Auf die Dächer – Fertig – Grün!

Mensch, Natur, Stadt – das muss kein Widerspruch sein. Bauherrinnen und Bauherren, die ein grünes Dach planen, können sich jetzt über finanzielle Förderung und fachkundige Beratung freuen. Was Hamburgs Gründach- und Fassadenbegrünung für Wohn– und Gewerbegebäude zu bieten hat und wie Sie in den Genuss der Förderung kommen, erklärt Dr. Hanna Bornholdt von der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA Hamburg).

Frau Dr. Bornholdt, Hamburg fördert den Bau von Gründächern – warum werden diese immer wichtiger für die Stadt?

Hamburg ist eine wachsende Stadt, mit großem Bedarf an neuen Freiräumen. Auf den Dächern haben wir noch eine Dimension zur Verfügung. Man kann sie als Aufenthalts- und Bewegungsräume nutzen, um Menschen zu treffen oder sogar einen Schulhof dort einrichten. Wir müssen uns aber auch an den Klimawandel anpassen. Dachbegrünung ist eine tolle Möglichkeit, ein Gebäude herunter zu kühlen und ein angenehmes Mikroklima zu schaffen. Im Sommer sorgen grüne Dächer dafür, dass es in der ganzen Stadt weniger heiß wird. Ein wichtiger Faktor für die Lebensqualität, denn in Zukunft müssen wir uns auf deutlich mehr Hitzetage einstellen. Grüne Dächer fördern auch die Artenvielfalt in der Stadt. Sie bieten Lebensraum für viele Käferarten, Spinnen, Hummeln und Bienen und ein wichtiges Nahrungsangebot für Vögel.

 

Gründächer sind schön und machen Spaß, aber was haben die EigentümerInnen und NutzerInnen davon?

Gerade im Logistikbereich bei größeren Hallen haben wir die Erfahrung gemacht, dass ein Gründach wie eine Wärmedämmung wirkt. An heißen Tagen sind die Temperaturen im Gebäude wesentlich angenehmer für die Mitarbeitenden. Im Winter wirkt die Vegetation auf dem Dach ein bisschen wie eine Heizung. Der Vorteil für die UnternehmerInnen ist, dass sie im Sommer und Winter die Energiekosten senken können. Man kann ein Gründach auch hervorragend mit Solaranlagen kombinieren. Ein normales Dach kann im Sommer bis zu 80 C° heiß werden. Die optimale Betriebstemperatur von Photovoltaik-Anlagen hört aber bei 27 C° auf. Wenn die Anlage auf einem Gründach steht, wird sie durch die Verdunstung der Pflanzen gekühlt und kann wieder effektiv arbeiten. Damit ist eine höhere Energieausbeute bis zu 6 % pro Jahr möglich. Das ist nicht wenig.

Umwelt-Partner werden lohnt sich

Als ökonomischer Anreiz und um möglichst breite Investorenkreise Hamburgs für eine Zertifizierung der Gebäudebegrünung zu interessieren und zu gewinnen, werden Dach- und Fassadenbegrünung zudem als freiwillige Umweltleistung im Rahmen der Hamburger UmweltPartnerschaft anerkannt. Insgesamt 1.300 Unternehmen sind UmweltPartner und dürfen das Logo der UmweltPartnerschaft Hamburg in ihrer allgemeinen, nicht produktbezogenen Werbung verwenden. Sie haben damit die Möglichkeit, gegenüber Kunden, Lieferanten und der Öffentlichkeit ihr besonderes Umweltengagement zu dokumentieren. Seit 2020 auch mit einer Fassadenbegrünung.

 

Was können EigentümerInnen, UnternehmerInnen und MieterInnen tun, um ihr Gründach-Projekt fördern zu lassen?

Normalerweise wird bei neuen Wohn- und Bürogebäuden mindestens ein extensives Gründach mit zwölf Zentimetern Substrat gebaut. Gefördert wird so ein Projekt ab einer Fläche von 20 m² und bis zu einer Dachneigung von 30 Grad, solange es freiwillig und nicht auf Grund städtischer Verpflichtungen gebaut wird. Dann erhält man einen Zuschuss von 22 Euro pro m², den man nicht zurückzahlen muss. Bei Gewerbegebäuden oder Carports und Garagen benötigt es sogar nur acht Zentimeter Substrat. Der Clou ist: Wenn das Gründach im Innenstadt-Bereich liegt, legt die Stadt bei der Förderung noch einmal 15 % drauf, denn mit Blick auf die Zukunft ist uns eine grüne Innenstadt besonders wichtig. Auch die Kombination mit Solarthermie oder Photovoltaik wird durch eine Extra-Förderung belohnt! Wer ein Gründach plant, kann auf der Webseite der Hamburgischen Investitions- und Förderbank die Formulare herunterladen und sich persönlich beraten lassen.

