Interview: Thiemo Nordenholz über den Hamburger Unterwelten e.V.

Hamburgs Geschichte von unten

Die Mitglieder des Vereins Hamburger Unterwelten erforschen und dokumentieren die unterirdischen Bauten unserer Stadt. HAMBURG schnackt! sprach mit dem Vorsitzenden Thiemo Nordenholz über seine spannende Freizeitbeschäftigung.

Woher kam die Idee, Hamburger Unterwelten e.V. zu gründen?

Thiemo Nordenholz: Ein paar Leute, die sich schon länger mit unterirdischen Anlagen in Deutschland und international beschäftigt haben, kamen hier vor sechs Jahren auf die Idee. Aus wissenschaftlichem Interesse. Und sie wollten einen formalen Rahmen, um einem breiteren Publikum auch in Hamburg unterirdische, historische Orte zugänglich zu machen. Sachbezogen und nicht aus Sensationsgier. Als Vorbild diente uns der Verein Unterwelten in Berlin, der schon sehr erfolgreich war. Heute haben wir rund 80 Mitglieder, von denen zirka 15 aktiv sind. Das sind diejenigen, die forschen und dokumentieren, Touren planen und führen sowie kulturelle Veranstaltungen organisieren.

Welche Unterwelten zeigt der Verein?

Thiemo Nordenholz: Wir können natürlich nur unterirdische, historische Bauwerke zeigen, für die wir eine Genehmigung erhalten. Das ist mit viel Bürokratie – sprich Arbeit für uns – verbunden und das Haftungsrisiko muss im Rahmen bleiben. Aber wir sind dankbar für die gute Kooperation mit der Stadt und den Grundeigentümern.

Im Moment zeigen wir vor allem Bunker. Unser Hauptbunker ist der Tiefbunker am Hauptbahnhof. Hier lagert auch unser Vereinsarchiv. Daneben haben wir gelegentlich die Bunker am Eidelstedter Weg, in Eppendorf und in Wedel im Programm. Andere unterirdische Bauwerke, wie die Siele und Kanalisation, sind zwar zugänglich. Aber es ist nicht gerade gesund, sie zu besuchen. Und für unterirdische Verkehrswege, ob Elbtunnel oder U-Bahn-Schächte, gilt: Die werden genutzt und man kann sie ja nicht einfach schließen, um Touren zu machen. Zum Tag des offenen Denkmals organisieren wir aber auch die sehr beliebten Führungen durch den Altonaer Schellfischtunnel. Und manchmal haben wir zudem die Möglichkeit, einen OP- und Rettungsbunker auf dem UKE-Gelände zu zeigen.

Welche Pläne gibt es für 2014?

Thiemo Nordenholz: Im letzten Jahr war unsere Veranstaltungsreihe »Operation Gomorrha« im Hochbunker Eidelstedter Weg zum 70. Jahrestag des Feuersturms 1943 so erfolgreich, dass wir diese wahrscheinlich auch in diesem Jahr zeigen werden. Allerdings im Sommer. Denn im Winter ist es im Hochbunker einfach zu kalt. Ansonsten: Die Nachfrage nach unseren Führungen ist groß und wir müssen sehen, wie wir dieser mit unserem ausschließlich ehrenamtlichen Personal gerecht werden können.

ÜBER DEN HAMBURGER UNTERWELTEN e.V.
Der Verein (www.hamburgerunterwelten.de) sucht Zeitzeugen, die über einzelne Bunker in Hamburg berichten und dem Verein historisches Material zur Verfügung stellen können. Termine für Touren und Veranstaltungen finden sich ebenfalls auf der Internetseite. Anmeldungen nimmt der Verein ausschließlich per E-Mail entgegen. Noch ein Hinweis: Ein Besuch ist nur nach Anmeldung möglich!

20. Januar 2014 von Redaktion

Kategorien: Hamburg erinnert, Stadtliebe

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