Kirschbluete Schumacher-Siedlung

Langenhorn: Schumacher, Süßes und der Müllberg

Langenhorn ist ein idyllischer Stadtteil. Es gibt jedoch auch Herausforderungen, denen sich der Stadtteil mit viel Grün stellen muss.

Im ersten Teil unserer Begegnung mit Langenhorn ging es um den Boom im Norden. Nun wollen wir schildern, vor welchen Aufgaben der Stadtteil im Norden steht.

Die Hummelsbütteler Berge, früher als Müllabladeareal genutzt, sind eine grüne Oase unweit Langenhorns. Doch seit zehn Jahren gibt es Pläne, die Deponie zu reaktivieren. Bei dem Gedanken wird den Hamburgern im Norden angst und bange. Sie fürchten nicht allein, dass der neue schwachgiftige Bodenaushub als Staub über die umliegenden Stadtteile wehen könnten.

Beate Otteni, Sprecherin der Bürgerinitiative Müllberge Hummelsbüttel, sieht noch eine ganz andere Gefahr: „Die neue Deponie soll über die alte gebaut werden. Aber kein Mensch weiß, ob der Untergrund standhält und nicht Gift ins Grundwasser sickert.“
Es sei auch gar nicht bekannt, welche Altlasten überhaupt im Untergrund lauern. Doch einige Anwohner erinnern sich, dass früher auch nachts Lastwagen Fässer abluden. Beate Otteni fordert deshalb, dass die Planung zur erneuten Nutzung der Deponie gestoppt wird: „Man soll die Berge in Ruhe lassen und stärker überwachen.“

Das wäre sicher auch im Sinne der Bewohner der Schumacher-Siedlung, einer Gartenstadt mit 660 Wohnungen für insgesamt 2500 Menschen. Das historische Ensemble ist das größte stilistisch einheitliche Wohnreformprojekt Deutschlands und das wichtigste Kulturgut Langenhorns.

Baumeister dieser verwirklichten Vision vom besseren Wohnen für alle war der Architekt und Oberbaudirektor Fritz Schumacher. Nach dem Ersten Weltkrieg herrschte in Hamburg ein extremer Wohnungsmangel und Armut. In der Siedlung, die ab 1920 entstand, konnten die Städter in gesunder Umgebung selbst Gemüse anbauen und Nutztiere halten.

Schweine und Hühner sieht man heute nicht mehr. Mit den heckengesäumten Pfaden, die zwischen den langen Gärten verlaufen, wirkt das Viertel wie ein weiter Park. In einiger Entfernung ragen hinter Gemüsebeeten, Gewächshäusern und Obstbäumen die anmutigen Reihenhäuser mit ihren Ziegeldächern auf.

Es gibt eine Schule und ein eigenes Seniorenheim. Die Leute ziehen nicht fort, manche Familie lebt in der fünften Generation hier. Die Bewohner sprechen von einem Gefühl der Zusammengehörigkeit. Das Konzept hält sich bis heute. Die Wohnungen der Schumacher-Siedlung sind sehr begehrt, es gibt eine lange Warteliste. Chancen haben am ehesten junge Handwerkerpaare mit Kindern.

Einmal jährlich kommen sogar Besucher von außerhalb in die Schumacher-Siedlung, um die spektakuläre Kirschblüte in den Immenhöven zu erleben.

Kulturell ist die Langenhorner Landschaft eher karg. Am Markt existiert noch eine echte inhabergeführte Buchhandlung, im ehemaligen Kino LaLi (Tangstedter Landstraße 182a) führen Laiengruppen gelegentlich Heimatstücke auf. Zudem gibt es noch das ella Kulturhaus Langenhorn.

Und auch kulinarisch ist Langenhorn eine Herausforderung. Manch echte Attraktion liegt im Verborgenen. Die kleine Bäckerei von Burcin Tatlici würde man niemals bei dem Kreisel am Stadtrand vermuten (In de Tarpen 122, auf dem Gelände des Türkisch-Islamischen Kulturvereins Norderstedt).

Baecker Burcin-Tatlici
Burcin Tatlici hat das Bäckerhandwerk von seinen Großvätern gelernt

Die Bäckerei ist ein wahres Wunder. Burcin Tatlici stammt von der türkischen Schwarzmeerküste und lebt seit acht Jahren mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern in Deutschland.

Das Handwerk hat Burcin Tatlici als Junge vom Vater gelernt. Schon Groß- und Urgroßvater haben Süßes und Salziges gebacken. Er verarbeitet Mürbe-, Hefe- und Blätterteig zu Köstlichkeiten.

Wenn er das Gebäck namens Nokul, Sahlep oder Simit zeigt, leuchten seine Augen. Was ist sein Geheimnis? Burcin Tatlici lächelt bescheiden und sagt achselzuckend: „Die Liebe. Das Backen muss von Herzen kommen.“

Autor: Hilmar Schulz

26. August 2014 von Redaktion

Kategorien: Hamburg wohnt, Stadtliebe

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