Darüber hinaus haben wir einen digitalen Fördermittelrechner, mit dem man online die möglichen Fördersummen für Grüne Dächer und Wände ausrechnen kann.

 

Wie baut man eigentlich ein Gründach und welche Pflanzen wachsen dort?

Ein Gründach wird nach dem Schichtprinzip gebaut. Die Grundlage ist eine wurzelfeste Dachabdichtung. Darüber liegen eine Drainageschicht und ein leichtes Substrat aus natürlichen Stoffen wie Lava und Bimsstein, in dem die Pflanzen wachsen. Auf dem Dach sind sie aber durch Sonne, Wind und Trockenheit extremen Wetterbedingungen ausgesetzt. Das halten nur Gewächse aus, die an solche Standorte gewöhnt sind. Deswegen haben wir zusammen mit dem NABU die Hamburger Naturdach-Mischung entwickelt. Das ist eine Pflanzenliste mit regionalen Arten für extensive Gründächer  wie Gräsern, Stauden und Kräutern. Wir haben besonders darauf geachtet, dass diese Pflanzen möglichst lange und bunt blühen, um Hummeln, Schmetterlingen und Wildbienen viel Nahrung zu bieten. Auf Tiefgaragen oder stabilen Dächern kann man aber auch einen richtigen Dachgarten anlegen, für den man eine tiefere Substratschicht braucht. Das ist dann eine sogenannte Intensiv-Begrünung.

Logistik-Gründach mit Strand-Effekt: Auf Hamburgs Dächern grünt es bereits prächtig

Wir haben hier ja das größte Gründach in Norddeutschland! Die Firma Fiege Logistik liegt direkt an der A1 in Hamburg-Moorfleet und hat ein 70.000 m² großes Gründach. Dies war eine Auflage, weil das Unternehmen in der Elbmarsch gebaut hat, wo vorher Wiesen und Felder waren. Dort ist aber auch das Einflug- und Futtergebiet der Möwen und inzwischen finden sich auf dem Dach zur Brutzeit im Frühjahr viele Paare ein. Von April bis Juni brüten die Vögel und wenn man in dieser Zeit bei der Firma anruft, klingt das wie am Strand. Man hört die Geräusche der A1 gar nicht mehr …

Broschüre für Pflege und Wartung

Grüne Dächer und Fassaden können ihre positiven Wirkungen langfristig und nachhaltig entfalten, wenn die Vegetation fachgerecht gepflegt und die technischen Einrichtungen regelmäßig gewartet werden. Die Aufwendungen für Pflege und Wartung sparen daher Folgekosten. Wird dagegen auf eine Durchführung von Pflege- und Wartungsmaßnahmen verzichtet, müssen die Bauverantwortlichen mit zusätzlichem Aufwand sowie früher einsetzenden Instandsetzungskosten rechnen. Defizite und Unwissen in der Pflege und Unterhaltung von Dach- und Fassadenbegrünungen tragen zu einem deutlichen Imageverlust der Gebäudebegrünung bei.

In der 2020 veröffentlichten 24 Seiten umfassenden Broschüre Handreichung zur Pflege und Wartung von Dachbegrünung werden unter anderem die Begrünungsarten, die Notwendigkeit von Erhaltungspflege, die Bestandsaufnahme des Pflegezustands Gründach und die Pflege und Wartung von Extensiv- und Intensivbegrünungen beschrieben. Die Pflege von Fassadenbegrünung wurde in das Handbuch „Grüne Wände“ aufgenommen. Nicht-Fachleute, wie zum Beispiel Facility Manager werden in die Lage versetzt, die grundlegenden Pflegemaßnahmen durchzuführen und beurteilen zu können, in welchen Fällen Fachleute des Garten- und Landschaftsbaus hinzugezogen werden müssen.

Welche Gründächer in der Stadt sind besonders spannend und wie sehen zukunftsweisende Vorbilder aus?

