Mein Hamburg: Axel Strehlitz

Was lieben die Hamburger an ihrer Stadt – und was nicht? Was bewegt ihr Leben oder was wollen sie bewegen? Menschen erzählen über ihre Leidenschaften, Lieblingsorte und ihr Leben in unserer Metropole. Wir fragen Axel Strehlitz, Betreiber vom Klubhaus St. Pauli

Schon während seines Jurastudiums schlug Axel Strehlitzs Herz fürs Entertainment. Am Tresen im Schmidt Theater gab er seinen Einstand, arbeitete dann aber erst einmal hauptberuflich als Redakteur für Spiegel TV. Doch die Entertainmentbranche hat ihn nicht losgelassen. Zusammen mit Corny Littmann und vier weiteren Mitstreitern entwickelte er das Konzept für das 17 Millionen Euro teure Klubhaus St. Pauli, mit seiner Medienwand schon von außen eine Attraktion am Spielbudenplatz.

Was hat Sie einst aus Hannover nach Hamburg gelockt? Was macht für Sie die Stadt aus?

Meine Mutter erzählt, dass ich schon im Alter von vier Jahren gesagt hätte, dass ich nach Hamburg wolle. Wir sind oft hier hergefahren, zum Einkaufsbummel, zum Fischmarkt. Städte am Wasser und mit einem Hafen haben vielleicht eine spezielle Offenheit. Ich bin froh, in einer Stadt zu leben, die es mir erlaubt, so vieles auszuleben und zu verwirklichen. Ich bin ein richtiger Lokalpatriot geworden.

Sie haben erst vor kurzer Zeit Ihr neuestes Baby Panik City aus der Taufe gehoben?

Ja, seit zehn Jahren ist ein Museum für Udo Lindenberg im Gespräch, mal sollte es nach Berlin, dann in die Speicherstadt. Dabei ist er mit seiner Reeperbahnhymne hier am besten aufgehoben. Vor fünf Jahren haben wir zusammengesessen und überlegt, wie man es umsetzen könnte. Aber die Vorstellungen lagen sehr weit auseinander. Vor zwei Jahren wurde es dann aber doch konkret, als Corny Littmann vorschlug, noch mal über ein Museum für Udo zu reden. Dabei hatten wir gerade das Klubhaus St. Pauli eröffnet und eigentlich genug um die Ohren. Aber schließlich ist es eine Auszeichnung, wenn man gefragt wird, für Udo Lindenberg ein Museum zu konzipieren.

 

Wie kam es zum Konzept der Ausstellung?

Ich wollte auf gar keinen Fall, dass dort alte Lederjacken und Goldene Schallplatten neben einer alten Gitarre hängen. Ich war eigentlich kein Fan seiner Musik, aber umso mehr seiner Persönlichkeit. Udo Lindenberg ist spektakulär, verrückt, durchgeknallt und hat auch noch inhaltlich etwas zu sagen. Also sollte auch das Museum einen Knall haben und etwas verrückt sein. Vor allem sollte es aber der Zeit voraus sein, wie es Udo auch immer ist. So kam mir der Gedanke, ein Museum mit Multimedia und Virtual Reality zu gestalten. Udo hatte es sofort in seinem Kopf visualisiert und sagte, „das sei ja eine geile Idee, da könne sich jeder mal wie ein kleiner Udo fühlen.“ Diesen Gedanken haben wir tatsächlich umgesetzt. Mit VR-Brille kann jeder mit Udo auf der Bühne stehen, umgeben von 20.000 Menschen.

 

Wie war die Zusammenarbeit mit Udo Lindenberg?

Wenn man ihn so reden hört, denkt man ja leicht, er hätte eine Schraube locker. Doch ganz im Gegenteil ist er sehr detailversessen. Sogar bis zwei Tage vor der Eröffnung kamen nachts noch SMS-Nachrichten und Mails mit Vorschlägen. Einmal hat er nachts ein neues Bild gemalt, das wir bei einer bestimmten Stelle im Video einsetzen sollten. So etwas war Fluch und Segen zugleich. Es war zwar anstrengend, aber seine Ideen, Vorstellungen und Fantasien waren oft richtig gut. Damit hat Udo Lindenberg uns enorm angetrieben.

Panik City ist ja im Klubhaus St. Pauli, ein Ort mit einem großen Entertainmentangebot. Wie ist die Idee zu dem Multifunktionshaus entstanden?

In dem alten Haus wollte Corny Littmann eigentlich eine Vorverkaufskasse für seine Theater einrichten. Als das nicht so recht in Gang kam, aber Monat für Monat die Miete fällig war, richteten wir den Sommersalon dort ein, einen Klub für nur eine Saison. Doch der lief so gut, dass wir ihn nicht aufgelöst haben. Dann wollte die Stadt diesen Ort neu entwickeln, suchte dafür einen Betreiber und machte eine Ausschreibung. Nun waren wir keine Bauherren, sondern hatten uns dem Entertainment verschrieben. Doch wir befürchteten, dass dort ein Supermarkt hinkommt oder ein Hotel, das mit dem Lärm auf dem Spielbudenplatz in Konflikt gerät. Deshalb haben wir ein Konzept entwickelt und uns an der Ausschreibung beteiligt – mit dem Klubhaus, einem Haus mit ganz vielen unterschiedlichen Entertainmentangeboten.

