Mein Hamburg: Matthias Elwardt

Was lieben die Hamburger an ihrer Stadt – und was nicht? Was bewegt ihr Leben oder was wollen sie bewegen? Menschen erzählen über ihre Leidenschaften, Lieblingsorte und ihr Leben in unserer Metropole. Wir fragen Matthias Elwardt, Geschäftsführer der Zeisekinos

In Lübeck geboren, in Mölln und Ratzeburg aufgewachsen, hat sich Matthias Elwardt schon als Jugendlicher für Film interessiert. Ein Job im Abaton Kino während seines Studiums in Hamburg wies ihm den beruflichen Weg. Als Geschäftsführer machte er das Kino im Grindelhof zu einem der erfolgreichsten in Deutschland. Während der angesehene Kinomacher auch Programme für die Berlinale kuratierte, blieb er doch Hamburg treu. Anfang 2019 wechselte er als Geschäftsführer zu den Zeisekinos.

Sie leben seit den achtziger Jahren in Hamburg. Was bedeutet Ihnen die Stadt?

Auch wenn ich getreu dem Werbespruch nicht behaupten würde und auch gar nicht könnte, Hamburg sei die schönste Stadt der Welt, so ist es für mich doch die angenehmste deutsche Stadt. Hamburg hat viele Vorzüge: das viele Grün, das Wasser und, dass immer ein bisschen Wind weht. Hier ist es nie drückend. Ich komme aus Norddeutschland und mir gefällt diese Mentalität. Die mag am Anfang etwas spröde wirken, aber es gibt eine große Verbindlichkeit und auch viel Herzlichkeit. Und – Hamburg hat ein wunderbares Kinopublikum. Für mich ist es also der perfekte Ort.

Wie ist es denn um Hamburg als Kinostadt bestellt?

Keine andere Großstadt hat so häufig den höchsten Programmpreis, den der oder die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien (BKM) jährlich vergibt, bekommen wie Hamburg. Der ging je einmal an die Zeisekinos und das 3001 Kino sowie zweimal ans Abaton. Es gibt hier also ein besonderes Engagement der Kinomacher. Allerdings würde ich mir eine größere Aufmerksamkeit der Medien wünschen.

29 Jahre haben Sie das Abaton geleitet, nun haben Sie die Zeisekinos übernommen. Welche Pläne haben Sie fürs Zeise?

Für mich ist Altona und Ottensen ein neuer Kiez. Das ist sehr spannend, denn hier ist viel mehr los als in meinem alten Arbeitsumfeld, dem Grindelhof.  Wer vom Hamburger Westen aus in die Stadt will, muss ja hier an den Zeisekinos quasi vorbei. Ich will das Kino sichtbarer machen, als ein Kino für ganz Hamburg, aber auch die lokalen Aspekte betonen. Ich schätze den wunderbar großen Saal sehr. Mit 370 Plätzen hat das Zeisekino einen der größten Kinosäle Hamburgs.  Dazu kommt die großartige Architektur in der Halle. Wir wollen das Foyer attraktiver gestalten. Wir wollen bekannter machen, dass Kinobesucher in der öffentlichen Garage Zeisehof zu besonderen Konditionen parken können. Und wir planen Kooperationen mit den umliegenden Gastronomen, der Arbeitstitel lautet „Cinemahl“

 

Gibt es schon Programmideen?

Erst  einmal muss ich sagen, dass die Zeise Latenight ein tolles Format ist, einzigartig in Hamburg. Freitagabends gibt es den Kurzfilm- , Singer- oder Poetry Slam. Da kommen regelmäßig dreihundert Besucher. Ganz neu werden wir ab Februar das Lunch Kino einführen. Für Filmfans, die tagsüber Zeit haben oder ihren Tagesablauf frei gestalten können, zeigen wir um 11.00 Uhr und 13.00 Uhr Filme aus unserem Programm. Mit dem Kinoticket gibt es einen Bonus in den umliegenden Restaurants. Das Kinderkino wird ausgebaut. Und wir planen viele Sonderveranstaltung und Premieren. Im Februar zeigen wir gleich nach der Berlinale Heinrich Breloers TV-Doku-Fiction „Brecht“, zeigen drei Filmen zum Thema Weltreise, darunter eine Weltpremiere. Zum Kinostart von Fatih Akins Film „Der goldene Handschuh“ sind mehrere Veranstaltungen mit Gästen geplant.

