Weihnachtssatire: IHR KINDERLEIN KOMMET

Die christliche Weihnacht kommt Jahr für Jahr beharrlich und trotzdem immer so heftig. Damit das in diesem Jahr nicht so ist, wurden die ersten Festartikel schon Anfang September und der Hamburger Weihnachtmarkt bereits am 21. November, also noch im Herbst mit wunderschön gefärbten Blättern an Baum und Boden, in Betrieb genommen. Zusammen mit einem in die Jahreszeit passenden irritierenden Kinderlaternenumzug, Laterne, Laterne singend. Irgendwie war da ein geistiger Missklang zwischen den gesungenen Kinderliedern und dem elektronisch verstärkten Weihnachtgedudel. Kling Glöckchen, klingelingeling! Wie ein Tinnitus.

Mich wundert, dass vor lauter Geschäftemachen und Konsumdenken nicht wieder der vom Hamburger evangelischen Theologen und Lehrer Johann Hinrich Wichern 1839 in seinem „Rauhen Haus“ erstmals aufgehängte Adventkranz mit  23 Kerzen eingeführt wird, das gibt doch weiteren Umsatz.

Shopping

Der Sinn von „Advent“ (lateinisch adventus = Ankommen/Ankunft), ist die Zeit in der zumindest die Christen sich auf die Geburt und das Wiederkommen von Jesus Christus von Nazareth, also Weihnachten, vorbereiten. Aber wer will das noch wissen. Die Erwachsenen sehen darin die Zeit des Geschenke Kaufens und die Kinder erwarten Weihnachten als das Fest des Geschenke Auspackens. Früher – als es noch Schnee zu Weihnachten gab – nannte man das „Bescherung“. Kinder schreiben auch keinen Wunschzettel mehr, nur noch Bestelllisten in Excel. Mailen, googeln, wittern, whatsappen, Facebook, Youtube oder Instagram sind die Vokabeln der Sprösslinge. Oh, oh Tannenbaum, schöne Bescherung. Adventlieder wie „Macht hoch die Tür, das Tor macht weit…“ werden oberflächlich auf die Kauftempel umgedeutet. Ebenso das „Ihr Kinderlein kommet“ (herein.)

Das Negative sind die allerorts forcierten Kaufzwänge von Radio, Freunde und Verwandte mit der scheinheiligen Frage: Schon alle Sachen gekauft? Nein? Ich hab‘ schon alles: Meine Überschätzung, mein Protz, meine Überheblichkeit. Mein Gott, Maria hilf.

Die Engel schütteln die Flügel wegen der Hetze der Menschen in den weihnachtlich geschmückten Einkaufsstraßen. Alles nur Show. In den Konsumtempeln herrscht Gewusel und Ausverkaufsstimmung. Die Gesichter der Menschen sind, hastend Tüten tragend und Kinder hinter sich her zerrend, missmutig. Oder ist das der Gedanke an die bevorstehende Firmenweihnachtsfeier?

Das fünfte Licht

Es gibt zum Advent auch mahnende Bedenkenträger die befürchten, wenn das fünfte Licht erst brennt, hast du Weihnachten verpennt. Halleluja, welch positiver Gedanke. Der angenehme Teil der Adventzeit ist der Gedanke an Glühwein, Feuerzangenbowle, Kartoffelpuffer und Stollen den Oma noch „Klöben“ nannte. Und an die Geselligkeit mit so schwermütigen Themen wie „weißt du noch?“ Und dass auf den stets extrem überfüllten, lauten und kinderfeindlichen Weihnachtmärkten Konsum angesagt ist. Stille Nacht, heilige Nacht.

Strandpartys

Ich wünsche Allen eine Rückbesinnung auf Körper, Geist und Seele und Vorfreude auf den Geburtstag von Jesus von Nazareth. In warmen Gestaden und südamerikanischen Ländern finden zur Feier des Tages Strandpartys statt. Hoffnung gibt es dann Anfang des neuen Jahres: „Über allen Gipfeln ist Ruh“ (Johann Wolfgang v. Goethe 1749-1832, beim abendlichen Ausblick aus dem Dachgeschoss des Thüringer Waldhauses.)

Da wird das Herz zurechtgerückt

Ein unbekannter Autor schrieb im Internet nachdenkliche Zeilen:

„Ich wünsche mir ein kleines Stück

von warmer Menschlichkeit zurück.

Ich wünsche mir in diesem Jahr

eine Weihnacht wie als Kind sie war.

Es war einmal, schon lang ist’s her,

da war so wenig so viel mehr“.

Soweit zu den Romantikern. Den Zukunftsorientierten wünsche ich Frohe Weihnachten, eine Zeit der Besinnung und ein realistisches, feinfühliges – und wenn Sie noch mögen – zu Hause auch friedliches Familienfest.

 

Autor: Wilfried H. H. Remmers

Foto: © HAMBURGschnackt.de

 

14. Dezember 2016 von Redaktion

Kategorien: Hamburg denkt, Wissensdurst

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