Drei Minuten Jonathan: verrückt verpackte Welt

Neulich habe ich einen Gutschein bekommen. Ein nett gemeintes Geschenk. Doch damit begann das Chaos der nächsten Tage. Denn es war nicht irgendein Gutschein. Das wurde mir aber leider erst klar, als ich ihn einlösen wollte.

Ab in die Tonne und suchen

Mein netter Buchhändler sprach an der Kasse den folgenschweren Satz: „Sie müssen den Gutschein erst online für unser Geschäft freischalten.“ Na gut, das kann nicht schwer sein, dachte ich und sagte: „Bin gleich zurück.“ Weit gefehlt. Es sollte knapp zwei Wochen dauern, bis ich mein Buch endlich kaufen konnte.

Aber der Reihe nach: Zuhause ging ich auf die Website www.wunschgutschein.de und folgte den Anweisungen. Um den notwendigen Code einzugeben, drehte ich den Gutschein in der Erwartung um, die Buchstaben-Zahlen-Kombination auf der Rückseite zu finden. Fehlanzeige. Dort stand nur: „Siehe Rückseite Grußkarte.“ Welche Grußkarte? Dann dämmerte es mir. Das musste das Ding sein, in dem der Gutschein eingeklebt war. Natürlich hatte ich die sofort ordnungsgemäß im Altpapier entsorgt. Wer kann denn ahnen, dass ausgerechnet die besonders wichtig ist?

Also ab in die Tonne und suchen. Doch auch nach einer halben Stunde intensiver Müllarbeit bleibt die Grußkarte verschollen. Dafür habe ich einen alten Lottoschein gefunden. Wie sich herausstellt,  habe ich mit dem leider auch kein Glück.

Zwei Dutzend Aktivierungsbons

Bleibt der Weg über den Kundendienst. Der teilt mir freundlich mit, mein Verlust sei kein Problem, wenn ich den Aktivierungscode noch hätte. Mit dem werde beim Kauf der Gutschein „scharf geschaltet“. Da der Gutschein ein Geschenk war, habe ich ihn natürlich weder gekauft, noch aktiviert.

Aber jetzt will ich es wissen. Wenn man soweit gekommen ist, gibt man nicht einfach auf. Ich frage nach. Es stellt sich heraus, es gibt den Aktivierungscode. Und nicht nur einen, sondern mindestens zwei Dutzend. Schließlich bekommen auch andere Geschenke. Glück im Unglück: Mein Gutschein ist der einzige, der bisher verschenkt wurde. Ich kann die Nummer der anderen mit den Aktivierungscodes vergleichen. Nach einer halben Stunde finde ich tatsächlich „meinen“ Bon. Was für ein Glücksgefühl!

Ich teile dem freundlichen Kundendienst die Nummer mit. Der fordert mich auf, den Aktivierungsbon zu fotografieren und das Bild zu senden. Wieder ein paar Minuten Arbeit. Was soll’s. Jedenfalls bekomme ich nun zügig den nötigen Code.

Auf der Website fülle ich ein Formular aus, gebe den Code ein, wähle das Geschäft, in dem ich den Gutschein einlösen möchte, bekomme eine Mail und drucke den finalen Gutschein aus, mit dem ich mein Buch kaufen kann. In der Buchhandlung bin ich angespannt. Aber es funktioniert tatsächlich. Ich bekomme mein Buch und beginne gleich mit dem Lesen. Als Belohnung.

Den Nippel durch die Lasche ziehen

Mich erinnert die Kompliziertheit an ein altes Lied von Mike Krüger mit dem schönen Titel: „Der Nippel“. Das beschrieb schon im Jahr 1980 unsere verrückt verpackte Welt. Viel Spaß beim Wiedererkennen!

 

Warum drei Minuten, Jonathan?

Übersicht aller Themen dieser Kolumne.

Und hier geht es zu dem aktuellen Buch des Hamburger Schriftstellers David Jonathan.

 

 

 

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Foto/Grafik: © David Jonathan/photolab

30. Juni 2021 von Redaktion

Kategorien: Hamburg liest, Kulturgenuss

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