Mein Hamburg: Alexander Porschke

Was lieben die Hamburger an ihrer Stadt – und was nicht? Was bewegt ihr Leben oder was wollen sie bewegen? Menschen erzählen über ihre Leidenschaften, Lieblingsorte und ihr Leben in unserer Metropole. Wir fragen Alexander Porschke, 1. Vorsitzender des NABU Hamburg.

Mit dem Engagement gegen Atomkraft in den siebziger Jahren begann Alexander Porschkes Einsatz für den Naturschutz. 1997 bis 2001 war er Umweltsenator in Hamburg. Zurzeit widmet er sich hauptsächlich seiner Vorstandstätigkeit im NABU und ist in mehreren Stiftungsräten und Beiräten aktiv. Wichtige Umweltziele in persönlichem, politischen oder wirtschaftlichem Handeln zu realisieren, treibt ihn um.

Was macht Hamburg für Sie aus?

Hamburg ist meine Heimatstadt, sie ist eine grüne Stadt und sie hat für mich eine sehr hohe Lebensqualität. Das Nebeneinander und Gegeneinander von Arbeit und Leben, Internationalität und Provinzialität, Planwirtschaft im Hafen und Wettbewerbspathos der Handelskammer regt mich immer noch an, aber zum Glück nicht mehr auf.

Was hat Ihr Interesse am Thema Naturschutz geweckt?

Ich war schon sehr früh gegen Atomkraft aktiv, habe unter anderem Ende der 70er für den Erhalt von Bäumen am Flughafen gekämpft und im Januar 1980 DIE GRÜNEN mit gegründet. Das Engagement für Natur- und Umweltschutz haben mich von da an stets begleitet. Das Phänomen, dass die meisten Menschen einerseits für Natur- und Umweltschutz sind, wir uns aber andererseits häufig schwer damit tun, Umweltbelastungen als unerwünschte Nebenwirkungen auch des eigenen Handelns zu verstehen, fasziniert mich und fordert mich bis heute heraus.

Welche Herausforderungen muss der NABU in Hamburg bewältigen?

Der NABU ist in Hamburg mit einer Vielzahl von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Aktiven in unterschiedlichen Bereichen tätig. Zum praktischen Naturschutz gehören zum Beispiel die Pflege von Biotopen in Naturschutzgebieten oder auch das Aufstellen von Storchenhorsten. Darüber hinaus engagiert sich der Verband auf politischer Ebene, damit die Natur im Zuge der Stadtentwicklung nicht zu kurz kommt. Nicht zuletzt spielt auch der Bereich Umweltbildung und Naturerlebnis für Groß und Klein eine wesentliche Rolle beim NABU – denn nur was man kennt, das schützt man auch!

Naturschutz in der Stadt, ist das eine besondere Herausforderung?

Die StadtNatur ist heute mitunter viel artenreicher als das landwirtschaftlich intensiv genutzte Umland. Wildblumenwiesen am Straßenrand, begrünte Dächer, Nisthilfen am Haus sowie naturnahe Gärten und Balkone – schon mit einfachen Mitteln können wir alle dafür sorgen, dass sich Tiere und Pflanzen auch in der Stadt wohl fühlen. Als NABU geben wir dafür Tipps und laden bei zahlreichen Aktionstagen zum Mitmachen ein. Gleichzeitig versuchen wir, den Fokus auf städtische Themen wie Luftreinhaltung, Grünverlust durch Baumaßnahmen oder den mangelhaften Zustand unserer Gewässer zu richten – hier herrscht nach wie vor dringender Handlungsbedarf.

Sie bieten viele Aktionen und Veranstaltungen an. Welche Konzepte gibt es, die Hamburger für Naturschutz zu begeistern?

Eine der Stärken des NABU ist die persönliche Ebene, auf der vieles stattfindet. Sich gemeinsam mit Gleichgesinnten für die gute Sache einzusetzen, bringt Freude und motiviert auch langfristig, dicke Bretter zu bohren. Ansonsten sind wir stolz darauf, mit Hilfe vieler Ehrenamtlicher im Jahr mehr als 500 Führungen, Aktionen und Vorträge auf die Beine stellen zu können. Da ist für jeden etwas dabei. Und wer einmal die Hirschbrunft im Duvenstedter Brook oder Fledermäuse über den Kanälen erlebt hat, kommt im nächsten Jahr meistens wieder. Das Begeistern übernimmt die Natur dann schon selbst.