 

Was kann man dort alles erleben?

Natürlich den Sommersalon, ein Theater, Livebühnen, die Kleinkunstbühne Kukuun, eine Lasertag Arena, das Skurrilum, ein Erlebnisraum für eine Schnitzeljagd, im fünften Obergeschoss die Rooftop-Bar Gaga, die Alte Liebe, den Bahnhof Pauli und nun auch die Udo Lindenberg Multimedia Erlebniswelt Panik City. Wir betreiben nicht alles selbst, aber wir haben den Raum dafür geschaffen. Wer von der einen Veranstaltung kommt, schaut oft bei einer anderen Location vorbei. In ihrer Unterschiedlichkeit passen sie alle gut zusammen, das macht die Reeperbahn aus. Es ist bunt. So bunt, wie auch das Schaffen von Udo Lindenberg.

Wie sind Sie eigentlich zum Entertainment- Unternehmer geworden?

Während  ich studierte, habe ich mein BAföG als Kellner im Schmidt Theater aufgebessert. Da ist Corny Littmann auf mich aufmerksam geworden. Als er dann, etwa vor 27 Jahren,  in der Talstraße die WunderBar eröffnete und die nicht so richtig lief, fragte er mich, ob ich mir vorstellen könnte, auch in der WunderBar zu arbeiten. Das konnte ich mir gar nicht vorstellen, das war einfach nicht meine Welt. Ich mochte die Atmosphäre im Tivoli, wenn abends die Künstler von der Bühne vorbeikamen. Trotzdem habe ich Corny Littmann den Gefallen getan.

Ist Corny Littmann eine Art Mentor für Sie?

Ja genau, das kann man schon sagen. Denn als die Schauspieler und Schauspielerinnen mich im Tivoli vermissten, fand eine kleine Wanderung statt. Sie sind in die WunderBar gekommen. Weil das dem Laden so gut tat, hat mich Corny an dem Unternehmen beteiligt. Das war der Anfang, mit dem Sommersalon ging es dann weiter. Und nun gibt es hier das Klubhaus St. Pauli. Es gab keinen Masterplan, eines kam zum anderen. Man hat eine Idee im Kopf und man beginnt, mal darüber nachzudenken.

An einem ganz anderen Ort, in St. Georg, haben Sie ein Restaurant. Was hat Sie daran interessiert?

Das Dorf  in der Langen Reihe ist eher ein privates Projekt, das ich mit meinem damaligen Lebensgefährten entwickelt habe. Man könnte auch sagen:  Weil ich nicht kochen kann, brauche ich ein Restaurant. Wir haben uns damit einen Traum erfüllt mit Damasttischdecken, Besteck vom Trödel, einem tollen Küchenchef, der deutsche Küche zubereitet, wie ich sie selbst gerne esse.

Wie sollte sich St. Pauli weiterentwickeln?

Es gibt so einen St. Pauli Code, der lautet: Du kannst hier so sein, wie du bist. Viele blicken mit Nostalgie auf die Reeperbahn. Aber die hat sich schon immer wieder neu erfunden und gewandelt. Das liegt in ihrer DNA. Ich bin da sehr optimistisch, denn inzwischen ist die Reeperbahn auch am Tage gut besucht. Es ist ein kleiner Broadway entstanden, vom St. Pauli Theater bis zum Operettenhaus. Vor zwölf Jahren war der Spielbudenplatz noch eine Sandwüste.

Wohin zieht es Sie privat in Hamburg?

Ich laufe gerne um die Alster. Mit jeder Runde verändert sich die Strecke, je nach Uhrzeit und Jahreszeit. Auch von der Hafencity, die sich so schnell verändert, bin ich fasziniert. Ich mache jedes Jahr eine Hafenrundfahrt und eine Stadtrundfahrt. Ich finde dieses klassische Touristenprogramm einfach toll. Besonders der Hafen – in einem Boot zu sitzen, macht mich sofort fröhlich.

Haben Sie ein Lebensmotto, Lieblingszitat, Lieblingsschnack?

Ich sage mir jeden Tag, dass mein Glück eine Frage meiner eigenen Haltung ist, dass es meine eigene Entscheidung ist, es mir gut gehen zu lassen und sei der Tag auch noch so arbeitsintensiv.

 

 

Autorin: Herdis Pabst
Titelfoto: Axel Strehlitz © Panik City
Foto: Panik City © Tine Acke

22. August 2018 von Redaktion

Kategorien: Hamburg inszeniert, Kulturgenuss, Mein Hamburg

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