Rocky Musical

Rocky: Ring frei für die Montagsmaler

Ob Hafen, Einkaufszentrum oder Kneipe: Die Hamburger Montagsmaler zeichnen, was ihnen in der Hansestadt so vor Stift und Papier kommt.

Irgendwann hat es allen die Sprache verschlagen. Kein Wort ist mehr zu hören, nur noch das Kratzen von Blei- und Buntstiften auf Blättern oder das Rascheln, wenn jemand kurz in seiner Tasche nach weiteren Malutensilien sucht. Im Operettenhaus in Hamburg herrscht Totenstille. Gerade so, als ob Rocky für immer seine Boxhandschuhe abgegeben hat und alle Anwesenden aus Trauer in andächtiges Schweigen verfallen sind.

Tatsächlich ist Montag Ruhetag, kein wummerndes „Eye of the tiger“ dröhnt aus den Boxen. Die Musicaldarsteller und Mitarbeiter haben Pause – und so ist der Ring samt Kulissen frei für die Montagsmaler. „Uns ist damals kein originellerer Name eingefallen, nachdem wir uns im Anschluss an einen Kurs an der Volkshochschule weiter getroffen haben“, sagt Sonja Nikulski.

Am Ende geht es zu wie beim Pokern

Und es klingt ja auch recht griffig: Montagsmaler. Könnte nur passieren, dass man bei der Internetsuche erst einmal auf Seiten mit Hinweisen zu der ehemaligen TV-Show landet. Allerdings zeichnen die Montagsmaler nicht um die Wette, und es muss auch niemand erraten, was die Striche eines Teammitgliedes darstellen sollen. Andererseits gehe es nach der „Zeichenstunde“ auch schon einmal zu wie beim Pokern. Sonja Nikulski grinst: „Dann legt einer seiner Blatt hin und sagt: Jetzt will ich sehen!“

Das Rocky-Wohnzimmer: Fundgrube für detailverliebte Maler
Das Rocky-Wohnzimmer: Fundgrube für detailverliebte Maler

Mittlerweile umfasst die Mailliste über 50 Namen. Vertreten sind alle Altersklassen. Wer welchem Beruf nachgeht, ist unwichtig. Beim Malen sind alle gleich – gleich still und hoch konzentriert.
Nicht alle aber suchen sich dasselbe Motiv aus. Mancher zeichnet andere Mitglieder beim Malen. Die einen wechseln an diesem Abend in den Rocky-Kulissen mehrfach die Position: vom Ring ins „Wohnzimmer“, anschließend in den „kleinen Laden“ und die „Küche“. Andere bleiben lange Zeit an einer Stelle sitzen. Mal sind es Detailzeichnungen, mal wird das große Ganze erfasst.

Die Gruppe plant eine Vernissage

An welchem Ort gemalt wird, das zu bestimmen, obliegt jeweils einem Montagsmaler und gehört zu den Regeln der Gruppe. Dazu gehört, wer wie wann zu einem Treffen einlädt oder auch der Hinweis, dass man sich ausschließlich erst einmal in Nichtraucherlokalen trifft. Abschreckend wirken derartige „Pflichten“ offenbar nicht, und der Montag scheint ein guter Termin zu sein. „In den vergangenen dreieinhalb Jahren ist die Gruppe lediglich zweimal ausgefallen“, erzählt Sonja Nikulski.
Der Besuch im Operettenhaus endet derweil nach rund drei Stunden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, und deshalb soll es im Frühjahr 2015 auch heißen: Ring frei für eine Vernissage. Dann allerdings im Volkshochschulzentrum in der Mönckebergstraße.

Autor: Markus Tischler

8. Dezember 2014 von Redaktion

Kategorien: Hamburg künstlert, Kulturgenuss

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