Mindestens 500 Gramm sollten Igel wiegen, bevor sie in den Winterschlaf fallen.

Igelschutz-Komitee: Heimat für stachelige Winterschläfer

Niedlich ist er dann ja doch, dieser Igel. Dass er sich gerne einrollt und seinen stacheligen Rücken allem zeigt, was er als Angreifer empfindet, stört Sigrun Goroncy so überhaupt nicht. Immer wieder streicheln ihre von einem Handschuh geschützten Finger über Olo. Das Igelmännchen möge doch bitte einmal seinen Kopf für ein Foto zeigen, also ist etwas Geduld gefragt. Zumal es für Olo eigentlich an der Zeit ist, in den monatelangen Winterschlaf zu fallen. Ungestört, gehegt und gepflegt in der Igelschutz-Station in Stellingen.

Bis zu 100 Igeln kann auf dem Areal ein Quartier auf Zeit geboten werden. Mehrere Gartenlauben sind umgebaut worden. Es gibt das „warme“, das „halbwarme“ und das „kalte“ Schlafhaus. Es wird ein Ablauf von Temperaturen geschaffen, die denen in der Natur gleichen und die Igel in den Winterschlaf fallen lassen. „Ein Igel braucht circa drei Wochen, indem er seine Körpertemperatur von 35 Grad auf 5 Grad langsam senkt. Die Schlafphase kann dann bis zu sechs Monate dauern“, erklärt Sigrun Goroncy.

72 Jahre alt ist die Wahlhamburgerin, geboren im Erzgebirge, bevor sie für einige Zeit in Stuttgart lebte. Ihren ersten Igel hat Sigrun Goroncy 1976 gesundgepflegt, nachdem sie diesen an einem Spätherbsttag im Altonaer Volkspark gefunden hatte. „Er hätte“, erinnert sie sich, „den Winter nicht überlebt.“ 1986 bekam sie hinter ihre Parzelle in der Kolonie Gartenfreunde Düngelau e.V. von einem Gerüstbau-Unternehmer ein Grundstück zur Verfügung gestellt, 1997 gründete sie den Verein Komitee für Igelschutz e.V. Hamburg.

353 Mitglieder gehören dem Verein mittlerweile an – und Hilfe tut not. Denn seit dem Washingtoner Artenschutzübereinabkommen vom 3. März 1973 wie auch dem Bundesnaturschutzgesetz vom 12. März 1987 steht der Igel, dessen Urform schon vor 50 Millionen Jahren existiert hat, unter besonderem Artenschutz. Sein ärgster Feind, das sind die Menschen. Nicht nur wegen der Gifte, die diese zur Schädlingsbekämpfung einsetzen, es ist auch der Wunsch – besonders jetzt im Frühling – den eigenen Garten oder die Terrasse sauber zu halten, Laub und Reisig zu entfernen.

Igelnester zu zerstören, das kann teuer werden

Dass sich darunter Igelnester befinden können, viele Gartenbesitzer wissen es vermutlich nicht. „Diese Nester zu zerstören“, weiß Sigrun Goroncy, „kann aber bis zu 50.000 Euro Bußgeld kosten.“

Viele der Tiere, die auf diese Weise obdachlos werden, krank sind oder weit unter den lebenswichtigen 500 Gramm Körpergewicht lägen, könne man retten, sagt sie. „Aber eben nicht alle. Vor allem dann nicht, wenn sie durch Rattengift, Schneckenkorn oder Insektizide vergiftet wurden.“

Igelschutz-Komitee: Die beiden Vorsitzenden Sigrun Goroncy (r.) und Regina Kloss
Igelschutz-Komitee: Die beiden Vorsitzenden Sigrun Goroncy (r.) und Regina Kloss

Dass die Igel eine sichere Unterbringung erhalten, bedeutet für Sigrun Goroncy oder auch die 2. Vorsitzende Regina Kloss indes jede Menge Arbeit. Schließlich müssen sie die von Menschenhand gebauten „Nester“ jeden Tag kontrollieren und das verwendete Altpapier austauschen. Bleibt der Futternapf, der ein Mix aus Katzentrocken- und Igelfutter und Igelfutter enthält, offensichtlich unberührt, dann zeigt dies: Der Igel ist in den Winterschlaf gefallen.

Allerdings hat es sich der Verein schon vor geraumer Zeit zur Aufgabe gemacht, sein Wissen weiterzugeben. Regelmäßig besuchen Schulklassen die Igelstation. „Wenn die Kinder ihren Großeltern danach dann erzählen, dass man im Garten Laub nicht einfach wegräumen soll, bringt das mehr, als wenn die Nachbarn das behaupten“, sagt Regina Kloss.

Aufgeräumt werden darf im Garten natürlich dennoch. Aus Igelschutzsicht jedoch nur im Monat Juni. In diesen Wochen sind die Tiere unterwegs. Es ist ihre Paarungszeit.

Autor: Markus Tischler
Bildbeschreibung Titelfoto: Mindestens 500 Gramm sollten Igel wiegen, bevor sie in den Winterschlaf fallen.

18. März 2015 von Redaktion

Kategorien: Hamburg schützt, Tatkraft

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