Drei Minuten Jonathan: Was ist Ordnung?

Ordnung ist das halbe Leben. So heißt es jedenfalls. Deshalb beschließe ich eines Tages, bei mir Ordnung zu schaffen. Aber welche Ordnung? Was ist Ordnung überhaupt? Ein Blick auf Wikipedia belehrt mich, dass es viele Ordnungen gibt. Zum Beispiel die öffentliche Ordnung, eine Ordnung für Gewässer, eine für Biologie sowie Pflanzensoziologie und algebraische Zahlentheorie.

Ist das Ordnung?

Das sind nicht die Ordnungen, die ich meine. Also klicke ich bei Wikipedia auf den Begriff „Ordnungssystem“. Dort lerne ich: „Ein Ordnungssystem ist durch die Menge aller zur Indexierung der Dokumentationseinheiten zugelassenen Deskriptoren mit den dazugehörigen Erläuterungen und Hinweisen definiert. Dabei ist es auf die zu ordnende Thematik ausgerichtet und begrenzt. Es ist nach einem bestimmten dokumentarischen Grundgedanken, dem Ordnungsprinzip, aufgebaut.“ Verdammt! Ich will doch nur meinen Schreibtisch aufräumen. Ich sehe ihn mir kopfschüttelnd an: In der Mitte ist Platz zum Schreiben. Links und rechts davon stapeln sich Notizen. Außen liegen Stifte, Tintenpatronen, Hefte und Kopien. Alles fein säuberlich gestapelt. Es sieht nicht hübsch aus. Aber grundsätzlich habe ich damit kein Problem. Ich frage mich: Ist das Ordnung?

Die Ordnung eines Vulkanmenschen

Irgendwie schon. Es ist meine Ordnung. Ich steige da durch. Wenn auch sonst keiner. Also ist sie nicht für ein Team geeignet. Aber ansonsten? Lange habe ich es gelten lassen, wenn jemand über mich sagte, ich sei ein unordentlicher Mensch. Bis ich zufällig in einem Fachartikel einen Begriff für meine Ordnung gefunden habe: Ich bin ein sogenannter Vulkanmensch. Die Definition meines Ordnungsprinzips: Ein freies Plätzchen in der Mitte, links und rechts der Auswurf. Vor allem kreative Menschen ordnen ihren Schreibkram auf diese Weise. Sie legen alles in Haufen und Stapeln an. Was nach Chaos aussieht, folgt einem logischen Prinzip. Die Landschaft auf dem Schreibtisch ist das Abbild des Denkens im Kopf. Vorteil: Jeder Stapel wird mit einem Thema assoziiert. So wird alles schnell gefunden, sobald auf dieses Thema zugegriffen wird.

Ordnung ist Lebenshilfe

Im Gegensatz zu Menschen, die alles fein säuberlich abheften. Da sie glauben, Ordnung zu schaffen – und ich gebe zu, es sieht auf den ersten Blick sehr danach aus – vergessen sie nach der Ablage sofort, in welchem Ordner sich die verschiedenen Vorgänge befinden. Selbst eine Beschriftung hilft nicht viel weiter. Sie beginnen zu suchen, sobald sie ein bestimmtes Schriftstück benötigen. Was wieder einmal bestätigt: Es kommt nicht auf den äußeren Schein an, sondern auf die innere Verbindung zu allem, was wir täglich auf die Beine stellen.

Wenn ich so darüber nachdenke, definiere ich Ordnung folgendermaßen: Ein beliebiges System, das einem Individuum hilft, sich im Leben zurechtzufinden. In diesem Sinne sollten wir uns alle um Ordnung bemühen.

 

Warum drei Minuten, Jonathan?

Übersicht aller Themen dieser Kolumne.

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Foto/Grafik: © David Jonathan/photolab

10. März 2021 von Redaktion

Kategorien: Entscheider, Hamburg liest, Kulturgenuss

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