „Teich-Möhrchen? Sorry, ich weiß es nicht mehr so genau.“
Danke, tolle Hilfe! Nun gut, dann muss ich wohl doch alleine klar kommen.

Ich recherchierte ein wenig herum. Im Netz, logo, das macht man ja heutzutage so. Gab aber auch nichts Brauchbares. Daher mutmaße ich jetzt. Aber fundiert. Versprochen. Ich vermute, dass es sich bei „Teich-Öhrchen“ um eine inner-sardische Spezialität handelt. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist es ein Gericht, das traditionell mit Geflügel zubereitet wird. Diese Variante heißt wohl „Enten-Teich-Öhrchen“. Da aber in Zeiten wirtschaftlicher Krise jeder Cent mehrfach umgedreht werden muss, ehe er doch nicht ausgegeben wird, gibt es dieses Vogelfleischgericht nun auch ohne Piepmatz.
Für Vegetarier ist das eine gute Nachricht.

Leider werden in dem abgelegen Restaurant zwischen Norderstedt und Langenhorn die „Teich-Öhrchen“ mit „Weißbohnen und Speck“ serviert. Das ist doof für Menschen, die „Teich-Öhrchen“ lieben, aber auf tierische Eiweiße verzichten wollen. „Sie können ja den Speck aus den Bohnen nehmen“, heißt es in solchen Fällen gerne etwas teigig vom Gastro-Personal. Das ist gut gemeint, aber nicht gut genug.

Insofern müsste man wohl darauf dringen, die „Teich-Öhrchen“ ohne „Weißbohnen und Speck“ zubereitet zu bekommen, zumindest solange, bis nicht Weißbohnen und Speck getrennt präpariert und auch nicht auf dem Teller wieder zusammengeführt werden. Zusammenführung ist wichtig im Leben, beim Essen aber existieren Grenzen.

Bitte keine Widerworte! Sonst gibt es etwas auf die Öhrchen.

Autor: Clemens Gerlach

18. September 2014 von Redaktion

Kategorien: Hamburg speist, Lebensfreude, Schnackfrisch

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