Jubiläumsausstellung: Caspar David Friedrich

„Kunst für eine neue Zeit“: Unter diesem Titel zeigt die Hamburger Kunsthalle anlässlich des 250. Geburtstags von Caspar David Friedrich bedeutende Werke des Künstlers und stellt diesen aktuelle Kunstwerke gegenüber, die sich mit dem Romantikmaler auseinandersetzen und neue Perspektiven auf Friedrichs Werk eröffnen. Die Ausstellung ist bis zum 1. April 2024 in Hamburg der Auftakt einer Jubiläumstrilogie. Es folgen Ausstellungen in Berlin und Dresden mit anderen thematischen Schwerpunkten.

Ikonen der Romantik

Zu Lebzeiten nicht verstanden und nach seinem Tod schnell in Vergessenheit geraten – heute zählt Caspar David Friedrich (geboren 1774 in Greifswald, gestorben 1840 in Dresden) zu den bedeutendsten deutschen Malern. Mit der Jubiläumsschau „Caspar David Friedrich. Kunst für eine neue Zeit“ präsentiert die Hamburger Kunsthalle die umfangreichste Werkschau des romantischen Malers seit vielen Jahren. Zu sehen sind rund 100 Zeichnungen und fast 70 seiner Gemälde – darunter äußerst seltene Friedrich-Leihgaben wie die Gemälde „Kreidefelsen auf Rügen“ (um 1818–1822), „Mönch am Meer“ (1808–1810) und „Zwei Männer in Betrachtung des Mondes“ (1819/20) wie auch „Wanderer über dem Nebelmeer“ (um 1817) und „Das Eismeer“ (1823/24) aus dem Bestand der Hamburger Kunsthalle. Diese Werke zählen zu den Ikonen der Romantik.

Kunst für eine neue Zeit

Zentrales Thema der Ausstellung ist Friedrich neuer Blick auf die Natur, das neuartige Verhältnis von Mensch und Natur in seinen Landschaftsdarstellungen. Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts gab der Maler mit seinen einprägsamen Gemälden der romantischen Landschaftsmalerei maßgebliche Impulse, um diese Gattung zur „Kunst für eine neue Zeit“ zu machen. Seine Bilder reflektieren die großen ästhetischen, aber auch weltanschaulichen und politischen Umbrüche, die seine Zeit prägen.

Die Ausstellung sei nicht nur kunsthistorisch wertvoll; anhand zeitgenössischer Arbeiten zeige sich außerdem, „wie aktuell das zentrale Thema Friedrichs, die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt, heute ist“, sagte Carsten Brosda, Hamburgs Senator für Kultur und Medien, in der Pressekonferenz zur Eröffnung. „Die Ausstellung ist auch eine Möglichkeit zu reflektieren, wie wir Menschen und zu unserer Umgebung und unserer Natur verhalten“.

Hamburger Kunsthalle mit langer Caspar-David-Friedrich-Geschichte

Mehr als 100 Jahre beschäftigt sich die Kunsthalle mit dem romantischen Maler, so Alexander Klar, Direktor der Hamburger Kunsthalle. „Zur Jahrhundertausstellung 1906, die einen Rückblick auf das 19. Jahrhundert gab, hatte Caspar David Friedrich seinen ersten großen Auftritt, den er dem damaligen der damalige Kunsthallendirektor Alfred Lichtwark verdankte. „Kunst für eine neue Zeit“ sei das dritte bedeutende Friedrich-Projekt an der Hamburger Kunsthalle nach den legendären Ausstellungen: 1974 gab es in Hamburg eine sechswöchige Ausstellung zum 200. Geburtstag des Künstlers. 2007 war in der Kunsthalle unter dem Titel „Die Erfindung der Romantik“ die letzte große Caspar-David-Friedrich-Ausstellung zu sehen.

Verständnis von Mensch und Natur – eine Frage der Perspektive

„Die Jubiläumsausstellung lässt offen, welche die neue Zeit ist: Diejenige, die mit Friedrichs neuer Malerei anbricht, oder unsere heutige Zeit, von der Friedrich nichts wissen konnte“, erläuterte Alexander Klar. „Das Interessante an der Ausstellung ist, wie unzeitlich Friedrichs Bilder sind.“ Da sei auch eine Erklärung, warum Friedrich Bilder zu seiner Zeit nicht verstanden wurden. Die Ausstellung sei eine „anspruchsvolle Mischung aus Caspar David Friedrich und unserer neuen Zeit, um zu verstehen, was seine neue Zeit gewesen ist.“

Caspar David Friedrich im Kontext damaliger und heutiger Künstler

Die Jubiläumsausstellung ist zweiteilig konzipiert. Im ersten Teil sind neben Friedrichs Werken ergänzend rund 20 Arbeiten von Künstlerfreunden wie Carl Gustav Carus, Johan Christian Dahl, August Heinrich und Georg Friedrich Kersting zu sehen. Ihre Gemälde und Studien knüpfen an Friedrichs Werk an, erschließen aber auch neue Blicke auf die Natur. Ein zweiter, räumlich getrennter Teil der Ausstellung, der der Rezeption in der aktuellen Kunst gewidmet ist, zeigt die anhaltend hohe Faszination, die Friedrichs Werke auslösen, und die besondere Anschlussfähigkeit für Herausforderungen der Gegenwart, etwa dem Klimawandel: Gattungs- und medienübergreifend nehmen rund 20 Künstlerinnen und Künstler aus dem In- und Ausland mit ihren Arbeiten – beispielsweise in Form von Videos, Fotografien und raumgreifenden Installationen – die Romantik, ihr Naturverständnis und die Kunst Friedrichs in den Blick.

