Dr. med. Mirriam Prieß

Die Kunst, ein authentisches Leben zu führen

Burnout ist weit verbreitet. Dr. med. Mirriam Prieß geht bei der Behandlung neue Wege. Sie will ein Bewusstsein für Gesundheit fördern.

„Werde der, der Du bist – erst dann kann Dein Leben gesund, erfolgreich und erfüllt sein“, sagt Dr. med. Mirriam Prieß. Sie ist Ärztin mit dem Behandlungsschwerpunkt Ängste, Depressionen und Burnout und seit 2005 erfolgreiche Unternehmensberaterin für Gesundheitsmanagement.

Dabei vertritt sie einen neuen Beratungsansatz, der sie von den meisten ihrer Kollegen unterscheidet, den der Salutogenese. Gesundheit wird dabei nicht als Zustand, sondern als Prozess verstanden. Geprägt wurde dieser Begriff von dem israelisch-amerikanischen Medizinsoziologen Aaron Antonovsky.

Salutogenese konzentriert sich besonders auf die psychosozialen Faktoren, die zur Entstehung und Erhaltung von Gesundheit führen. Schon hier findet sich für Dr. Prieß ein Ansatz: Es geht ihr nicht darum, Krankheit zu verhindern, sondern Bewusstsein für Gesundheit zu fördern.

Sie ist der festen Überzeugung: „Gesundheit liegt in jedem selbst und ist nicht im Außen zu finden. Jeder Mensch ist gesund, wenn er ein wesensgemäßes Leben lebt.“

Bedingungen für ein wesentliches und identisches Leben ermöglichen

Dr. Prieß’ Diagnose ist eindeutig: „Die Gesellschaft hat die Aufgabe, dieses Verständnis zu vermitteln und für Bedingungen zu sorgen, die ein wesentliches und identisches Leben ermöglichen. Solange das nicht geschieht, nehmen die psychosomatischen Krankheiten weiter zu. Nicht nur der einzelne erschöpft sich, sondern auch das Gesundheitssystem verbrennt sich immer mehr.“

Aus dieser Erkenntnis hat Dr. Prieß ihr eigenes Konzept entwickelt: das „Dialogprinzip“. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit diesem Menschen auf ihrem Weg zu einem authentischen Leben zu begleiten.

Wer wahrhaft gesund sein will, braucht die Fähigkeit des Dialogs: mit sich und seinem eigenen Wesen, zwischen sich und der Umwelt, zwischen Gefühl und Verstand – und mit dem Leben und seinen Bedingungen.

Um dieses Ziel zu erreichen, muss man in die Tiefe gehen. Deswegen betreibt Dr. Prieß auch keine Oberflächenberuhigung oder Symptombekämpfung, sondern begibt sich auf die Suche nach den Ursachen, um diese langfristig zu beheben.

Zu viele Menschen leben fern von sich selbst

Dies gelingt nur durch ihren wirtschaftlichen, psychotherapeutischen und ärztlichen Hintergrund und den damit möglichen Interventionsmöglichkeiten. „Wenn Menschen sich erschöpfen, dann erschöpfen sie sich über ein Leben, was nicht das ihre ist. Sie erkennen erst dann, wenn sie völlig ausgebrannt und leer sind, dass sie fern von sich selbst leben.“

Um dem entgegenzuwirken, gründet Dr. Prieß eine Stiftung, die junge Erwachsene dabei unterstützt, ihre wahre Identität zu finden und zu erkennen, was es bedeutet ein wesentliches Leben zu führen, bevor „das Kind in den Brunnen gefallen ist“.

Eigentlich wollte Dr. Prieß Grafikdesignerin werden. Doch nach einem Praktikum in der Inneren Medizin entschied sie sich für ein Medizinstudium. Während des Studiums arbeitete sie im Bereich der Inneren Medizin, in der Kinder und Jugendpsychiatrie und promovierte in der Verhaltenstherapie am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE).

Die wichtigste Reise, die ein Mensch antreten kann, ist die Reise zum eigenen Selbst. Dr. Prieß’ Publikationen „Finde zu Dir selbst zurück – Wirksame Wege aus dem Burnout“ und „Burnout kommt nicht nur von Stress – Warum wir wirklich ausbrennen und wie wir zu uns selbst zurückfinden“ zeigen neue Erklärungen und Lösungsansätze auf, und belegen, dass die bisher angenommenen Ursachen für Stress und Burnout nichts als Symptome sind.

Lebensbereiche dem eigenen Wesen gemäß leben werden

Das Fundament für ein gesundes und erfülltes Leben bilden nach Dr. Prieß’ Einschätzung sechs Lebensbereiche: Partnerschaft, Glaube, Soziale Kontakte, Individualität und Hobbys sowie Gesundheit und Beruf. Es gilt in jedem der sechs Lebensbereiche zu seiner wesentlichen Identität zu finden. Je mehr Lebensbereiche ausgebildet und dem eigenen Wesen gemäß gelebt werden, umso gesünder und zufriedener ist der Mensch.

Inzwischen ist Dr. Prieß hauptsächlich als Beraterin in Unternehmen tätig. Außerdem hält sie Vorträge in Deutschland und der Schweiz und ist als Lehrbeauftragte an der Hamburger Brand Academy (Hochschule für Design und Kommunikation) tätig.

Um die präventive Arbeit in Unternehmen zu unterstützen, berät sie diese speziell auch bei der Personalauswahl, indem sie Persönlichkeitsprofile von Bewerbern erstellt. Besonderes Augenmerk legt sie dabei auf höhere Führungsebenen.

Das Problem des Burnout in Unternehmen nach Dr. Prieß’ Ansicht nach dabei häufig bei den Führungskräften selbst, die aufgrund der eigenen fehlenden Identität und fehlender Dialogfähigkeit nicht nur sich selbst, sondern auch ihr Team erschöpfen!

„Burnout ist der gesunde Selbstregulationsversuch eines Menschen“

Es scheint für Entscheider „zum guten Ton“ zu gehören, eigene Grenzen regelmäßig zu überschreiten, da sie diese als Schwäche verstehen. Die Betroffenen leben nach dem Prinzip des Superlativs, anstatt nach der eigenen wahren Identität.

„So lange das Leben im Superlativ, anstatt in sich selbst gesucht wird, so lange wird die Erschöpfungsrate weiter steigen“ so Dr. Prieß, und betont: „Burnout ist kein Ausdruck von Schwäche. Es ist der gesunde Selbstregulationsversuch eines Menschen, der ein Leben lebt, das seinem Wesen nicht entspricht.“

Aus Managementfehlern durch Grenzüberschreitung entstehen häufig Probleme, unter denen die Mitarbeiter langfristig leiden. Diese zu erkennen, aufzuzeigen und zu lösen, ist eine von Dr. Prieß Aufgaben. Sie tritt als Konfliktmoderatorin oder Supervisorin auf und löst auf Grundlage des Dialogprinzips die vorhandenen Problematiken wertorientiert und konstruktiv.

„Schaffen es Unternehmen, ihre gesundheitsschädlichen Strukturen zu erkennen und zu verändern, profitieren alle davon“, so Dr. Prieß, „das spiegelt sich natürlich auch in einer positiven Bilanz wider.“

12. September 2014 von Redaktion

Kategorien: Hamburg heilt, Lebensfreude

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