Mein Hamburg: Frank Engelbrecht

Was lieben die Hamburger an ihrer Stadt – und was nicht? Was bewegt ihr Leben oder was wollen sie bewegen? Menschen erzählen über ihre Leidenschaften, Lieblingsorte und ihr Leben in unserer Metropole.

Frank Engelbrecht, in Hamburg geboren und aufgewachsen, ist seit 2003 auch beruflich in der Stadt am Wasser angekommen. Als Pastor an der Hauptkirche St. Katharinen wirkt er am Aufbau der Gemeinde in der Innenstadt und der HafenCity mit. Besonders engagiert er sich für eine zukunftsfähige Entwicklung von öffentlichen Räumen im Zentrum von Hamburg.

Herr Engelbrecht, warum haben Sie sich dafür entschieden, in Hamburg zu leben und zu arbeiten?

Ich bin nach Hamburg zurückgekehrt, weil damals die Stelle in St. Katharinen frei wurde. Die war noch verbunden mit der Flussschifferkirche, also der schwimmenden Kirche hier in Hamburg. Als ich das sah, hat meine Frau gesagt: Wenn so ein Angebot kommt, musst du das versuchen! Das habe ich dann versucht und bin hier gelandet.

Warum fühlen Sie sich in Hamburg wohl?

Was ich hier fantastisch finde ist, dass ich mittendrin bin in einem Prozess, in dem Hamburg sich neu erfindet und gleichzeitig an einem der ältesten Orte Hamburgs. Sozusagen an dem Ort, der am dünnsten ist, was seine geschichtliche Schicht betrifft, nämlich der HafenCity, und gleichzeitig in St. Katharinen mit dem ältesten stehenden Mauerwerk in Hamburg. Diese Dialektik zwischen dem ganz Neuen und dem ganz Alten steht nicht nur nebeneinander, sondern erzeugt einen ganz großen Kraftwirbel. Das ist etwas, was mich wirklich fasziniert.

Was ist für Sie „typisch“ Hamburg?

Das Stadtbild, das geprägt ist durch die fünf Hauptkirchen. Aber auch eine unglaubliche Dynamik in der Zerrissenheit dieser Stadt, weil man ihr einfach noch den Schmerz des Krieges an vielen Stellen anmerkt. Also, Hamburg ist ja die Alster, die Elbe, die schönen Vororte, aber je mehr man reinguckt, merkt man auch, wo es eckt und klemmt. Das ist  andererseits auch irgendwie schön. Da entsteht eine Dynamik, finde ich 

Was war Ihr schönster „Hamburg-Moment“?

 Ein richtig schöner Moment war mein 50. Geburtstag. Da sind wir morgens früh aufgestanden, plötzlich stand vor meiner Haustür ein Teil unseres Kinderchores mit Eltern, Ehrenamtlichen und Kollegen und hat mir ein Lied gesungen. Dann sind wir in die Stadt gegangen, in den Lohsepark. Dort wurde mir offiziell von der HafenCity Hamburg GmbH und der Gemeinde ein Baum vermacht. Also im südlichen Lohsepark gibt es einen Apfelbaum, der mir gewidmet ist. Das hat mich extrem gerührt, weil ich das als eine unglaublich starke Wertschätzung für mich als Person, als Pastor und als Vor-Ort-Engagierter empfand.

Sie wirken bei Ihrer Arbeit am Gemeindeaufbau in der HafenCity mit. Was sollte sich Ihrer Meinung nach in diesem Teil Hamburgs ändern?

Wir haben wunderbare öffentliche Flächen: die Alsterwiesen, die Elbstrände, den Entenwerder Park und das Projekt dort unten mit dem Café Entenwerder 1.  Aber ich finde, Hamburg hat weiterhin ganz stark aufzuholen bei der Gestaltung des Lebens im öffentlichen Raum. Das erfordert meiner Ansicht nach ein Umdenken in der Verkehrspolitik. Ich finde, wir müssen uns in Hamburg dringend dafür entscheiden, das Gerüst, an dem wir unsere Stadtgesellschaft und unsere öffentlichen Räume festmachen, nicht mehr an dem Paradigma „Auto“ aufzuhängen, sondern an dem Paradigma „Fahrradfahrer und Fußgänger“.

Wenn es mal Momente gibt, in denen Sie Zeit für sich haben, wo entspannen Sie dann am liebsten in Hamburg?

Da sage ich sofort: beim Café Entenwerder 1 auf diesem Ponton! Ich fahre auch gerne den Fahrradweg dahin, an der Elbe längs. Ich bin auch ansonsten gerne an der Elbe oder gehe mal auf eine HADAG-Fähre. Blankenese hat das Treppenviertel, das ist wunderbar!  Wenn man durch Blankenese fährt, da ist die Stadt runter zum Elbstrand gebaut – und das ist ganz malerisch.

Verraten Sie uns noch Ihren Lieblingsschnack?

„Nicht schnacken, machen!“

 

 

Interview: Julia Barthel

Titelfoto von Christoph Siegert: Pastor Frank Engelbrecht auf der Turmspitze der Hauptkirche St. Katharinen

13. September 2016 von Redaktion

Kategorien: Hamburg bewegt, Mein Hamburg, Tatkraft

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