Sensible Annäherungen an die Natur

Caspar David Friedrichs Werke brachen mit damaligen tradierten Darstellungsformen; sie verbanden präzises Naturstudium mit klaren Bildkompositionen. Malerisch lotete Friedrich aus, auf welche Weise die Landschaft zu einem zeitgemäßen Thema werden kann, welches Potenzial sich an die Wiedergabe von Natur knüpft und wie sie sich den Betrachtenden vermitteln lässt. Und auch dem umfangreichen zeichnerischen Werk Friedrichs kommt in der Schau eine besondere Bedeutung zu. Der bewusste Aufenthalt in der freien Natur in künstlerischer Absicht zählt zu den besonderen Merkmalen romantischer Kunstpraxis und war für Friedrich essenziell. Die Ausstellung würdigt seine Zeichnungen in ihrer autonomen Qualität und betrachtet sie nicht nur als Studien von Naturdetails, die sich später in seinen Gemälden wiederfinden. So implizieren die sensiblen Annäherungen Friedrichs an die Natur oftmals eine Reflexion des subjektiven Standpunktes.

Caspar David Friedrichs Werke inspirieren bis heute

Die einzigartige, aus Friedrichs Werken sprechende Stimmung sowie deren einprägsame Motivik und Komposition haben eine Vielzahl von Kunstschaffenden animiert, mit dem Romantiker in den Dialog zu treten – gerade vor dem Hintergrund aktueller ökologischer Fragen. Das Spannungsverhältnis zwischen fortschreitender Umweltzerstörung und der Sehnsucht nach „unberührter Natur“ bildet eine Kontinuität von der Romantik bis heute. Während das romantische Naturverständnis zu Lebzeiten Friedrichs jedoch national geprägt war, nähern sich Kunstschaffende Natur und Klimawandel heute aus einer globalen Perspektive. Die Ausstellung zeigt in diesem Sinne auch aktuelle Arbeiten, die sich den Schattenseiten und Leerstellen der Romantik und ihrer Rezeption widmen. Der Kolonialismus und seine Auswirkungen für Mensch und Natur werden dabei ebenso in den Blick genommen wie ein westlich-hegemonialer Naturbegriff und seine Ausprägungen in der Kunst. Insgesamt präsentiert die Ausstellung ein breites Spektrum von konkreten Bildadaptionen bis hin zu deutlich abstrakteren Anknüpfungen an Friedrichs spezifische Arbeitsweise und seine Bildthemen. Ausgestellt werden unter anderem zwei großformatige Friedrich-Adaptionen des US-amerikanischen Künstlers Kehinde Wiley (*1977), die kritisch den westlichen weiß geprägten Kunstkanon reflektieren. Ein Farbkreis von Olafur Eliasson (*1967) zeigt exakt die Pigmente des Friedrich’schen Gemäldes „Das Eismeer“, allerdings in einer stark abstrahierten Komposition. Von Ann Böttcher (*1973) sind Zeichnungen zu sehen, die sich dem Motiv des Waldes und nationalistischen Projektionen widmen. Die Fotografien von Elina Brotherus, die sich unter anderem in Anlehnung an Friedrichs „Wanderer über dem Nebelmeer“ selbst ins Bild setzt, eröffnen Fragen zu Gender- und Blickverhältnissen in der Kunst der Romantik. David Claerbouts (*1969) immersive Videoinstallation schließlich ermöglicht den Ausstellungsgästen eine vollständig computergenerierte Naturerfahrung.

Begleitendes Veranstaltungsprogramm, Audiotouren und Ausstellungskatalog

Die Schau wird durch ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm und zahlreiche Vermittlungsangebote begleitet. Während des Ausstellungsrundgangs können sich Interessierte im Vermittlungsraum „Kosmos Caspar“ an einer digitalen und analogen Zeichenstation sowie an Riech- und Taststationen auf die Spuren von Friedrich als Zeichner begeben und über das eigene Verhältnis zur Natur nachdenken.

In der App der Hamburger Kunsthalle stehen mehrere Audiotouren zur Verfügung: eine rund 65-minütige Tour für Erwachsene (Deutsch/Englisch), eine Tour für Kinder ab 8 Jahren, eine Tour in Leichter Sprache (jeweils Deutsch) sowie Videos in Deutscher Gebärdensprache und Audiodeskriptionen für sehbehinderte bzw. blinde Gäste. Ein breites Angebot an verschiedenen Führungen vor Ort soll ab Februar 2024 ergänzt werden um digitale Führungen im 360-Grad-Format (Deutsch/Englisch).

Der Katalog zur Ausstellung (512 Seiten, 350 Abbildungen, Hatje Cantz Verlag) bietet vielfältige Perspektiven auf Friedrichs Werke und einen spannungsreichen Dialog zwischen romantischer Natursicht und heutigen ökologischen Perspektiven. Die Publikation ist zum Preis von 49 Euro im Museumsshop oder über www.freunde-der-kunsthalle.de zum Buchhandelspreis von 54 Euro erhältlich.

Webportal cdfriedrich.de

Im Kontext des Festivals entsteht – initiiert von der Hamburger Kunsthalle in Kooperation mit der Alten Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden – im Rahmen des Projektes „Datenraum Kultur“ das Webportal cdfriedrich.de mit kuratierten multimedialen Angeboten zu Friedrichs Werk.

 

 

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Foto: CDF/Montage Webportal © Bildnachweis: Hamburger Kunsthalle / Staatliche Museen zu Berlin / Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Foto: CDF/ Prof. Klar/Kunsthalle (5214) © Favorit-Media-Relations GmbH

3. Januar 2024 von Redaktion

Kategorien: Hamburg begeistert, Stadtliebe

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