Sven van Koetsveld

The Street Piano Man

Sven van Koetsveld bringt Menschen zum Träumen. Als Street-Pianospieler tritt er in der Hamburger City auf – und ist glücklich damit.

Natürlich, das Lied „My way“ von Frank Sinatra darf im Repertoire von Sven van Koetsveld nicht fehlen. Wer einen festen Job aufgibt, um als Straßenmusiker seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, der hat einen außergewöhnlichen Weg eingeschlagen. „Ich habe 20 Jahre als Drucker gearbeitet und dann ein Jahr unbezahlten Urlaub bewilligt bekommen, um auszuprobieren, wie es läuft, als Straßenmusiker unterwegs zu sein“, erzählt der Pianist. Es lief so gut, dass Sven van Koetsveld nicht mehr in seinen Job zurückgekehrt ist.

„Manchmal träume ich beim Spielen vor mich hin“

Anfang August, ein Sommertag in der City, Spitalerstraße. Der Wind trägt eine Melodie hinweg über die Menschen, die zwischen den Einkaufsläden pendeln, mit einem Kaffeebecher in der Hand in der Sonne sitzen oder von hier nach da eilen. Zwischen all‘ dem Treiben spielt Sven van Koetsveld „People help the people“ von Birdy, so wunderschön, dass man sich wünscht, der 39-Jährige würde gleich noch einmal von vorne beginnen. Oder gar nicht erst aufhören.

Wochen später kann sich Sven van Koetsveld nicht daran erinnern, dass er dieses Lied je gespielt hat. Erst, als er das Intro auf seinem Smartphone hört, fällt es ihm wieder ein. Und so fängt er an, noch einmal die Finger über die Tasten fliegen zu lassen. „Manchmal träume ich beim Spielen vor mich hin und improvisiere dann.“ Sven van Koetsveld lächelt. Vielleicht hat er damals bei diesem Lied ja auch angefangen, einfach nur vor sich hinzuträumen. Wie die Passanten, die jetzt gerade lauschen.

Ein Lieblingslied, das gibt es nicht

Natürlich, die Frage nach dem Lieblingslied darf da nicht ausbleiben. „Keine Ahnung“, sagt Sven Koetsveld und zieht die Stirn kraus. „Es gibt so viele Lieder, die ich sehr gerne spiele.“ Und natürlich weiß Sven van Koetsveld, was die Menschen gerne hören. Melodisch und ruhig, Stücke eben, die einen innehalten lassen. „Manchmal“, erzählt der Musiker, „stehen Menschen an meinem Piano und fangen an zu weinen. Das passiert selbst gestandenen Geschäftsleuten.“

Street Piano
Manchmal stehen Menschen am Piano von Sven van Koetsveld und fangen an zu weinen.

Seine Gabe, etliche Lieder einfach so spielen zu können, wenn er sie vorher schon einmal gehört habe, verdanke er wohl seinem Talent – und seinen Eltern, sagt der gebürtige Gronauer. „Die haben mich als Kind viel üben lassen.“ Hin und wieder ist er auch noch gemeinsam mit seinem Vater auf Tour. Ohnehin ist es nicht so, dass sich Sven van Koetsveld allein auf seine Solokarriere als Straßenmusiker beschränken würde. Mit dem Chansonnier Sascha Merlin tritt er in den kommenden Wochen regelmäßig im Logensaal in den Hamburger Kammerspielen auf.

Auf die Straße aber wird es ihn dennoch immer wieder ziehen, wie er auch der Liebe wegen vor einigen Jahren nach Hamburg gezogen ist. „Tatsächlich“, räumt Sven van Koetsveld ein, „spiele ich lieber bei zwei Grad minus und bewölktem Himmel als bei 25 Grad und Sonnenschein.“ Die Stimmung der Menschen sei im Herbst und Winter eben eine andere. Mit seinen Auftritten bringt Sven van Koetsveld Wärme und Licht in solche trüben Tage. Es ist sein Weg.

Autor: Markus Tischler

Bildbeschreibung Titelfoto: Street-Pianospieler Sven van Koetsveld weiß: Die Menschen hören gerne melodische und ruhige Musik.

16. September 2014 von Redaktion

Kategorien: Hamburg musiziert, Kulturgenuss

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3 Kommentare
  1. eine Fan-in ;-) 8 Monaten her

    Nicht nur ein super Klavierspieler, sondern auch ein toller Mensch!

  2. Lacasse 7 Monaten her

    Habe Sven van Koetsfeld zum ersten mal im Tibarg Center gehört. Seine Stimme hat mich sehr berührt.
    Ich bin begeistert! Werde eine CD kaufen und seine Songs gerne hören im Wohnzimmer und im Auto.
    Gern hätte ich gewusst wo er in Hamburg überal zu hören ist.

  3. Regina Höft 3 Monaten her

    hallo sven,
    haben sie am 9.8. mit einem tollen openairkonzert in stoltenberg (KREIS PLÖN) erlebt.
    die musikalische reise mit klassik-, jazz- und popmusik bei toller athmossphäre am see war ein ohrenschmaus. es war ein toller abend -trotz regen ;-))

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