Sie waren Umweltsenator in Hamburg. Wie bekommt man die verschiedenen Ansprüche einer Gesellschaft unter einen Hut?

Eine der wichtigsten Lehren für mich war, dass alles seinen Preis hat. Hinter der Schaffung von Arbeitsplätzen, Wohnungsbau, Automobilität, dem Streben nach Wirtschaftswachstum, aber auch persönlichen Freizeitinteressen wie Urlaubsreisen, stehen für sich genommen jeweils legitime und nachvollziehbare Interessen. Leider müssen allzu oft Umwelt und Natur einen Preis dafür zahlen und die Zukunft unseres Planeten und die Lebensbedingungen unserer Nachkommen sind ernsthaft gefährdet. Das Wissen darüber ist verfügbar und es ist auch weit verbreitet. Offenbar reicht das aber nicht, um im Sinne des Erhalts der Naturressourcen umzusteuern. Trotzdem kommt es heute mehr denn je darauf an, eine Balance zu finden, die ein gutes Leben erlaubt, ohne Natur und Umwelt zu zerstören. Dafür brauchen wir eine hohe gesellschaftliche Konfliktkompetenz, denn konfliktfrei wird das nicht gehen.

Sie haben im Südamerika gearbeitet, mit welchen Erfahrungen kommt man da nach Deutschland zurück?

Wir haben in Lima gelebt, wo die Stadt im Autoverkehr und an schädlichen Abgasen zu ersticken droht. In Peru werden außerdem die tropischen Gletscher der Anden wegen des Klimawandels in absehbarer Zeit abgeschmolzen sein. Letzteres haben nicht die Peruaner verursacht. Es wird aber dramatische Auswirkungen auf ihr Leben haben. Diese direkten Auswirkungen unseres Lebens in den sog. entwickelten Ländern auf die Länder der südlichen Hemisphäre haben mich stark beeindruckt. Gleichzeitig erscheinen mir viele der Tagesprobleme in Europa manchmal als Luxusprobleme.

Was wünschen Sie sich für Hamburgs Zukunft?

Hamburg ist eine grüne Stadt und das sollte auch so bleiben. Deshalb muss Schluss damit sein, dass Hamburgs Grün schrittweise zweifelhaften Wachstumsinteressen geopfert wird. Und dann sollten wir einen guten Zustand für Tiere, Pflanzen und Lebensräume erreichen. Mensch und Natur gut miteinander leben zu lassen, dafür lohnt sich der Einsatz wirklich.

Wo zieht es Sie hin in Hamburg?

Ich liebe Hamburgs Gewässer, paddle gerne auf der Alster oder durch ihre Kanäle, spaziere gerne an der Elbe entlang und fahre gerne mit dem Fahrrad durch die Stadt. Gerade habe ich eine Fahrradtour auf der Veloroute 14 einmal rund durch die Stadt gemacht, was ich sehr empfehlen kann.

Haben Sie ein Lebensmotto, ein Lieblingszitat oder Lieblingsschnack?

Das Franz von Assisi zugeschriebene Zitat „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ hat mich seit jeher sehr angesprochen. Zu denken gegeben hat mir gerade ein aktuelles Zitat vom ehemaligen Bundespräsident Horst Köhler: „Ausgerechnet jetzt, wo deutlich wird, dass unsere Probleme erstens komplex und zweitens global sind, scheinen jene Kräfte Oberhand zu gewinnen, deren Antworten erstens simpel und zweitens national sind.“

 

Autorin: Herdis Pabst

Titelfoto: Alexander Porschke © Heike Günther
Foto: StadtNatur-Aktionstag im Stadtpark © NABU / Thomas Dröse
Foto: NABU- Veranstaltung © NABU / Guido Rottmann
Foto: Protest-Aktion Traumschiff © NABU / Thomas Dröse

27. September 2017 von Redaktion

Kategorien: Hamburg schützt, Mein Hamburg, Tatkraft

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