Tischler

Handwerk lernen: Tischlein bau ich

Selbermachen ist beliebt. Vor allem im Handwerk tut sich einiges. Der Ottenser Jochen Lichtenberg bringt Ungeübten das Tischlern nahe.

Das Stück Holz fliegt quer durch die Werkstatt. Kein Problem für Jochen Lichtenberg. Der Tischler verfügt über reichlich Geduld. In ruhigem Ton gibt er seinen weiblichen und männlichen Schützlingen Hinweise.

„Den Hobel nicht direkt an der Holzkante ansetzen, sondern ruhig mit Schwung über das Brett führen. Wenn ein breiter Span herauskommt, macht ihr es richtig“, sagt Jochen Lichtenberg.

Der Ottenser strahlt eine Gelassenheit aus, die ein Mensch hat, wenn er in seinem Traumberuf arbeitet. Unter der Woche schreinert er in seiner Tischlerei zusammen mit einem Mitarbeiter Möbel. Am Wochenende gibt er seit 2003 sein Wissen an interessierte Laien weiter.

Konzentriert und dennoch mit Spaß

Ob Anfänger oder Fortgeschrittener – in einem Punkt sind sich alle einig: Man habe früher Vater und Großvater beim Werken zu wenig über die Schulter geschaut.

Es wird konzentriert gearbeitet und viel gelacht: Mal hält ein Teilnehmer den Hobel verkehrt herum, dann wieder gestaltet sich der Umgang mit dem Stemmeisen problematischer als gewünscht.

Da müssen die Teilnehmer durch, am Ende bekommt jeder etwas Ordentliches hin. Auch weil Jochen Lichtenberg immer wieder mit kleinen Tipps hilfreich zur Seite steht. Phasen der Frustration werden gemeinsam bewältigt: Jeder versägt oder vermisst sich mal.

Man muss sich mit dem Werkzeug vertraut machen

Im Grundkurs „Klassische Handwerkstechniken“ lässt Jochen Lichtenberg die Teilnehmer ein Tablett anfertigen. Er bringt ihnen den Umgang mit traditionellem Handwerkszeug bei: Hobel, Holzhammer oder Tischlerwinkel etwa und, nicht zu vergessen, ein stets gespitzter Bleistift.

Was zunächst als Selbsthilfe-Werkstatt entstand, entwickelte sich über die Jahre zur Handwerksakademie, in der Interessierten das Tischlern näher gebracht wird. Heute bietet Jochen Lichtenberg in seiner Ottenser Tischlerei etliche Kurse an.

Neben dem Grundkurs sind dies „Möbel aus Massivholzplatten“, „Oberfräsen“ und „Multimöbel“. Ein Abendseminar ermöglicht zudem die Umsetzung eigener Ideen.

Doch so weit sind die Teilnehmer an diesem Winterwochenende noch nicht. Sie haben schon ausreichend mit der Fertigung des eigenen Tabletts zu tun.

Gelassenheit und Ruhe – sonst wird es nichts

Ein Familienvater aus Schnelsen will lernen, wie Holz ohne extra viel Leim oder lange Schrauben optimal zusammenhält. Leichter gedacht als getan. „Ich muss lernen, mit mehr Gelassenheit und Ruhe an die Herstellung eines Möbelstücks heranzugehen“, sagt der Selfmade-Tischler, „nur so kann es gelingen.“

Jochen Lichtenberg kommentiert die Aussage nicht. Sein Schweigen ist Bestätigung genug. Der erfahrene Handwerker weiß, dass Holz als Material einen behutsamen Umgang benötigt. Es arbeitet und verzeiht keine abrupte Behandlung.

Am Ende des zweiten Tages nimmt jeder Teilnehmer sein selbstgebautes Tablett mit nach Hause. Auf dem Heimweg sagt ein Freizeit-Tischler: „Es ist schön, etwas Nützliches geschaffen zu haben. Im Büro fragt man sich gelegentlich, welchen Sinn die Arbeit wirklich hat.“

Autorin: Rabea Ganz
Bildbeschreibung Titelfoto: Kursleiter Jochen Lichtenberg: Tischler-Unterricht in Ottensen für jedermann.

2. März 2015 von Redaktion

Kategorien: Hamburg entspannt, Lebensfreude

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