Pilgerpastor

Bernd Lohse: Pilgerpastor und Krimiautor

Bernd Lohse ist Pilgerpastor an der Hauptkirche Sankt Jacobi in Hamburg. Eine seiner Reisen hat ihn inspiriert, einen Krimi zu schreiben.

Es ist seine Geschichte. Erfunden freilich, diese Wanderung dreier Gefängnisinsassen in Begleitung eines Pastors auf einem Pilgerweg in Norwegen. Eine Resozialisierungsmaßnahme soll es sein. Eine, die nicht alle Menschen gutheißen und daher verhindern wollen, dass die Gruppe ihr Ziel erreicht. „Familienbande“ lautet der Titel des Buches, pardon: Krimis, geschrieben von Pilgerpastor Bernd Lohse. „Es finden sich Schicksale wieder“, sagt er, „von denen ich weiß.“

Die Hauptkirche Sankt Jacobi in der Hamburger City, draußen weht ein frischer Wind, hin und wieder regnet es. Drinnen, in der Pilgerkapelle, geschützt von den dicken Mauern des Turmfußes, ist davon nichts zu hören. Hier unten treffen sich Menschen, die pilgern wollen oder bereits unterwegs sind auf der Via Baltica. Die den Jakobsweg in Spanien gehen wollen oder einen der vielen anderen Wege in Europa. Zum Beispiel den Olavsweg von Hamar noch Trondheim in Norwegen. So, wie es Bernd Lohse getan hat.

„Das Thema Pilgern hat mich gefunden“

Seine Pilgergeschichte beginnt allerdings während einer Reise ins Kloster Taizé in Burgund. „Wir haben dort eine Gruppe aus Norwegen getroffen. Die haben uns begeistert von dem Olavsweg erzählt“, erinnert sich Bernd Lohse, damals noch Pastor in der evangelisch-lutherischen Gemeinde Poppenbüttel. Kurz darauf sei er mit einem Freund aufgebrochen, „um einen Teil des Weges zu recherchieren“, und sagt über diese Zeit: „Das Thema Pilgern hat mich gefunden.“

Als der Entertainer Hape Kerkeling 2006 ein Buch über seine Wanderung auf dem Jakobsweg veröffentlicht, gibt das auch dem Wirken von Bernd Lohse eine neue Richtung. Die damalige Hauptpastorin Kirsten Fehrs habe zu ihm gesagt: „Stellen Sie sich vor: Die Menschen pilgern, und die Kirche merkt es nicht. Das darf doch nicht sein.“

2008 wird der Familienvater schließlich Pilgerpastor an Sankt Jacobi. „Die ersten drei Jahre war es nur eine halbe Stelle, finanziert von Spenden des Vereins Andere Zeiten e.V.“, erzählt Bernd Lohse: „Ich sollte Konzeption entwickeln und hatte die Chance, etwas aufzubauen.“

Olavsweg
Olavsweg: Pilgern in Norwegens eindrucksvoller Landschaft

Pilgern, das definiert er als „geistliches Unterwegssein, als ein Beten mit den Füßen“. Es gehe auch um den inneren Weg, die Selbstwahrnehmung, das Erreichen der eigenen Leistungsgrenze. „Natürlich spielt die Landschaft eine Rolle, wenn man sieht, wie weit diese ist und wie klein der Mensch. Die Natur wird zum Gleichnis unserer eigenen, ganz persönlichen Innenwelt. Das berührt die Pilgernden so tief“, sagt Bernd Lohse und ergänzt: „Wir bezeichnen Landschaft übrigens als die Schöpfung Gottes.“

Im Juli wird der ehemalige Redakteur der Bergedorfer Zeitungwieder nach Norwegen aufbrechen und eine Gruppe auf dem Olavsweg führen, über den im Februar dieses Jahres bereits die dritte Auflage eines von ihm verfassten Reiseführers veröffentlicht worden ist. „Ich bin dann 24 Stunden im Dienst. Aber es ist ein schöner Dienst. Ich höre viele Lebens- und Glaubensgeschichten, das macht mich dankbar und demütig.“

Wie die Geschichte der drei Gefängnisinsassen und des Pastors in seinem Buch endet, das allerdings will Bernd Lohse nicht verraten. Nur so viel, dass aus einem Teil der Resozialisierungs-Fiktion in seinem Buch Wirklichkeit geworden sei. „Es ist mittlerweile eine in Norwegen übliche Form.“

Autor: Markus Tischler
Bildbeschreibung Titelfoto: Pilgerpastor Bernd Lohse: „Höre viele Lebens- und Glaubensgeschichten.“

14. April 2015 von Redaktion

Kategorien: Hamburg reist, Lebensfreude

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