Wie ist Ihre Kinoleidenschaft entstanden?

Als ich in Ratzeburg zur Schule ging, ein Gymnasium mit dem schönen Namen Lauenburgische Gelehrtenschule, hatte mein Mathelehrer und Tutor die Idee zu einer Film-AG. Wir haben damals nicht nur Filme gezeigt, sondern oft große Veranstaltungen organisiert, einen chilenischen Abend mit einer Band, die in Hamburg die Fabrik füllte, oder zum Film passende Getränke serviert. So habe ich mit sechzehn Jahren schon mit dem angefangen, was ich heute mache. Dabei wollte ich eigentlich Lehrer werden, doch damals gab es eine Lehrerschwemme. Das hat mich davon abgehalten.

Stattdessen waren Sie 29 Jahre lang Geschäftsführer im Abaton, einem der erfolgreichsten Arthouse-Kinos Deutschlands

Während meines Studiums, Betriebswirtschaft als Standbein, Theater und Medien als Spielbein, bin ich als studentischer Mitarbeiter ins Abaton gestolpert und habe dort bald auch meine ersten Veranstaltungen organisiert. Der  Bloomsday mit der Verfilmung von James Joyces „Ulysses“ und anschließendem Bloom’s Lunch war meine erste Veranstaltungsreihe dort. Sie lief dreißig Jahre lang. Ich hatte also schon früh Spaß an solchen Formaten.  Und selbst nach über dreißig Jahren im Kino, wenn ich die Studentenzeit dazurechne, sehe ich immer noch neue Filme, die einen einfach umhauen, die einen überraschen.

Fort aus Hamburg wollten Sie nie?

Es gab natürlich immer mal wieder Angebote, vor allem aus Berlin. Ich habe siebzehn Jahre parallel zum Abaton für die Berlinale gearbeitet, kenne die Stadt also auch gut. Aber das Leben hängt ja auch von jenen ab, die man so schön Herzensmenschen nennt. Somit hat Hamburg für mich doch immer Priorität.

Wie ist es um die Zukunft des Kinos bestellt – bei all den Angeboten der vielen Streamingdienste im Internet?

Die Menschen wollen gemeinsam etwas erleben. Und dieses Gemeinschaftserlebnis bekommen sie nur im Kino, nicht bei einer der Plattformen. Allerdings ist der gesamte Freizeitbereich mit Games, Escape-Rooms, Kinderparadiesen und vielem mehr viel umfangreicher geworden. Da hat das Kino eine große Konkurrenz bekommen und gleichzeitig ist die Berichterstattung über Filme sehr geschrumpft. Doch die Konzentration auf eine gute emotionale Geschichte zwischen 90 und 150 Minuten, die gibt es nur im Kino.

 

Was wünschen Sie sich für Hamburgs Zukunft?

Mehr perspektivisches Denken, um Probleme langfristig zu lösen. Die Themen verschwinden ja schließlich nicht nach fünf Jahren. Vor allem wünsche ich mir eine bessere Medienerziehung. Das Kino ist übrigens ein Gesprächsforum für nahezu jedes Thema, denn es gibt zu jedem Bereich passende Filme.

Wohin lockt es Sie in Hamburg außerhalb der Kinos?

Ich lebe in Winterhude. Da zieht es mich oft an die Alster für Spaziergänge, aber auch zum Kanufahren. Ich liebe den Elbradwanderweg in beide Richtungen, an die Nordsee und auch zur tschechischen Grenze. Aber ich habe auch einen Bezug zur Landschaft meiner Kindheit rund um Mölln, wo meine Mutter immer noch lebt.

 Haben Sie ein Lebensmotto, Lieblingszitat, Lieblingsschnack ?

Für mich ist zum Lebensmotto geworden, was einst der amerikanische Theologe, Philosoph und Politwissenschaftler Reinhold Niebuhr formuliert hat: „Gott, gib mit Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

 

 

 

Autorin: Herdis Pabst
Titelfoto: Matthias Elwardt © Heike Blenk
Foto: Zeisekinos © Daniel Dittus
Foto: Matthias Elwardt © Heike Blenk

30. Januar 2019 von Redaktion

Kategorien: Hamburg verwöhnt, Lebensfreude, Mein Hamburg

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