Von Kreuz- und Hexenstichen

Schubladen voller Pappkartons. Darin zarte Spitzendeckchen, sorgfältig gelagert, damit das feine Gewebe keinen Schaden nimmt. Ein Regal voller Stricklieseln wird manche Besucherin an ihre Kindheit erinnern. Ein osmanisches Kopftuch, eine bestickte Weste aus Pakistan und weiter hinten eine Korsage: zu aufwändig gefertigten Kleidungsstücken gewordene Textilien. An der Wand hängen gerahmte Kopien von Klöppelspitzen, entworfen 1928. Die Originale schlummern sorgfältig geschützt in den Schränken. Und gleich im Eingang stehen selbst konstruierte Webstühle für Brettchenwebereien. Das sind nur ein paar ihrer Schätze, die Angelika Francke zusammengetragen hat.

Ein Besuch im Museum für textile Techniken

Zu sehen sind sie in wechselnden Ausstellungen im MTT Museum für textile Techniken e. V.   Dafür stehen zwei Räume in der Max Brauer-Allee 134  zur Verfügung, so die offizielle Adresse.  Als Allgemeines Altonaer Krankenhaus wurde das Gebäude 1855 errichtet und beherbergt heute die Staatliche Fachschule für Sozialpädagogik. Kein Schild weist Besuchern den Weg zum unscheinbaren Seiteneingang gleich um die Ecke in der Hospitalstraße, also ein echter Geheimtipp. Für den Museumsbesuch muss man sich anmelden.

Selber machen ist hier Programm

Angelika Francke gibt hier auch Kurse für Erwachsene und Kinder, die Sticken, Flechten, Smoken, Brettchenweben und andere Textilarbeiten einmal ausprobieren wollen. Zurzeit steht ein Intensivkurs Handstickerei auf dem Programm, in den Interessierte noch einsteigen können. Fürs Frühjahr ist ein Kurs über Margaretenspitze mit Expertin Lotte Heinemann geplant.

 

Lernwerkstatt MTT mit Angelika Francke

Weltweite Recherche

Vor vierzehn Jahren hat die ehemalige Lehrerin den Museumsverein mitgegründet. Seit ihrem Studium an der Universität Hamburg interessiert sich Angelika Francke für Textilien und ihre Herstellung. Ihre Recherchen beispielsweise rund ums Brettchenweben, das schon die Wikinger kannten, hat sie bis in die Türkei geführt.

Eine Sammlung, die aus allen Nähten platzt

Zu ihren ersten Sammelstücken kam sie durch den Nachlass der Stoffkunst-Expertin Therese Hallinger, bei der Angelika Francke auch studiert hatte. Inzwischen ist die kontinuierlich gewachsene Sammlung an drei Orten untergebracht und füllt mühelos 180 Quadratmeter, Franckes Wohnung noch gar nicht mitgerechnet. Doch das sind nur Notlösungen, zumal sie einen Standort wohl bald auflösen muss und händeringend nach einem neuen sucht.

Mit dem Newsletter gut informiert

Obwohl sie immer wieder neue Ausstellungen konzipiert, bleibt vieles ungesehen. Nur fünf Prozent all ihrer Objekte kann sie im Museum zeigen, darunter eine fußbetriebene Prickelmaschine, mit der man Musterschablonen fürs Sticken herstellen kann. So klein die Ausstellung ist, liefert sie doch einen beeindruckenden und inspirierenden Rahmen für die Kurse, die Angelika Francke in gemütlicher Atmosphäre hier anbietet. Wer mehr Informationen wünscht schreibt eine Mail.

 

Autorin: Herdis Pabst
Titelfoto: Strickmännchen © katz23 – Fotolia.com
Foto: Angelika Francke © Christina Busse

22. November 2017 von Redaktion

Kategorien: Hamburg entdeckt, Stadtliebe

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