Zukunftsweisende Gründächer sind der Bunker auf dem Heiligengeistfeld, der derzeit im Bau ist und begrünt wird. Zudem wird im Frühjahr auf dem DESY Forschungscampus eine umfangreiche Dach- und Fassadenbegrünung bei einer Bestandshalle eingeweiht.

Die Kombination Gründach und Solar ist ebenfalls zukunftsweisen. Ab 2023 wird es in Hamburg die Solarpflicht geben. Jeder Neubau muss mit einer Photovoltaikanlage versehen werden. Die Größe der Photovoltaikanlage wird nicht vorgeschrieben. Wir halten ein Solargründach für die beste Lösung. Weiteres dazu im Solarflyer sowie auf der Website Gründächer für Unternehmen.

 

Fördert Hamburg auch in Zukunft Grüne Dächer?

Die Umweltbehörde verlängert die Gründachförderung um weitere fünf Jahre bis 2025 und verdoppelt zugleich die Zuschüsse auf bis zu 100.000 Euro für Grundeigentümer. Mehr als dreieinhalb Millionen Euro stehen hierfür zur Verfügung. Weiterhin wird der Zuschuss für die Aufstellung von Solarmodulen in Kombination mit Gründächern verdoppelt. Es werden künftig bis zu zehn Euro für die Befestigung pro Bruttokollektorfläche gezahlt. Photovoltaikanlagen erhöhen auf Gründächern ihre Effektivität, denn die Pflanzen kühlen die Umgebungstemperatur der Solarzellen und erhöhen dadurch deren Wirkungsgrad.

Bei der Hamburger Gründachförderung geht es sowohl um die Nachrüstung von Dächern mit einer Begrünung als auch um den Bau von Dachgärten auf Neubauten sowohl bei Wohn– als auch Gewerbegebäuden. Gefördert werden Dachbegrünungen auf oberirdischen Geschossen von Wohn- und Nichtwohngebäuden, die freiwillig durchgeführt werden und nicht aufgrund rechtlicher Regelungen erforderlich sind. Die Beantragung der Fördermittel ist möglich ab einer geplanten Nettovegetationsfläche von 20 Quadratmetern und bei einer Dachneigung bis zu 30 Grad. Die Zuschüsse gibt es bei der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB Hamburg).

Darüber hinaus werden nun auch Fassadenbegrünungen im gleichen Programm gefördert.

 

Gute Gründe für Gründächer und Fassadenbegrünung

  • Finanzielle Förderung für Wohn– und Gewerbegebäude
  • Unternehmen mit Gründach können Umweltpartner der Stadt werden und damit werben
  • GründachbesitzerInnen sparen 50 % Gebühren für Niederschlagswasser
  • Gründächer binden CO2, Staub und Schadstoffe und säubern die Luft
  • 50 % der Dächer in Hamburg sind flach und ideal für Gründächer
  • Gründächer bieten Hummeln, Schmetterlingen und Bienen reichlich Nahrung, Bodenbrüter finden dort Nistplätze
  • Dach- und Fassadenbegrünung fördern ein angenehmes Klima und mehr Lebensqualität

 

Dank

Wir danken Frau Dr. Bornholdt für ihren leidenschaftlichen Einsatz als Projektleiterin der Gründachstrategie Hamburg.

 

 

 

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Titelfoto: Ausblick von einer Dachwiese: © BUKEA/Isadora Tast
Foto: Begeh- und bespielbarer Dachgarten: © BUKEA/Isadora Tast
Foto: Urban Gardening Dach: © BUKEA/Isadora Tast
Foto: Geschäftshaus Straßenbahnring: © Fa. Optigrün
Foto: Gründachförderung – Simon-von-Utrecht-Straße: © H. Sönksen
Foto: Honigverkostung mit Dr. Hanna Bornholdt auf dem Dach der Umweltbehörde: ©  BUKEA/Jule Becker

7. April 2021 von Redaktion

Kategorien: Hamburg wächst, Wissensdurst

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1 Kommentar
  1. Martin Lobinger 5 Monaten her

    Gut zu wissen, dass man ein Gründach hervorragend mit Solaranlagen kombinieren kann. Mein Onkel möchte das Dach auf seinem Haus auf dem Lande begrünen lassen. Er möchte auch darüber hinaus eine Solaranlage auf seinem Dach einbauen lassen.

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