Pimp my Life Teil-2

Pimp my life – Selbstoptimierung Teil 2

Frauen sind anders, Männer auch – selbst beim Body- und Life-stylen.

Im ersten Teil unserer Serie ging es um den Trend, das Maximum aus dem eigenen Ich herauszuholen. Die Forscher sprechen neudeutsch von Self Tracking. Gemessen und optimiert wird inzwischen nahezu jeder Lebensbereich.

Sogar die eigene Intelligenz. Ganz Hamburg postet derzeit seinen IQ auf Facebook. Die clevere Marketingaktion eines Anbieters für Gehirntraining packt uns bei der eigenen Eitelkeit. Die Anwendung liefert massenweise positive Ergebnisse und damit gute Gefühle. Stolz werden die IQ-Werte, die bemerkenswerterweise alle oberhalb des Durchschnitts liegen, mit Freunden geteilt, kommentiert und gelikt. Binnen kürzester Zeit ist die Plattform somit in aller Munde und wer möchte, kann seinen IQ durch konsequentes Gehirntraining weiter optimieren. Hand auf´s Herz: Haben Sie sich auch schon anstecken lassen und Ihren IQ gecheckt? Und haben Sie sich gut gefühlt, als Sie erfahren haben, dass Sie zu den zehn oder gar fünf Prozent der intelligentesten Deutschen gehören? Seien Sie ehrlich! Männer wie Frauen sind ganz wild darauf, ihre Intelligenz zu messen und sich mit anderen zu vergleichen. Beim Thema Fitness und Lifestyle gibt es jedoch Unterschiede.

Männer sind Fitness-Konkurrenten

„Der Trend zur Selbstoptimierung kommt aus der Sportbewegung“, sagt Prof. Peter Wippermann. Der Hamburger erforscht mit seinem Team an der Uni in Essen Trends. Mit Aufkommen der Smartphone ab 2007 und damit der Apps (technische Applikationen) hat sich das Messen, Kontrollieren und Optimieren von Körperwerten, Fitnesslevel, Effizienz etc. rasant ausgebreitet. Wer will, kann schon nachts beginnen. Schlafrhythmus und Atemfrequenz lassen sich über Stirnbänder und spezielle Schlafshirts überwachen – die Auswertung gibt es via Smartphone oder PC.

Männer sehen sich laut Wippermann ohnehin ständig in einem Wettbewerb zu anderen. Das war in grauen Vorzeiten so und hat sich bis heute nicht geändert. Wen wundert es also, dass vor allem junge männliche Leistungsträger die technischen Möglichkeiten nutzen, um sich optimal zu tunen und besser zu sein als die Konkurrenz? Wer läuft am schnellsten, trainiert am effizientesten, verbrennt am meisten Fett und hat die beste Ausdauer? Via App lassen sich alle Vital- und Fitnesswerte ständig messen, analysieren und optimieren. Mit Fitness wird Leistungsfähigkeit assoziiert. Wer diszipliniert und hart an sich arbeitet, gilt auch im Job schnell als jemand mit Biss und Durchsetzungsvermögen. Wir alle kennen die jungen drahtigen Managertypen, die pausenlos an ihrer Karriere arbeiten – auch nach Feierabend im Fitnessstudio oder beim Workout in der Natur.

„Für Männer sind Zahlen leichter zu managen als Körperwahrnehmungen“, sagt Prof. Wippermann. Kein Wunder also, dass Männer es als cool ansehen, ihre Daten permanent unter Kontrolle zu haben.

Frauen tunen anders

Auch weibliche Führungskräfte müssen natürlich leistungsfähig, fit und gesund sein. Anders als Männer legen die Frauen jedoch weit weniger Wert auf permanentes Messen und Überwachen ihrer Fitnesswerte. Sie orientieren sich vermehrt an Körperwahrnehmungen und optimieren ihre Gesundheit hauptsächlich über Ernährung und Lifestyle-Produkte.

Balance ist Frauen deutlich wichtiger als ihren männlichen Kollegen. Auskünfte über den eigenen Stresslevel bekommen sie zum Beispiel über smarte BHs. Auch Lifestyle-Produkte wie eine Hautstraffungsmarmelade oder ein Antifalten-Drink zielen auf das weibliche Klientel ab. Viel jünger aussehen in nur 42 Tagen versprechen die Hersteller des Drinks. Dass Joghurt gesund ist, steht außer Frage. Wenn er gleich noch die Unterhaut stärkt und damit der lästigen Cellulite ganz ohne zusätzliches Workout zu Leibe rückt, dann ist er wie geschaffen für die moderne Frau von heute. Auch Lebensstile wie die Veganerbewegung fallen in die Rubrik der Selbstoptimierer.

Gesunder Lifestyle verjüngt unsere Gesellschaft

„Gesundheit ist zum ersten Mal in Deutschland der höchste Wert vor Freiheit“, sagt Peter Wippermann. Ein Bewusstseinswandel, der eng mit der demografischen Entwicklung verknüpft ist. Der Wandel in der Altersstruktur eines Landes geht nach Angaben von Forschern immer mit einem Wandel des Lebensgefühls einher. Körperbewusstsein und Vorsorge bekommen einen neuen Stellenwert. Je älter ein Land, desto jünger fühlen sich seine Bewohner.

Vorschau: Im dritten Teil unserer Reihe „Pimp my life“ geht es um die Frage, wie sich die Bedeutung der Gesundheit auf unsere Einstellung gegenüber Schönheit auswirkt.


Nutzen auch Sie regelmäßig Apps, um Ihre Fitnesswerte zu kontrollieren? Achten Sie ganz besonders auf Ihre Ernährung und bevorzugen Lifestyle-Lebensmittel? Diskutieren Sie mit und lassen uns an Ihren Erfahrungen teilhaben.
Wir freuen uns über Ihre Kommentare und Mails.

Autorin: Harriet Lemcke

22. August 2014 von Redaktion

Kategorien: Hamburg denkt, Wissensdurst

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